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Flöte aktuell 5.2005 (1b)

1. Werkstatt für Flötenpädagogik
in der Hochschule für Musik Würzburg
8. und 9. 10. 2005 — Teil 2

Ann-Kristin Hacker

Auch für die Aufführung von Sciarrinos "Il cerchio tagliato dei suoni" war im Vorfeld einiges an Organisation und Planung notwendig. Da die Spielanweisungen und das Konzept des Werkes nur auf Italienisch vorlagen, mussten diese erst professionell übersetzt werden, was die Heidelberger Musikwissenschaftlerin Alexandra Ziane übernahm. Als weiteres Problem stellte sich die Frage, wie die für Sciarrinos Werk vorgesehenen 100 Flötisten zusammengebracht werden könnten. Dafür trafen sich schon einige Monate vor der geplanten Aufführung Flötenlehrer aus Fulda, Würzburg, Schweinfurt, Veitshöchheim und Tauberbischofsheim mit Ruth Wentorf im Rahmen eines Fortbildungskurses für Flötenlehrer in Würzburg. Zuerst wurden die verschiedenen Spieltechniken, die Sciarrino in seinem rund eine Stunde dauernden Stück verwendet, analysiert und praktisch umgesetzt. Anschließend wurden Überlegungen dahingehend angestellt, wie man die modernen Spieltechniken den Flötenschülern am besten nahe bringt. Dabei entstand die Idee, Begriffe zu finden, die die modernen Techniken bildlich für die Schüler umschreiben. So wurde z.B. aus den Sciarrinos "äolischen Tönen" der "Wind", aus einer durch die Flöte geblasenen Flatterzunge der "knurrende Löwe", aus dem Ein- und Ausatmen durch den Flötenkopf die "fauchende Katze" und aus dem "tongue-ram"Probe für SciarrinoProbe für Sciarrino der "gezogene Stöpsel". Mit diesen und anderen Begriffen zogen nun die Lehrer los, um sie an den jeweiligen Musikschulen an ihre Schüler weiterzugeben. Als Aufführungsort wurde das Theater in der Bibrastraße der Hochschule für Musik ausgewählt, da sich einerseits die vier Soloflötisten rund um das Publikum platzieren konnten und andrerseits auch theaterübliche Methoden wie z.B. Licht- und Schattenspiele zur visuellen Unterstreichung von Sciarrinos "verzauberter Flötenwelt" eingesetzt werden konnten. Der Komponist und Dozent an der Hochschule für Musik Würzburg Marko Zdralek entwickelte mit Hilfe des Bühnentechnikers der Hochschule Andreas Herold die Choreographie und die Beleuchtung des Werkes.

Nach diesen ganzen Vorbereitungen kam dann endlich das ersehnte Wochenende.
Das eigentliche Wochenende begann schon am Freitag mit der Probe von Sciarrinos Werk. Über 90 Flötenschüler und ihre Lehrer trafen in der Hochschule für Musik Würzburg zum erstenmal aufeinander: Zuerst wurden die einzelnen Spieltechniken im Plenum geübt, damit die Schüler die Klänge hören konnten. Anschließend wurden die Schüler in zwei Gruppen aufgeteilt; geführt von zwei Flötenlehrern wurde die Choreographie geübt. Obwohl die Schüler konzentriert mitarbeiteten, gab es Probleme mit der Choreographie, die sich allerdings nach einer weiteren Besprechung schnell lösen ließen.

Am Samstag, den 8.10, trafen dann die Teilnehmer der Werkstatt für Flötenpädagogik ein. Das Würzburger Flötenensemble "Tutti flauti" mit Sonja Artmann, Jörg Wiedersich, Gwendolyn Lichdi, Barbara Metzger, Katharina Kieser, Elke Friedl, Ebeli Arnold und Walter Himmler eröffnete die Werkstatt mit den Werken "Albanos Traum" von Christoph Weinhart (*1958) und "The Muppet Show Theme" von Jim Henson und Sam Pottle. Die Rektorin der Hochschule für Musik Würzburg Frau Prof. Silke-Thora Matthies wünschte in ihrer Begrüßung der Werkstatt einen guten Erfolg und gab dem Wunsch, dieses Ereignis auch in der Zukunft fortzuführen, Ausdruck.
Anschließend bot sich den Teilnehmern die Möglichkeit, entweder die Kurse zu besuchen, oder sich in der Instrumenten- und Notenausstellung umzusehen.

