Flöte aktuell 1.2004 (4/6)
Querflötenkauf V - Teil 4
Welt-Übersicht Querflötenhersteller:
Böhmflötenbau in Deutschland
Klaus Dapper
Helmuth Hammig (1907-1995)
Der ältere Sohn von August Richard Hammig wurde 1907 in Saarbrücken geboren, wo sich die Familie für kurze Zeit aufhielt, wo der Vater sich aber nicht selbständig machen durfte. Zurück in Markneukirchen machte Helmuth seine Lehre im väterlichen Betrieb und lernte nebenher Flöte an der Markneukirchener Musikschule. Er löste bald Philipp Hammig als 1. Flötist im Musikverein ab, in dem August Richard Hammig 1. Oboe spielte. 1936 legte er seine Meisterprüfung ab, 1938 eröffnete er in Markneukirchen eine eigene Werkstatt, die zunächst als Zulieferer für den väterlichen Betrieb arbeitete. Die Kriegszeit überstand er im Musikkorps der Wehrmacht, 1947 nach Ende der Kriegsgefangenschaft kehrte er nach Markneukirchen zurück. Kurz darauf begann sein Sohn Dieter eine Lehre im väterlichen Betrieb. In Berlin war nach dem Krieg kein Holzblasinstrumentenbauer übriggeblieben, daher ließ sich Helmuth Hammig 1950 in Ostberlin nieder. Nach dem Mauerbau 1961 wurden die Arbeitsbedingungen sehr schwierig. Es gab verschärfte Materialbeschaffungsprobleme, außerdem wurde von der Außenhandelsgesellschaft DEMUSA, die seine Instrumente exportierte, für ihn als "selbständigem" Handwerker nur ein kümmerlicher Anteil der Einnahmen weitergegeben. Instrumente an Privatkunden durften nur noch "in der Freizeit" hergestellt werden. So hatte Helmuth Hammig kein Interesse am Ausbau des Geschäfts. Als sein Sohn Dieter 1971 plötzlich starb, stellte er die Produktion neuer Instrumente ein und machte nur noch Reparaturen. In seiner Berliner Werkstatt baute H. Hammig von 1950-1971 etwa 460 Konzertflöten und Piccolos.
(Portrait von Peter Spohr in: Flöte aktuell 3/94)
Johannes Hammig (1911-1993)
war der jüngere Sohn von August Richard Hammig und wurde 1911 in Markneukirchen geboren. Er begann seine Ausbildung zum Holzblasinstrumentenbauer 1926 im väterlichen Betrieb. Nach Rückkehr aus russischer Kriegsgefangenschaft wollte er nicht in Markneukirchen bleiben. Im Jahre 1951 übersiedelte er nach Freiburg in Westdeutschland, wo er 1952 eine Werkstatt gründete. Einige Jahre später zog die Firma nach Lahr im Schwarzwald um. Johannes Hammig baute in Handarbeit silberne und goldene Querflöten der Spitzenklasse. Nach seinem Tod 1993 wurde die Firma von seinem Sohn Johannes Hammig (II) (1935-1999) übernommen, der zu diesem Zeitpunkt bereits fast 40 Jahre in der väterlichen Werkstatt arbeitete. Mittlerweile in der 3. Generation, wird der Betrieb seit 1996 von Bernhard Hammig (geb. 1966) geführt, der den Flötenbau bei seinem Großvater und seinem Vater erlernte und 1992 seine Meisterprüfung ablegte. Seit 1999 wird der Betrieb unter dem Firmennamen "Bernhard Hammig" weitergeführt. Bernhard Hammig beschäftigt derzeit vier Mitarbeiter.
Querflöten aus dem Hause Johannes Hammig wurden früher nur auf Bestellung gebaut. In den 70er und 80er Jahren musste man schon mal bis zu acht Jahren Wartezeit in Kauf nehmen; heute ist es für Kunden wesentlich bequemer geworden: Es sind die meisten Modelle vorrätig und können sofort erworben werden.
Neben Silber- und Goldflöten (bis 22 Karat) werden von Bernhard Hammig seit 1997 wieder Flöten aus Grenadill- und Kokosholz gebaut. Daneben baut man Piccoloflöten aus (über 40 Jahre lang gelagertem) Grenadillholz. E - und Gis - Mechanik gehören zur Standardausführung.
