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Flöte aktuell 1.2004 (5/6)

Querflötenkauf V - Teil 5

Welt-Übersicht Querflötenhersteller:
Böhmflötenbau in Deutschland

Klaus Dapper

Paul Krebs (1915-1989)

Paul Krebs machte seine Lehre von 1930-33 bei Gustav Reinhold Uebel (sen.) in Erlbach, bei dem er später auch (bis 1939) als Geselle arbeitete. Nach dem Krieg arbeitete er von 1948 an als Holzblasinstrumentenmacher bei der Firma Karl Bauer, 1951 machte er seine Meisterprüfung, 1953 gründete er seine eigene Firma. Diese trat 1961 der "PGH Sinfonia" bei, 1972 wurde daraus der "VEB Sinfonia", ab 1984 "VEB B&S". 1980 erfolgte die Vereinigung der Werkstätten Gust. Reinh. Uebel und Krebs zum "Flötenbau Erlbach". 1986 beendete Paul Krebs seine berufliche Tätigkeit, danach wurden Modell und Name Krebs nicht weiter verwendet; der Flötenbau wurde unter der Marke Gust. Reinh. Uebel weitergeführt.

Kurt Jacob (1896-1973)

Lernte den Flötenbau bei Carl August Schreiber jr., blieb dort vom Beginn seiner Lehrzeit (1911) bis zu seiner Meisterprüfung im Jahre 1922. Im selben Jahr machte er sich dann als Flötenbauer selbständig. Neben seinen handwerklichen Fähigkeiten war er ein guter Flötist und spielte 60 (!) Jahre lang im städtischen Sinfonieorchester Markneukirchen, das sich aus den in der Umgebung lebenden Musikinstrumentenbauern zusammensetzte. Kurt Jacob baute Konzertflöten und Piccolos in Holz und Metall. Auch Querflöten aus Plexiglas wurden seit 1939 für kurze Zeit hergestellt. Neben seinem Enkel Joachim Spranger, der 1964 die Meisterprüfung ablegte, bildete er auch Werner Wetzel zum Flötenbauer aus. Auch Kurt Gemeinhardt arbeitete in seiner Werkstatt; ob als Lehrling oder Geselle, ist nicht sicher. Nach Kurt Jacobs Tod wurde Joachim Spranger sein Nachfolger. Die Firma zog nach Erlbach um und wird dort als 1-Personen Betrieb weitergeführt. Querflöten von Kurt Jacob tragen nur teilweise Serien-Nummern.

Portrait von Gabor Deak in: Flöte aktuell 3/90

Herbert Arnold Schaff (1900-1960)

Gründete 1929 seine Werkstatt in Erlbach, Vogtland. Seine Vorfahren waren Metallblasinstrumentenbauer. In den Jahren der Wirtschaftskrise um 1930 war er auch als "Ansetzer" für die Gebrüder Mönnig tätig. Nach 1945 arbeiteten ca. 6 Personen in seiner Werkstatt, darunter seine zwei Söhne. Nach seinem Tod 1960 erlosch der Betrieb, da sein Sohn Siegfried Schaff (geb. 1927) keinen Gewerbeschein zur Fortsetzung des Betriebs erhielt. Dieser war von 1960-1990 in der väterlichen Werkstatt als Ansetzer für die Leipziger Firma Otto Mönnig tätig.

Werner Wetzel (1910-1995)

Der aus Markneukirchen stammende Werner Wetzel war vor allem als Alt- und Bassflöten-Spezialist bekannt. Daneben baute er auch Klarinetten und insbesondere Oboen. 1925 begann er auf Empfehlung seines Onkels Arthur Gemeinhardt eine Lehre zum Holzblasinstrumentenbauer bei Kurt Jacob, die er 1928 abschloss; von 1930 bis 1933 arbeitete er für einige Jahre in St. Gallen/Schweiz in einer Werkstatt für Instrumentenbau, wo er - als 19-jähriger - seine erste Böhmflöte baute. In jenen Jahren erwog er auch, einem Angebot seines Onkels zu folgen und sich in Amerika niederzulassen. Er ging aber wieder nach Markneukirchen zurück, um bei Gebr. Mönnig als "Klappenarbeiter" zu arbeiten. 1938/39 (?) machte er seine Meisterprüfung. 1950 ließ er sich in Ost-Berlin als selbständiger Holzblasinstrumentenbauer nieder, wenige Jahre später übersiedelte er nach West-Berlin, rechtzeitig vor dem Bau der Berliner Mauer. 1970 baute er in Zusammenarbeit mit dem Wiener Flötisten Thomas Pinschoff eine Bassquerflöte (in C) mit einem ungewöhnlichen Tonumfang: Die Flöte verfügte über einen G-Fuß (!!); die 5 zusätzlichen Klappen wurden mit den beiden kleinen Fingern und dem rechten Daumen (2 Klappen) betätigt. Die Flöte wurde wegen ihrer großen Länge längs gespielt, nur das T-förmige Kopfstück war am oberen Ende quer gestellt. Pinschoff nannte dieses Instrument das "Pinschofon". 1973 nahm Wetzel ein Angebot des Münchener Musikhauses Hieber an, in München eine Flötenbau-Werkstatt aufzubauen. Dort erweiterte er die Flötenfamilie um viele zusätzliche Mitglieder. Von seiner Pensionierung 1981 bis zu seinem Tod 1995 lebte er in Darmstadt.

