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Flöte aktuell 3.2007

Der Dichter als Flötist

Bruno Madernas "Hyperion" in Stuttgart

Julia Kiesewalter

[ffberlin07/ffberlin07_33.jpg]v.l. Mario Caroli (flauto poeta), Melanie Walz (Donna), Bernd Grawert (Schauspieler); Copyright Sebastian Hoppe

Es kommt eher selten vor, dass in einem Opernhaus die Titelpartie mit einem Instrumentalisten besetzt wird. Bruno Maderna (1920-73) weist die Rolle seines Helden Hyperion einem Flötisten zu. Denn anders als in Friedrich Hölderlins gleichnamigem Roman, kann der griechische Dichter seine Vergangenheit nicht in Worten verarbeiten, sondern vermag sie nur in der Musik heraufzubeschwören, als ein Flöten-Dichter. Mario Caroli spielte den flauto-poeta in der "Hyperion"-Inszenierung von Karsten Wiegand, die von Februar bis April an der Stuttgarter Staatsoper zu sehen war.

[ffberlin07/ffberlin07_34.jpg]Melanie Walz (Donna), im Hintergrund Mario Caroli (flauto poeta); Copyright Sebastian Hoppe

Bedächtig baut er die Stuhlreihen auf, der Protagonist ist kaum auszumachen in dem regen Treiben vor dem mediterranen Konzertpavillon. Der Serenaden-Abend ist mehr ein gesellschaftliches als ein musikalisches Ereignis. Eine zünftige Blaskapelle erntet viel Beifall. Doch die ausgelassene Stimmung wird durch schrille Flötentöne gestört: der flauto-poeta Hyperion hat der Orchester-Flötistin verzweifelt ihr Instrument entrissen und verschafft sich Gehör. Hoffnungslos setzt er zu seiner ersten Kadenz an.

[ffberlin07/ffberlin07_35.jpg]v.l. Melanie Walz (Donna), Bernd Grawert (Schauspieler), Mario Caroli (flauto poeta); Copyright Sebastian Hoppe

Maderna lässt hier nicht Sänger einen Konflikt austragen, sondern verlagert diesen in die Instrumente und Tonband-Einspielungen, manchmal schaltet sich der Chor ein. Folgerichtig sitzt in der Stuttgarter Inszenierung von Karsten Wiegand das Orchester auf der Bühne, die Streicher zusätzlich in einem Pavillon, der auch als Spieluhr, Karussell und Totentempel fungiert. Auf der Bühne ist zum einen die Geschichte eines Konzerts zu sehen, zum anderen Friedrich Hölderlins Roman "Hyperion" angedeutet. Nur zweimal erscheinen originale Texte Hölderlins: im "Schicksalslied" und in der Arie Donna-Diotimas (eindrucksvoll gesungen von Melanie Walz), die Hyperion seine verdrängte Sprache vor Augen führt.







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aktualisiert am Montag, 19. Nov. 2007 um 22:58:17 CET

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