Flöte aktuell 2.2008
Yossi Arnheim
PortraitVON CHRISTIANE YEHUDIN-PETERSEIM
Eigentlich wollte Yossi Arnheim Oboe
erlernen – aber dafür reichten die finanziellen
Mittel nicht. Heute ist er Soloflötist des
Israel Philharmonic Orchestras (IPO) und
einer der bekanntesten Musiker Israels.
Ich treffe Yossi Arnheim in seiner Wohnung
in Tel Aviv. Gerade ist er von einer Konzertreise
aus London zurückgekehrt.
Yossi Arnheim begann seine musikalische
Laufbahn auf der Blockflöte. Eigentlich sollte
sich ein Oboenstudium anschließen – doch
daraus wurde aus Geldgründen nichts. Am
Konservatorium Tel Aviv-Yaffo gab es zu jener
Zeit keinen Oboenlehrer und für Privatunterricht
hatte die Familie kein Geld.
So kam er zur Querflöte. Sein Lehrer erkannte
das außergewöhnliche Talent und
schickte ihn schon nach zwei Jahren zum
Studium zu Uri Toeplitz. dem damaligen Solofloetisten
des IPO. Bei ihm studierte Yossi
Arnheim 12 Jahre, absolvierte sein Akademiestudium
(entspricht dem deutschen
Hochschulstudium) und kam danach für
weitere zwei Studienjahre nach München zu
Paul Meisen. Ermöglicht wurde ihm sein
Deutschlandaufenthalt durch ein DAAD-Stipendium.
Nach seiner Rückkehr nach Israel (1983) erspielte
er sich die Stelle des "assistant soloflutist"
im IPO
Bereits während seiner Studienzeit war er
sehr geschätzt als Aushilfe im Tel Aviver
Opernorchester und auch als Piccolist im
IPO..
Yossi ist heute in Israel einer der vielseitigsten
Flötisten. Er spielt in verschiedenen
Kammermusikensembles, unterrichtet an
zwei Hochschulen und organisiert landesweit
Workshops. Außerdem ist er Direktor
der Jugendförderung des "Miskenot sha'ananim",
eine Art von "Jugend musiziert" in Israel.
Auf die Frage, welchen Unterschied er
zwischen dem musikalischen Niveau von
damals, zu Zeiten seines Karrierebeginns,
und jetzt sieht, zeigt er sich nachdenklich:
„Heutzutage können fast alle Studenten fast
alles technisch bewältigen. Die technische
Seite des Instruments wird stark betont. Das
bedeutet, dass hier die Anforderungen, aber
auch das Niveau sehr hoch sind. Musikalische
Ausnahmeerscheinungen, die exzellente
Technik mit Ausdrucksstärke und Gefühl
für ihr Instrument verbinden können, sind
heute jedoch genauso wie damals herausstechend.
Für seine Studenten ist es Yossi von höchster
Prioritaet, dass jeder sein Potential maximal
entfalten lernt aber dabei, außer der
technisch möglichst hohen Ausbildung, zur
eigenen Musikalität und eigenen Meinung
geführt wird und in der Lage ist, alle Stilrichtungen
und Arten von Musik spielen zu
können.
Ein weiteres Anliegen für Y.A. sind die landesweiten
Flötentage und -workshops. Er
veranstaltet zusammen mit Konservatorien
in ganz Israel Weiterbildungen für Flötenpädagogen,
Konzerte mit Schülern für Schüler,
Meisterklassen auf unterschiedlichem Niveau..
Yossi Arnheims eigene Vielseitigkeit als ausübender
Musiker zeigt sich an zwei herausstechenden
Beispielen, Die Gruppe "Shesh-
Besh", die 1997 in der Besetzung Flöte, Ud
und percussion begann, widmet sich vor
allem der Musik aus dem Orient. Yossi, ein
Kind der unterschiedlichsten Kulturen,sein
Vater stammt aus Deutschland und seine
Mutter aus dem Irak,sieht in diesem Ensemble
eine interessante Verknüpfung seiner eigenen
Herkunft und seiner professionellen
Möglichkeiten."SheshBesh" besteht mittlerweile
aus einer größeren Anzahl von sowohl
jüdischen als auch arabischen Musikern. Sie
sehen heute ihre Aufgabe auch im erzieherischen
Bereich und treten vermehrt vor Schülern
auf, erklären den Unterschied der östlichen
und westlichen Musik und wollen
zeigen, dass diese Kulturen koexistieren
können. "SheshBesh" trat 1997 auch beim
Flötenfestival in Frankfurt auf.
Das zweite dem Flötisten besonders am Herzen
liegende Kammermusikensemble ist das
Duo "East Wind" mit der Harfenistin des
IPO Julia Sverdlov. Auch hier geht es den
Musikern um übergreifende Programme mit
der Stilrichtung asiatische Musik. Sie pflegen
eine rege Konzerttätigkeit im In- und Ausland
und haben auch schon einige ihrer Programme
aufgenommen.
Weitere CD-Einspielungen: Mozart Konzerte
mit dem Kammerorchester Camerata Jerusalem,
C.PH.E.Bach Sonaten zum Teil mit
Fortepiano oder Harfe.

