Flöte aktuell 4.2007 (3/3)
THEMA: Mario Caroli (Fortsetzung)
Was ihm wesentlich dabei helfe, die nötige Konzentration zu erreichen, diese Energien freizusetzen, ist, alle Stücke – auch schwierige zeitgenössische Werke – auswendig zu spielen, egal ob die Noten vor ihm liegen oder nicht. Er braucht die Bühne, jedoch nicht, um sich zu präsentieren und darauf gut zu spielen, er will mit den Konzertbesuchern in eine Interaktion treten. „Man muss keine Angst vor dem Publikum haben, die Leute sind ja schließlich ins Konzert gekommen und offen für die Musik.“ Caroli hat auch schon an ungewöhnlichen Orten gespielt, in Schulen, Krankenhäusern und Altersheimen, doch von einem Konzerterlebnis erzählt er besonders bewegend: Einmal spielte er sogar in einem Gefängnis. Schwierig war es, eine Genehmigung dafür zu bekommen, außerdem hatte er sich im Vorfeld viele Gedanken darüber gemacht, wie sich die Situation entwickeln würde, wie lange und welche Stücke er dort wohl spielen könnte. Sein Vorspiel wurde zu einer ganz außergewöhnlichen Erfahrung: „Es war extrem leise – die Menschen haben die Musik wahrlich absorbiert. Sie waren so konzentriert und haben einfach alles aufgenommen, was ich für sie gespielt habe. Oft habe ich ihre Einstellung verglichen mit der von Leuten, die ein Konzert nur nach ,gut‘ oder ,schlecht‘ beurteilen wollen, ohne ihr Herz dabei zu öffnen. Ich hoffe, dass ich den Menschen im Gefängnis wenigstens für einen kurzen Moment einen Lichtblick geben konnte. In solch seltenen Situationen denke ich teilweise die Bedeutung und Wahrheit der Kunst und von mir selbst zu erkennen…“
Seit 2002 unterrichtet Mario Caroli am Conservatoire Strasbourg eine Flötenklasse von zehn Studenten aus unterschiedlichen Ländern, die in den Postgraduierten-Studiengängen „cycle de perfectionnement“ und „cycle de spécialisation“ bei ihm studieren. In Akiyoshidai, Japan, gibt er seit zehn Jahren einmal im Jahr einen Meisterkurs, so wie er auch an anderen Hochschulen in Europa und den USA Einladungen folgt und Kurse für junge Flötisten und Komponisten anbietet. „Die Wertschätzung der Kollegen bedeutet mir sehr viel.“ Ab Oktober dieses Jahres wird er an der Harvard University Cambridge, USA bis Mai 2008 an der FROMM-residency unterichten. Dort wird er vor allem für die Komponisten der Universität ständig erreichbar sein, mit ihnen arbeiten und ihre Stücke üben. Wer sich gerne über Mario Caroli, seine Konzerttermine und CD-Veröffentlichungen auf dem Laufenden halten möchte, kann dies auch auf seiner Homepage tun: www.mariocaroli.it
Auswahldiskographie Mario Caroli
|
2007 werden folgende CDs erscheinen:
|
Erschienen in: Flöte aktuell 4/2007, Seite 44