homepage: www.hammig-flutes.com
Lederer
Die Holzblasinstrumenten-Werkstatt der Familie Lederer wurde (nach Angaben von Karl-Christian Lederer) im Jahre 1865 von Friedrich August Lederer (1839-1922) in Schöneck gegründet. 1895 begann er als einer der ersten Instrumentenbauer des Vogtlandes mit dem Bau von Böhmflöten. Sein Nachfolger war sein ältester Sohn Karl August Lederer (1866-1951), der unter anderem den Münchener Professor Gustav Kaleve mit konischen Ringklappenflöten belieferte. Nach dessen Tod ging der Betrieb auf dessen Sohn Erich Lederer (1908-1962) über. Dieser hatte nach dem Krieg trotz schwerer Kriegsverletzung die Werkstatt wieder aufgebaut. Karl-Christian Lederer (1933-1992), dessen Vater früh verstorben war, erlernte den Flötenbau bei seinem Onkel Erich Lederer. Nach Erichs Tod 1962 wurde Karl-Christian Inhaber der Werkstatt. Die Piccolos und Konzertflöten von Erich und Karl-Christian Lederer wurden zu DDR-Zeiten über den Wiesbadener Großhändler Arnold Stölzel auch nach Westdeutschland exportiert. Sie hatten einen sehr guten Ruf und standen den Hammigflöten in nichts nach. Nach Karl-Christians Tod wurde sein Betrieb eine Zeitlang von seinem Sohn Johannes Lederer weitergeführt. Im Jahre 1994 verkaufte er den Markennamen "Lederer" an die Firma Hammig. Seitdem arbeitet er bei Hammig, wo auch weiterhin das Modell Karl Christian Lederer gebaut wird.
Portrait von Gabor Deak in: Flöte aktuell 3 und 4/89
Max Arno Jahn (1874-1956)
Die Firma M. A. Jahn existierte von Ende der 20er Jahre bis 1983. Der Firmengründer Max Arno Jahn lernte den Flötenbau bei Carl August Schreiber und arbeitete später bei Bertrand Guido Gemeinhardt (Vater von Kurt Gemeinhardt), bevor er einen selbständigen Betrieb eröffnete. Sein Sohn Walter Arno Jahn (1904-1976) war zunächst Geigenbauer, schulte später zum Holzblasinstrumentenbauer um. 1936 wurde er Meister. Er führte den Betrieb weiter. Der Enkel des Firmengründers, Adolf Arno Jahn (1932-1983) wurde 1954 Meister. Er führte die Firma weiter, bis sie mit seinem Tod 1983 erlosch. Arno (III) war Spezialist für Piccoloflöten, mit denen er auch die Handelsfirma C. A. Wunderlich belieferte. M. A. Jahnflöten tragen - soweit bekannt - keine Serien-Nummern.
Albert Wunderlich (1878-1939)
Albert Wunderlich war wahrscheinlich ebenfalls eine Zeitlang Mitarbeiter bei Rittershausen, danach - der Zeitpunkt ist unbekannt - eröffnete er in Wenitzgrün seine eigene Werkstatt. Die Firma existierte nach dem Tod von A. Wunderlich unter dessen Sohn Johannes Wunderlich (1909-1977) weiter; um 1950 arbeitete sie noch mit 5 Mitarbeitern. Wunderlich baute Konzertflöten aus Holz, Plexiglas und Metall sowie Piccolos. 1961 musste Johannes Wunderlich aus gesundheitlichen Gründen den Flötenbau einstellen.
C. A. Wunderlich (1826-1911)
Die Firma wurde von dem Metall-Blasinstrumentenmacher Carl August Wunderlich 1854 in Siebenbrunn gegründet und von seinen Nachfahren bis 1966 betrieben. Sie vertrieb Instrumente verschiedener vogtländischer Handwerker (Flöten z.B. von M. A. Jahn, A. Wunderlich).
G. H. Hüller
Die Firma wurde von Gottlob Hermann Hüller 1878 in Hermesgrün gegründet. 1883 erfolgte die Umsiedlung nach Schöneck. 1920 erwarb G. H. Hüller die Firma C. Kruspe in Erfurt, die zu dieser Zeit neben Flöten alten Stils ("System Schwedler/Kruspe") auch Böhmflöten baute. Hüller vergrößerte die Fabrik 1924 (1925: 100 Mitarbeiter), danach wurden sämtliche Blasinstrumente einschließlich Querflöten und Saxophone produziert. Böhmflöten der Marke G. H. Hüller wurden bis in die 80er Jahre gebaut.
Gemeinhardt
Obwohl der in den USA äußerst erfolgreiche Kurt Gemeinhardt (1908-1974) bereits bei den amerikanischen Flötenbauern erwähnt wurde, soll hier seine Familie nicht unerwähnt bleiben. Der aus Graslitz stammende Holzblasinstrumentenmacher Hermann August Gemeinhardt (1855-1926) hatte drei Söhne, die alle in Wernitzgrün geboren sind und bei ihrem Vater ihr Handwerk erlernt haben: Arthur Gemeinhardt (1878- nach 1930?), Walter F. Gemeinhardt (1887-??) und Bertrand Guido Gemeinhardt (1880-1929). Arthur arbeitete zunächst eine Zeitlang als Flötenbauer bei Rittershausen, wanderte später nach USA aus und wurde Mitarbeiter bei W. S. Haynes. Er war in New York von 1921 bis etwa 1934 als selbständiger Flötenbauer aktiv. Walter wanderte ebenfalls nach Amerika aus, er stellte für die Selmer Company Klarinetten-Mundstücke her. Bertrand Guido Gemeinhardt ist weniger bekannt; sehr bekannt dagegen sein Sohn Kurt G. (Guido) Gemeinhardt, der von 1927-1928 in St. Gallen als Flötenbauer arbeitete, später ebenfalls nach USA auswanderte. Er war dort zunächst für die Firma Selmer (USA) tätig und gründete 1948 eine eigene Firma. Die Firma K. G. Gemeinhardt ist seit Jahrzehnten der größte Hersteller von Flöten in den USA.
