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Flöte aktuell 3.2007 (1/3)

Die Flöte der Mozartzeit — Teil 1

Peter Spohr


Wir wollen unter 'Flöte der Mozartzeit' solche Instrumente verstehen, deren Verwendung Mozart erwartete, wenn seine Kompositionen mit Flötenpartien zu seinen Lebzeiten aufgeführt wurden.

In der Querflötengeschichte des westlichen Kulturkreises gab es Zeiten mit schnelleren oder substantielleren Änderungen, z.B. den Übergang zur einklappigen Flöte oder zum Boehmsystem, die sich mit Zeiten langsamerer oder subtilerer Änderungen abwechselten. Andererseits legen neuere Forschungen zur Entwicklung der Barockflöte nahe, dass die sogenannte Hotteterre-Flöte wahrscheinlich nicht das einzige Konzept oder die einzige Erfindung einer barocken Querflöte in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts war. Auch dauerte es immerhin fünfzehn Jahre, bevor Boehm seine Mechanik und sein Griffsystem mit gleichmäßiger verteilten großen Tonlöchern von einem konischen Holz- auf einen zylindrischen Metallkorpus übertrug. Zudem waren zunehmend ausgeprägte regionale Unterschiede im Flötendesign üblich im 19. Jahrhundert, und Änderungen oder Erfindungen wurden manchmal in verschiedenen Ländern zu unterschiedlichen Zeiten übernommen.

Mozarts Kompositionen mit Flöte umfassen nur einen Zeitraum von 25 Jahren (oder 28 wenn man die Sonaten KV10-15 zu den Flötenwerken rechnet). Obwohl schon in den 1760er Jahren in England begonnen wurde, statt der normalerweise einklappigen Flöte solche mit mehreren Klappen zu benutzen (diese wurden wahrscheinlich Ende der 1750er Jahre dort erfunden), beeinflusste diese Entwicklung nicht die oben abgegrenzte 'Flöte der Mozartzeit', weil Mozart hauptsächlich von einer Aufführung seiner Werke im kontinentalen Europa ausging, wo die mehrklappige Flöte erst etwa zur Zeit seines Todes gebräuchlicher wurde. 1791 beschreibt Tromlitz in Leipzig noch in seinem Buch "Ausführlicher und gründlicher Unterricht die Flöte zu spielen" die Flöte mit ausschließlich Quantzscher Es- und Dis-Klappe als ausreichend, und Devienne in Paris sagt dasselbe von der einklappigen Flöte in seiner Schule von 1794. Die zeitlichen Veränderungen der Querflöte im kontinentalen Europa zwischen den 1760er und 1780er Jahren, die eine Rolle bei der Beschreibung der 'Flöte der Mozartzeit' spielen, waren sicher nicht ausgeprägt und viel kleiner als die regionalen Unterschiede zu dieser Zeit. Nur Mozarts Konzert für Flöte und Harfe KV299 wurde offensichtlich für eine Flöte mit C-Fuß (statt des üblichen D-Fußes) geschrieben und höchstwahrscheinlich für eine sechsklappige englische Flöte, was weiter unten noch ausführlicher diskutiert wird.

Ein umfangreicher internationaler Handel mit Musikinstrumenten hatte sich in Europa lange vor der Mozartzeit entwickelt. Andererseits wurden von Solisten und in Orchestern auch Instrumente von lokalen Instrumentenbauern benutzt, was man an zahlreichen noch erhaltenen Gutachten von Musikern und Dirigenten zur Qualität der Instrumente ihrer örtlichen Werkstätten sehen kann (wobei diese vielleicht auch manchmal aus Gefälligkeit geschrieben wurden). Wenn wir nach Flötenbauern in den Wirkungsstätten Mozarts zu seinen Lebzeiten suchen, können wir nicht viele finden. In Salzburg gab es zu dieser Zeit keinen bekannteren Flötenbauer, und für Wien gibt es nur ein Dokument, in dem berichtet wird, dass Mathias Rockobaur in den 1760er Jahren Holzblasinstrumente für Haydns Esterhazy-Orchester lieferte, während bekanntere Flötenbauer wie Franz Harrach oder Friedrich Hammig erst ganz am Ende von Mozarts Leben mit dem Instrumentenbau begannen. Die berühmten Wiener Flöten von Koch und Ziegler waren erst ab etwa 1807 bei Koch und ab 1821 bei Ziegler erhältlich. Wenn wir Instrumentenbauer anderer Städte mit einem Bezug zu Mozart dazunehmen, lässt sich noch Michael Eisenmenger (1723-1788) in Mannheim nennen, während die Werkstätten der bekannteren Flötenbauer in München und Prag wie Gustav Schöffl und Franz Schöllnast wiederum erst Anfang des 19. Jahrhunderts die Arbeit aufnahmen.

Glücklicherweise sind einige Dokumente zu Kontakten zwischen Mozart und dem bekannten Flötisten und Mitglied des Mannheimer Hoforchesters Johann Baptist Wendling (1723-1797) erhalten. Als Mozart ihn 1777 in Mannheim traf, vermittelte Wendling den Auftrag für '3 kleine, leichte und kurze Concertln und ein Paar quattro auf die flötte' durch den Flötenliebhaber Ferdinand Dejean, und für die jetzt verschollene "Sinfonia concertante" KV Anh.9/297B, die für Wendling und seine Kollegen Ramm, Punto und Ritter komponiert wurde. Wendling war seit 1751 häufig beim "Concert spirituel" in Paris aufgetreten, und hier war er auch ein Kunde des international bekannten Flötenbauers Thomas (III) Lot (1708-1787). Lot war so berühmt und geschäftlich erfolgreich, dass seine Instrumente (wie die der weiter unten erwähnten August Grenser und Richard Potter) schon zu seinen Lebzeiten gefälscht wurden. Auch der Flöte und Cello spielende Kurfürst Carl Theodor von der Pfalz, der seit 1754 von Wendling unterrichtet wurde, besaß Flöten von Thomas Lot. Bild 1 zeigt ein Gemälde von 1757, auf welchem Carl Theodor mit einer Flöte dargestellt ist, die höchstwahrscheinlich eine aus einem Paar seiner Thomas Lot-Flöten ist, welches heute noch im Bayerischen Nationalmuseum in München aufbewahrt wird. Wie ein anderes Thomas Lot-Flötenpaar im Horniman Museum in London sind Carl Theodors Instrumente luxuriös ausgeführt mit jeweils fünf Wechselstücken, einer noch erhaltenen Goldklappe und einem schönen Kasten. Eine andere Thomas Lot-Flöte aus Buchsbaum, vermutlich aus den 1760er Jahren, zeigt Bild 2 mit dem Herstellerstempel in Bild 3. Typische Eigenschaften dieser und anderer Thomas Lot-Flöten dieser Zeit sind kleine Mundlöcher, eine große Bohrung mit geringem Gefälle, eine tiefe Stimmung (bei etwa 405 Hz) und eine extreme Unterschneidung der Tonlöcher, was zu Schwierigkeiten mit der Intonation bei einigen Gabelgriffen führt. Der Klang ist kräftig, offen und klar mit einer ausgezeichneten Intonation der D-Dur-Grundtonleiter in allen Oktaven und einer leichten Ansprache der hohen Noten bis zum A3.


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aktualisiert am Mittwoch, 11. Jul. 2007 um 12:30:47 CEST

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