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Flöte aktuell 3.2005 - 20 Jahre DGfF (IV)

Und so fing es an...

Rüdiger Jacobsen

Mittlerweile ist sie längst zu einer Institution geworden, die "Deutsche Gesellschaft für Flöte e.V.", aber auch eine solche muss irgendwann einmal gegründet worden sein. Wie denn, wann denn, und vor allen Dingen, warum eigentlich?

Zwei befreundete Flötisten (zur Zeit der Gründung der DGfF gab es auch noch Vertreter des männlichen Geschlechts, die sich dieses Instrument erkiesten) hatten bei vielen gemeinsamen Treffen immer wieder die Frage erörtert, ob es nicht auch in der Bundesrepublik Deutschland (es war noch vor der Wende) möglich wäre, eine Organisation zu gründen, die für Kommunikation unter Flötistinnen und Flötisten sorgt. Hans-Udo Heinzmann, der im Sinfonieorchester des Norddeutschen Rundfunks damals spielte und auch heute noch spielt, und Rüdiger Jacobsen, Flötist bei der Frankfurter Oper fanden, dass es so etwas wie die bereits viele Jahre bestehende NFA (National Flute Association) in den USA auch in der Mitte Europas geben sollte. An den Rändern Europas, in Großbritannien und in Finnland griff man Anfang der achtziger Jahre diesen Gedanken auf und gründete Flötengesellschaften, die rasch sehr aktiv wurden.

Allerdings schien es fraglich, ob die Zeit dafür bereits reif und genügend Flöte spielende Profis und Amateure für eine solche Idee zu begeistern wären. Kommunikations-- und Informationsmöglichkeiten waren vor 20 Jahren noch wesentlich eingeschränkter als heute. Ist es heute für jeden möglich, mit ein paar Mausklicks am Computer herauszufinden, wo beispielsweise James Galway am Abend gerade auftritt, oder welche Aufnahmen es zu den Gaubert-Sonaten gibt, sah dies noch vor wenigen Jahren anders aus. Wer sich über Robert Dicks Multiphonic-Klänge informieren wollte oder neugierig auf letzte Entwicklungen im Flötenbau war, hatte so manche Hürde zu meistern. Information über alle mit der Flöte und ihrer Musik zusammenhängenden Themen zu verbreiten und die Musik der Flöte bei Veranstaltungen in den Mittelpunkt zu stellen war das hohe Ziel.

Nach einem Besuch Jacobsens bei einer Moyse-Hommage in Boswil in der Schweiz 1984 kreisten immer mehr Gedanken um die Gründung einer Flötengesellschaft. In zahlreichen nächtlichen Telefonaten zwischen Hamburg und Frankfurt wurden Ideen zusammengetragen, wie solch ein "Club" aussehen sollte und könnte.

Schnell war klar, dass als Rechtsform nur ein eingetragener Verein in Frage kam. Dieser Verein sollte zwei Hauptaufgaben besitzen: Die regelmäßige Herausgabe einer Fachzeitschrift sowie die Organisation von Treffen, die man heute in der Deutschen Sprache als Events bezeichnet. Udo Heinzmann kontaktierte einen befreundeten Richter, der die Satzung des Vereins entwarf. Rüdiger Jacobsen sammelte Themen für die erste Ausgabe der Zeitschrift und gemeinsam unternahm man den Versuch, möglichst viele Kolleginnen und Kollegen zu befragen, was diese denn von solch einem "Club" hielten. Hier stieß man auf manchen nicht erwarteten Widerstand: "Wie wollt ihr das denn finanzieren?", "Ist doch Blödsinn!", "Braucht kein Mensch!", "Prima Idee, ich werde dann der Chef davon"! So hatten sich Heinzmann und Jacobsen das nicht vorgestellt.

Es war klar, dass noch ein prominenter Kopf als Repräsentant gefunden werden musste. Dieser sollte über gute Kontakte im In- und Ausland verfügen und damit helfen, interessante Flötisten zu den Veranstaltungen zu bringen. Gefragt war ein prominenter Flötist mit Integrationskraft, internationaler Reputation und - ganz wichtig - Begeisterung und Engagement für die Sache. András Adorján schien derjenige zu sein, auf den alle Parameter passten. Ein Anruf von Udo Heinzmann bei ihm brachte Klarheit: Adorján war spontan begeistert von der Idee, er war bereit, seinen guten Namen als Präsident für den "Club" zu geben.