Hans Reiner (1903-1983)

Begann 1917 die Ausbildung zum Holzblasinstrumentenmacher in der Werkstatt seines Vaters Anton Reiner. Nach Abschluss der Lehre bekam er eine Stelle bei der Firma Gebr. Mönnig, einige Zeit später bot sich die Gelegenheit, bei einem der großen Böhmflöten-Spezialisten zu arbeiten: bei Philipp Hammig. 1936 legte er seine Meisterprüfung ab. Mittlerweile hatte er auch das Spiel auf der Böhmflöte erlernt und spielte im Musikvereins-Orchester. Werkstattgründung in Schöneck zwischen 1936 und 1938. Die Kriegszeit überstand er in einem Militärorchester. Dass er im Krieg niemandem etwas zuleide tun musste, verdanke er seiner geliebten Flöte, schrieb er. In den 60er Jahren entwickelte er in Zusammenarbeit mit dem Berliner Flötisten Otto Rühlemann die "ballastfreie" Böhmflöte, bei der die aufgelöteten Schienen und Ringe wegfielen. Zusammen mit ihm wurde auch eine Hoch-Fis-Mechanik entwickelt, die durch die Bauart bedingten Anspracheprobleme bei Fis 3 beseitigte. Hans Reiner stellte neben den Konzertflöten hervorragende Piccolos und Altquerflöten her.

Portrait: Gabor Deak in: Flöte aktuell 1/90

Franz Mehnert (1893-1978)

Franz Mehnert stammt aus Rossbach/Hranice in Böhmen und wuchs in Markneukirchen auf. Er lernte den Flötenbau bei der Firma F.G. Uebel in Wohlhausen. Danach arbeitete er von 1911-1913 bei Rittershausen in Berlin. Zurückgekehrt ins Vogtland wurde er 1923 als Geselle Mitarbeiter der damals berühmtesten Markneukirchener Werkstatt für Böhmflöten: bei Carl August Schreiber. Bald war er dort Werkstattmeister. Nach Schreibers Tod 1931 führte er die Böhmflöten-Firma weiter und wurde 1939 alleiniger Inhaber. 1949 verließ er Markneukirchen und siedelte nach Stuttgart um. Auffälliges Merkmal seiner Flöten nach 1950 war, dass die Achsböckchen direkt hart auf das Rohr gelötet waren, nicht wie üblich auf eine Trägerschiene, die weich auf das Rohr gelötet wird. Weiter entwickelte er eine neue Hoch-G-A-Trillerachse: Die Brückenmechanik konnte vermieden werden. Alle drei Trillerklappen (D-, Dis-, und Hoch-G-A-Triller) kamen mit einer einzigen Achse aus. Außer Silber- und Goldflöten wurden, wie schon in der alten Firma Schreiber, Böhmflöten aus Grenadill und Kokos sowie Piccolos gebaut. Spezialitäten waren die legendären "verdünnten" aus Kokosholz und Schreibers Patent-Trillerklappenflöte.

