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Flöte aktuell 4.2007 (1/2)

THEMA: André Jaunet

André Jaunet

eine Würdigung, verfasst von
Pascal Gresset, Yvonne Kertesz-Jaunet
und Günter Rumpel, mit der
Mitwirkung von Aurèle Nicolet
und der Mitarbeit
von Martine Drinek.

André Jaunet um 1963

„André Jaunet“, Artikel von Pascal Gresset, erschienen in „Traversières Magazine“, der offiziellen Zeitschrift der Französischen Gesellschaft für Flöte, (Nr.88 , drittes Trimester 2006).

Übersetzung von Günter Rumpel (autorisiert durch die Französische Gesellschaft für Flöte, Januar 2007) mit geringfügigen Korrekturen und Ergänzungen (autorisiert von Pascal Gresset, September 2007).

Flötist aus der Region von Angers, Schüler von Philippe Gaubert und Marcel Moyse, gebürtiger Franzose und Wahl-Zürcher, geprägt von französischer wie von deutscher Kultur, mit beiden Füßen auf der Erde, im Geiste fortwährend aktiv, ein Suchender, spielerisch im Umgang mit der Musik, den Gedanken, dem Humor, eine Erscheinung, gelegentlich wie von gestern, doch manchmal seiner Zeit voraus, so erscheint uns André Jaunet (1911-1988) als Wegweiser zum Verständnis flötistischer Geschichte des 20. Jahrhunderts, zur Entflechtung von Wurzeln und Herkunft, wie auch zur Verfolgung einer fortschreitenden Internationalisierung des Flötenspiels. Heute wenig bekannt in seinem Heimatland, doch gegenwärtig im kollektiven Gedächtnis der Flötisten glücklicher Gewinner des Genfer Wettbewerbs von 1939, der die Ballade von Frank Martin uraufführte, machte er Karriere in der Schweiz, wo er von 1938 bis 1976 als Soloflötist im Tonhalleorchester Zürich wirkte. Zu seinen Schülern am Konservatorium Zürich und anderswo zählen Namen wie Robert Aitken, Michie Bennett, Torkil Bye, Dieter Flury, Jean-Claude Gérard, Peter-Lukas Graf, Kiyoshi Kasai, Chang-Kook Kim, Conrad Klemm, Felix Manz, Peter Martin, Paul Meisen, Ulrich Meyer, Aurèle Nicolet, Günter Rumpel, Martin Ulrich Senn, Gérard Schaub, Akira und Takashi Shirao, Uri Shoham und Masao Yoshida, und noch im Herbst seines Lebens konnte er seine Ratschläge an Bruno Grossi und gelegentlich an Emmanuel Pahud weitergeben. Sein Weg führte bei Konzerten zu Begegnungen mit Ernest Ansermet, Luciano Berio, Pierre Boulez, Willy Burkhard, Hugues Cuénod, Edwin Fischer, Herbert von Karajan, Frank Martin, Yehudi Menuhin, Hans Rosbaud, Paul Sacher, Jordi Savall, Nicanor Zabaleta und vielen mehr. Heute findet man die Neuauflage seiner Aufnahmen in Japan, was seinen Bekanntheitsgrad vergrösserte. Er hinterlässt uns ebenfalls seine lebenslang wohl behüteten Aufzeichnungen, welche von seiner Vertiefung in musikalische, stilistische und instrumentale Fragen zeugen. Als Mensch, als Musiker und Pädagoge hat er diejenigen, welche ihn kannten, tief berührt und geprägt. Als Träger einer eigentlichen Schule der instrumentalen und künstlerischen Erziehung gehört er zu den wenigen grossen Musikpädagogen seines Jahrhunderts. Der Flötist Pierre-Gabriel Buffardin verliess im 18. Jahrhundert Frankreich, um als Soloflötist an der Dresdner Hofkapelle zu wirken, zählte Johann Joachim Quantz zu seinen Schülern und verbreitete durch seinen Stil, seine tonlichen Qualitäten und die Präzision seines Spiels die französische Flötenkunst auf deutschem Gebiet. Parallelen zwischen dem Marseiller Flötisten in Dresden und seinem Nachfolger aus Angers in Zürich drängen sich auf.

Die französische Gesellschaft für Flöte legt Wert darauf, sich zu bedanken bei Yvonne Kertesz-Jaunet, Günter Rumpel und Aurèle Nicolet für ihre hilfreiche und grosszügige Art der Mitarbeit zu diesem Dossier.

Seiten:

Erschienen in: Flöte aktuell 4/2007, Seite 10



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aktualisiert am Sonntag, 23. Dez. 2007 um 15:50:12 CET

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