In der Zwischenzeit hatte Rüdiger Jacobsen ein Konzept ausgearbeitet, wie schnellstmöglich eine Vielzahl von potentiellen Club-Mitgliedern angesprochen werden können: Mit einer kostenlosen Erstausgabe der Fachpublikation. Diese wiederum sollte aus Anzeigen-Einnahmen finanziert werden. Als Herausgeber der Zeitschrift bot sich der Schwager Heinzmanns an, Erich Faltermeier, hauptberuflich Pianist, daneben beschäftigt mit Fotografie und Layout-Beratung.

Weitere Kollegen und Bekannte wurden gefunden, die sich ebenfalls engagieren wollten, doch schon jetzt war Heinzmann und Jacobsen klar, dass sie selbst in den sauren Apfel beißen und als Gründungsvorsitzende den Verein aus der Taufe heben mussten. Schließlich dann die ganze Verantwortung, insbesondere das finanzielle Risiko tragen mussten - alles selbstverständlich ehrenamtlich. Ursprünglich wollten sie sich bis zur Gründung engagieren, dann aber in den Hintergrund treten.

Jetzt musste nur noch ein Gründungstermin und mindestens sieben Gründungsmitglieder gefunden werden - so viel benötigt eine Vereinsgründung in Deutschland. Am 3. Juli 1985 war es dann so weit. Im Hinterstübchen der Gaststätte "Dippegucker" am Eschenheimer Tor in Frankfurt am Main - im darüber liegenden Volksbildungsheim werden später Flötenfestivals stattfinden - wird die Deutsche Gesellschaft für Flöte e.V. , wie der Verein in seriösem Amtsdeutsch jetzt heißt, von elf Personen gegründet. U.a. dabei: Peter Spohr, Flötist und Instrumentensammler aus Frankfurt, Mathias Perl, Soloflötist im NDR-Sinfonieorchester, Michael Hoyer, Flötist aus Braunfels, Erich Faltermeier aus Essen, der Herausgeber der Zeitschrift, die auf Vorschlag von Michael Hoyer den schlichten Titel "flöte aktuell" tragen soll. Rüdiger Jacobsen bringt seine begeisterten Orchesterkollegen Paul Dahme und Rolf Bissinger mit, der die Aufgabe des Schatzmeisters übernimmt. Schließlich Jacobsen, der zum ersten, Heinzmann, der zum zweiten Vorsitzenden gewählt werden. Die Satzung und das Satzungsprotokoll werden von allen Anwesenden unterzeichnet. Anschließend freut man sich bei einem Glas Wein über die Gründung.

Wenige Tage später beginnen die ersten Schwierigkeiten. Die Unterschriften unter den Urkunden sind nicht beglaubigt - man hat halt keine Erfahrung mit solch juristischem "Kleinkram". Das Finanzamt fordert Nachbesserungen in der Satzung wegen der steuerlichen Befreiung usw. Die Arbeit wird immer größer. Es erweist sich in der Praxis, dass die Zeitschrift besser von Frankfurt aus betreut werden kann.

Irgendwann liegen dann 4000 Exemplare der frisch gedruckten Erstausgabe von "flöte aktuell" in der Drei-Zimmer-Wohnung der Familie Jacobsen, werden dort kuvertiert und versandfertig gemacht - damals noch nicht mit Frankiermaschine, sondern mit Briefmarken!

Der Erfolg sind viele hundert Eintritte in den "Club" in den ersten Monaten. Nach einem Jahr sind es bereits über 1.000 Mitglieder. Eine erste Veranstaltung kann organisiert, als Gast kein Geringerer als Aurèle Nicolet verpflichtet werden. Und so geht es weiter voran, im Oktober 1987 dann das erste Flötenfestival in Frankfurt.

20 Jahre sind seitdem vergangen, das Konzept des Clubs hat sich bewährt und nach meiner Überzeugung hat die Deutsche Gesellschaft für Flöte e.V. Entwicklungen im Rahmen unseres Instruments erheblich befördert.

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aktualisiert am Montag, 27. Nov. 2006 um 10:53:10 CET

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