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Flöte aktuell 2.2004

Flöten Festival Hamburg 2004 - Teil 2

Wahre Meister bringen Schülern die Flötentöne bei
Europäisches Festival in der Musikhochschule

Lutz Lesle

Kaum ein Musikinstrument übt auf Damen ähnliche Anziehungskraft aus wie die Flöte - nirgends so augen - und ohrenfällig wie bei den Ansammlungen Flöte blasender Wesen, welche die "Deutsche Gesellschaft für Flöte" alle paar Jahre nach Frankfurt am Main lockt. Erstmals tagte das Europäische Flötenfestival nun in der Hamburger Musikhochschule.

Der Workshop mit Aurèle Nicolet und Felix RenggliDer Workshop mit Aurèle Nicolet und Felix Renggli Einige der gesuchtesten Lehrer gaben ihm das pädagogische Profil. Neben den Meistern der barocken Traversflöte fand der Workshop des mittlerweile 78 jährigen Schweizers Aurele Nicolet den größten Zulauf. Er setzte seinem "Unterrichtsopfer" einen der härtesten Probiersteine der modernen Flötenmusik vor: das Solostück "(t)air(e)" von Heinz Holliger.

Ursprünglich einer der 23 Bausteine seines tagebuchartigen "Scardanelli-Zyklus" nach späten Jahreszeit-Gedichten Hölderlins, verselbstständigte sich diese "multiphone" Etüde der Lust (air) und des Schweigens (taire) zum Schreckgespenst der Solo -Literatur. Doch Nicolet ist kein Sadist, sondern Humanist. Bevor er der Essener Studentin Sabine Ostern das Startzeichen gab, erinnerte er an den wahnsinnigen Hölderlin im Tübinger Turm - eine Vorstellung, ohne die das halb erstarrte, halb wütende Flötenstück kaum verständlich wäre.

Die Probandin durfte die drei mit absonderlichsten Symbolen und Aktionszeichen gespickten Notenseiten erst einmal ungestört abarbeiten, bevor Nicolet die vom Komponisten geforderten Sonderleistungen korrigierend unter die Lupe nahm: Dinge, die im "normalen" Unterricht gar nicht vorkommen (oder als Fehler gerügt werden): "im Einatmen ins Mundloch pfeifen", "im Ausatmen pfeifen", "beim Blasen mitsingen".

"Kupferfarben" soll ein Ton klingen, "schluchzend" andere. Von zwei Seiten belehrt, beatmet, besaugt und besingt die gelehrige Schülerin ihre Silberflöte.

Künstlerische Zugeständnisse wie "An dieser Stelle kommt es auf den einzelnen Ton nicht an" wären beim Studium einer Bach-Sonate undenkbar. Kaum hat der Kandidat die ersten fünf Takte der a-Moll-Partita hinter sich, als der Maestro ihn anherrscht: "Was haben Sie heute zu Mittag getrunken? Mir wird ja ganz schwindelig." Rhythmus ist Nicolets Lieblingswort.. Eines kann er, nachdem er aus Altersgründen nicht mehr vorbläst, immer noch so virtuos wie bei seinem Meisterkurs vor 42 Jahren am selben Ort: Melodien nach romanischer Art auf Tonsilben singen - "do -re -mi -sol -si -do -la..." Auch seine Predigt, "mit System" zu üben, täglich eine Viertelstunde Unbekanntes vom Blatt zu spielen und "bei Wiederholungsübungen nicht Zeitung zu lesen", ist noch dieselbe wie damals.

Das Philharmonische Kammerorchester mit Imme Jeanne Klett und Mark RohdeDas Philharmonische Kammerorchester mit Imme Jeanne Klett und Mark Rohde Wer an höherer Stelle unterrichtet, sollte immer mal wieder den Ernstfall proben. So wagte sich die Hamburger Hochschul-Dozentin Imme-Jeanne Klett, begleitet vom Philharmonischen Kammerorchester, mit einem deutsch-romantischen Poem des Amerikaners Charles Griffith und einem zungenbrecherischen Impromptu von Jean Francaix vors Fachpublikum. Björn Westlund durchmaß mit seinen philharmonischen Kolleginnen Andra Darzins (Viola) und Irina Kotkina (Harfe) Sofia Gubaidulinas "Garten von Freuden und Traurigkeiten". Was Spiellaune und Fabulierfreude ausrichten können, zeigte Soloflötistin Britta Jacobs an Frank Martins oftmals "bloß hergeleierter" Ballade.

erschienen am 29.03.2004 in "Die Welt"

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aktualisiert am Mittwoch, 29. Nov. 2006 um 12:39:46 CET

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