Nach seinem Tod 1978 übernahm sein Sohn Jochen Mehnert (geb. 1937) den Betrieb. Er verlegte das Geschäft in den kleinen Ort Ottenbach bei Göppingen. Dort baute er weiter silberne Konzertflöten; nach 1988 kamen Konzertflöten in Holz und Piccolos dazu. Um 1987 wurden jährlich etwa 30 Konzertflöten gebaut. Zu dieser Zeit begann sein ältester Sohn Bernd (geb. 1963, Meister seit 1996) im väterlichen Betrieb mit der Ausbildung zum Flötenbauer. 1978 wurde eine neue Skala in höherer Stimmung eingeführt. Als Glücksfall für die Weiterentwicklung der Mehnert Flöten erwies sich die langjährige und enge Zusammenarbeit mit Gustav Scheck. Heute wird die Firma von Jochen Mehnert zusammen mit seinen beiden Söhnen Bernd und Tino (geb. 1966, Meister seit 1990) geführt.

Mehnert Flöten werden seit Bestehen der Firma nur auf Bestellung gebaut; die Wartezeit beträgt einige Monate, aber alle Grundmodelle in Silber, Gold und Holz sind vorrätig und können im Betrieb probiert werden.

Portrait von H.-U. Heinzmann in: Flöte aktuell Okt./87

Richard Müller (1882-1929)

Richard Müller stammt aus Graslitz und hat dort seine Ausbildung zum Holzblasinstrumentenbauer bei V. Kohlert's Söhne erhalten. Danach arbeitete er bei Adler, Nürnberger (Markneukirchen), Stümpel (Minden) und A. E. Fischer (Bremen), bevor er sich 1919 in Bremen selbständig machte. Sein Schwiegersohn Richard Müller jun. leitete die Firma von 1929-72. 1972 übernahm sein Sohn Jürgen Müller die Firma. Seit dem tödlichen Unfall von Jürgen Müller 1985 führt seine Frau Eicke Müller das Geschäft bis heute weiter. Von Anfang an wurden Klarinetten und Querflöten hergestellt. Neben der nach wie vor angebotenen Cflöte in Silber sind die Alt- und Bassquerflöten eine Spezialität der Firma Richard Müller. Bassquerflöten gibt es mit einfachem oder doppeltem Bogen; letztere Ausführung aus Platzgründen ohne Trillerklappen.

Homepage: www.klarinettenmueller.de

A. E. Fischer (1840-1920)

August Emil Wilhelm Fischer war der Bruder des nach New York ausgewanderten Carl Fischer, der als Importeur und Händler von Musikinstrumenten und als Inhaber eines Notenverlags große Bekanntheit erlangte. A. E. Fischer machte sich 1864 als Holzblasinstrumentenbauer in Bremen selbständig. Neben Oboen und dem Englisch-Horn war er Spezialist für Böhmflöten. Der Betrieb existierte bis 1949.

Werner Fischer (1921-1998)

Werner Fischer stammt aus Wohlhausen, Vogtland. Er wurde bei der Firma F. A. Uebel zum Holzblasinstrumentenbauer ausgebildet. Nach dem zweiten Weltkrieg arbeitet er zunächst bei der Firma Richard Müller in Bremen. 1958 eröffnete er in Bremen eine eigene Meisterwerkstätte für Böhmflöten und Piccolos. Er baute später kaum noch Querflöten, sondern entwickelte sich zu einem Spezialisten für Kopfstücke für Konzertflöten und Piccolos. 1985 übergab Werner Fischer seine Firma an den langjährigen Mitarbeiter Achim Kopitzki (geb. 1958), ebenfalls ehemaliger Mitarbeiter der Firma Richard Müller, der sie bis heute weiterführt. Werner Fischer blieb aber noch lange Mitarbeiter des Betriebs. Auch unter Achim Kopitzki wird der Flötenbau in kleinem Rahmen weitergeführt: Auf Bestellung werden Silberflöten mit gelöteten Tonlöchern und den üblichen Optionen gebaut. Nach wie vor ist der Schwerpunkt die Herstellung von Kopfstücken. Vor allem W. Fischer Palisander-Kopfstücke für Piccolos haben bei Orchesterflötisten einen guten Ruf. Piccoloköpfe gibt es in glatt, mit Reformansatz und verdünnt mit herausgearbeiteter Reform-Mundplatte. Kopfstücke für Konzertflöten werden in Silber, Gold und Silber mit goldener Mundplatte gebaut. Auch diese sind seit etwa 10 Jahren wahlweise mit Reformplatte (aus Metall!) zu haben, einer Ausführung, für die eine recht hohe Nachfrage besteht. Es ist übrigens möglich, die Flöten und Piccolos sämtlicher großer Hersteller mit einem Fischer-Kopf anstelle des normalen Kopfstücks zu erhalten. Langjähriger Mitarbeiter von Achim Kopitzki ist Michael Dürk, der soeben dabei ist, seinen Meistertitel zu erwerben.