Die Kurse und Vorträge am Samstag gestalteten sich folgendermaßen: Zuerst wurde von Studentinnen der Flötenklasse von Ruth Wentorf an der Hochschule für Musik Würzburg neue und wenig bekannte Unterrichtsliteratur auf unkonventionelle Weise vorgestellt: Unter dem Motto "Wir machen uns auf die Socken" wurde eine Leine mit Socken über das Publikum gespannt. In den Socken befanden sich Zettel mit den Titeln von verschiedenen Stücken, die, wenn sie vom Publikum gezogen wurden, von den Studentinnen mit gleichzeitig an die Wand projiziertem Notenbild vorgetragen wurden.

Danach fand der Vortrag von Prof. Jeanne Baxtresser (Pittsburgh/Boston/New York) statt, in dem sie ihre Methoden zur Vermittlung der Stütze oder des Vibratos erläuterte. Die Zuhörer zeigten sich sehr begeistert von Baxtressers Ideen und ihrem lebendigen Vortragsstil.
Nach einer kurzen Mittagspause ging es weiter mit den Kursen von Prof. Barbara Metzger und Prof. Inge Rosar (beide Würzburg). Für die beiden Workshops von Barbara Metzger: "Viel spielen - wenig üben" (Mit Gruppenunterricht durch den G8-Dschungel) und Inge Rosar "Gruppenunterricht" wurden die Kursteilnehmer in zwei Gruppen aufgeteilt, die wechselweise einen der beiden Kurse besuchten. Bei dem Workshop von Inge Rosar wurden Funktionsweise, Planung und Vorteile des Gruppenunterrichts vorgestellt. Hierbei wurde festgehalten, dass Kinder gerne zusammen mit anderen Kindern lernen und sich auch gegenseitig unterrichten. Der Lehrer muss nicht immer die "treibende Kraft" sein, die Kinder können mit Hilfe von ausgewählten verschiedenen Aufgabenstellungen immer am Geschehen beteiligt werden.
Bei dem Workshop von Barbara Metzger wurde vor allem das "G-8-Problem" angesprochen. Vier Schüler von B. Metzger standen hierfür als Beispiel. Es wurde gezeigt, wie man z.B. durch Bodypercussion, Singen oder durch intensives Zuhören viel Zeit und Umwege beim Flötenlernen spart.

Danach kam der mit Spannung erwartete Kurs des holländischen Flötisten und Performance-Künstlers Wil Offermanns, der sogar auf Deutsch gehalten wurde. 15 Kursteilnehmer wurden nach vorne gebeten und nahmen aktiv an Offermanns "Teppich der Klänge" teil: Die Flötisten bewegten sich auf einem Teppich, auf dem verschiedene Flötengriffe standen, und spielten beim Abschreiten des Teppichs die Flötengriffe entweder "ordinario" oder auf vielfältige Weise überblasen. Dadurch entstand ein akustischer "Teppich der Klänge", der die Mitspieler und Zuhörer sehr faszinierte.

Prof. Dr. Barbara Busch (Würzburg) stellte in ihrem Vortrag wenig bekannte Flötenwerke von Ferrucio Busoni und seinen Schülern (Jarnach, Luening, Geiser) vor, indem sie einerseits ein wenig bekanntes Kapitel Musikgeschichte lebendig werden ließ und anderseits exzellente Flötenliteratur vorstellte. Die besprochenen Werke wurden von den Studentinnen der Flötenklasse Ruth Wentorf Kathrin Przibilla, Juliane Mack, Ann-Kristin Hacker (Flöte) sowie Marko Zdralek (Klavier) vorgetragen.
Den letzten Workshop dieses Tages hielten Barbara Metzger und Michaela Papenberg, in dem sie das methodische Konzept ihrer Flötenschule "Querflöte spielen und lernen" vorstellten.

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aktualisiert am Montag, 27. Nov. 2006 um 12:08:22 CET

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