Portrait von H. U. Heinzmann in: Flöte aktuell Okt/86

Anton Johann Braun geb. 1941

stammt aus Temeschburg / Temesvar (Österreich -Ungarn, seit 1920 zu Rumänien gehörig), einer Stadt mit einst erheblichem deutschstämmigen Bevölkerungsanteil und wechselhafter Geschichte. Die Werkstatt wurde im Jahre 1896 von Anton Braun sen. gegründet. Dieser hatte Instrumentenbau bei seinem Vater Johann Braun in der von C. W. Richter 1867 gegründeten Werkstätte in Szegedin erlernt. Anton Braun Senior stellte in Handarbeit verschiedene Holzblasinstrumente wie Flöten, Klarinetten und Tarogatos her. Als er 1928 verstarb, übernahm sein Sohn Anton Michael Braun das Geschäft und spezialisierte sich ausschließlich auf Saxophonbau. 1973 ging er in den Ruhestand und übergab seinem Sohn Anton Johannes Braun, Holzblasinstrumenten-Macher und Dipl.-Ing. für Maschinenbau, die Betriebsführung. 1979 ließ er sich in der Bundesrepublik nieder und hat seitdem seinen Firmensitz in Egelsbach zwischen Frankfurt und Darmstadt. Seine Tochter Antonia Eva Braun seit 1998 im väterlichen Betrieb tätig hat 2001 ihre Ausbildung zur Holzblasinstrumentenmacherin abgeschlossen und sichert auch in der 5. Generation den Fortbestand des Unternehmens.

Anton J. Braun hat sich einen Namen als Piccolo-Spezialist gemacht. Seine Überlegung war, bei der Piccoloflöte genau wie bei der großen Böhmflöte anstelle des doppelten mit einem einfachen Tonloch für die H-Daumenklappe auszukommen. Diesen Schritt hatte Böhm bei dem Wechsel von der konischen Ringklappenflöte (doppelte H-Daumenklappe) von 1832 zur zylindrischen Böhmflöte von 1847 (einfache H-Daumenklappe) selbst vollzogen; bei der Piccoloflöte ist allerdings der Stand der Technik noch heute im Prinzip der einer miniaturisierten (konischen) Böhmflöte alten Stils. Die neue Bauweise behob die mit dem Doppel-Loch verbundene akustische Unzulänglichkeit von gis 3 und machte gleichzeitig eine Hoch-Gis-Mechanik überflüssig. Es zeigte sich aber, dass durch die einfache Veränderung des Daumenlochs die Intonation der gesamten Skala aus den Fugen geriet. Dies erforderte letztlich eine völlige Neuberechnung von Schallröhre und Tonlöchern im Bereich der linken Hand, für die ein Patentschutz besteht. Die so entstandene Piccoloflöte mit "Briccialdi" Daumenklappe wurde 1985 auf der Frankfurter Messe vorgestellt, sie ist beim Holz-Piccolo bislang einmalig.

Das neue Braun-Piccolo überzeugte die Fachwelt sofort. Von Anfang bis auf den heutigen Tag gelten die Braun Piccolos unter Orchesterflötisten zu den weltbesten.

1993 hat Anton Braun das Angebot um Konzertflöten aus Holz erweitert. Diese seit 1993 auf dem Markt befindliche moderne dünnwandige Holzflöte ist leicht wie eine Vollsilberflöte. Das Instrument vereint die edle, warme Klangschönheit der Holzflöte mit der bei Holzflöten meist fehlenden Brillanz der Metallflöte. Dies wurde u.a. durch das patentierte Holzkopfstück mit eingesetztem Goldkamin erreicht. Die Holzflöte gibt es dreiteilig oder zweiteilig mit durchgehendem Mittel- und Fußstück (C-Fuß).

Darüber hinaus hat Anton Braun ein neuartiges Flöten- und Piccolo-Polster entwickelt. Dieses Polster besteht aus feuchtigkeitsunempfindlichem Material mit einer Beschichtung auf der zum Tonloch zugewandten Seite. Die Struktur der Beschichtung ähnelt der Oberflächenbeschaffenheit des Holzes und sorgt somit für die Dämpfung unerwünschter hoher Frequenzen.

Portrait von Rüdiger Jacobsen: Flöte aktuell 1/86

homepage: www.braunflutes.com

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aktualisiert am Mittwoch, 29. Nov. 2006 um 14:06:27 CET

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