Karl Hammerschmidt & Söhne
Die Firma wurde 1873 von Karl Hammerschmidt im böhmischen Schönbach, wenige Kilometer jenseits der deutschen Grenze gegründet. Später übersiedelte sie in den Nachbarort Watzkenreuth und firmierte als "Karl Hammerschmidt & Söhne". Hammerschmidt war Inhaber der Handelsmarke "Klingson". Nach der Vertreibung im Jahre 1945 übersiedelte die Firma nach Burgau (zwischen Ulm und Augsburg). Hammerschmidt ist in erster Linie als Hersteller hochwertiger Klarinetten bekannt. Daneben waren aber neben Piccolos auch Querflöten im Programm, die im traditionell deutschem Design gebaut wurden und an die sächsischen Flöten erinnern: drei Rollen am Fußstück, besonders langer Arm an der Gis-Klappe, Reform-Mundplatte (glatte Mundplatte auf Wunsch). Daneben wurden bis zuletzt auch noch Klappenflöten alten Stils angeboten. Der Flötenbau wurde grundsätzlich Anfang der 70er Jahre eingestellt, danach wurden noch eine Zeitlang einzelne Instrumente auf Bestellung gebaut. Auch dies ist seit einigen Jahren endgültig vorbei: Die Werkzeuge existieren nicht mehr.
Richard Keilwerth (1906-1983)
Richard Keilwerth ist der Enkel des Begründers der Familientradition: Sein Großvater Johann Baptist Keilwerth gründete 1920 in Graslitz eine Werkstatt zum Bau von Blasinstrumenten. Sein Sohn Julius Keilwerth, später auch sein Enkel Richard lernten im väterlichen Betrieb ihr Handwerk. Nach der Vertreibung im Jahr 1943 siedelte man nach Deutschland um. 1951 baute Richard Keilwerth in Gelnhausen einen neuen Betrieb auf, die Firma Julius Keilwerth fand in Nauheim eine neue Heimat. Zu den Richard Keilwerth Klarinetten, die von Anfang an das Kernstück der Produktion bildete, kamen 1951 die Querflöten dazu. Während die Richard Keilwerth Klarinetten nach wie vor einen guten Namen haben, gelang es bei den Querflöten nur mit Mühe, konkurrenzfähig zu bleiben. Aber nach wie vor wird die komplette Produktpalette von der versilberten bis zur Vollsilberflöte angeboten.
Gustav Reinhold Uebel (1918-1981)
Übernahm 1959 die 1910 in Erlbach gegründete Holzblasinstrumenten-Werkstatt von seinem Vater Gustav Reinhold Uebel sen. (1873-1960). Dessen Vorfahren waren ebenfalls bereits im Holzblasinstrumentenbau tätig. G. R. Uebel lernte den Flötenbau bei seinem Vater und machte 1947 die Meisterprüfung. 1972 wurde die Werkstatt Betriebsteil des VEB (früher: PGH) "Sinfonia", es erfolgte die Zusammenlegung mit der Fa. Krebs. Die gemeinsame Firma wurde als "Flötenbau Erlbach" Teil des VEB "B&S" ("Blechblas- und Signalinstrumente"), die Marke "Gust. Reinh. Uebel" wurde weiterhin verwendet. Die Uebelflöten waren in der 70er und 80er Jahren auch in Westdeutschland beliebte Schülerflöten. Die in der sächsischen Tradition gebauten Konzertflöten (versilbert und Silberkopf) waren preisgünstig und sorgfältig hergestellt, hatten aber keine professionellen Spieleigenschaften. Ein auffälliges Erkennungsmerkmal der Konzertflöten war die lange Steckverbindung am Fußstück, bei der das Dis-Tonloch durch die Steckverbindung führte. Diese Bauweise geht auf die um 1900 gebauten Flöten des französischen Flötenbauers Djalma Julliot zurück. Neben Konzertflöten aus Metall wurden Konzertflöten aus Holz und Metall-Piccolos gebaut.
Die Firma Uebel bezog in den letzten Jahren vor der Wiedervereinigung Halbfertig-Teile von Hammig und montierte sie im eigenen Betrieb. 1991 übernahm die westdeutsche Firma W. Schreiber & Söhne diesen Betriebsteil, um hier Klarinetten ansetzen zu lassen; der Flötenbau wurde eingestellt.
Gerhard Rudolf Uebel (1915-1991)
Der in Wohlhausen ansässige Gerhard Rudolf Uebel war ausgebildeter Klarinettist. Er übernahm nach dem Tod seines Vaters Max Uebel (Bruder von F. Arthur Uebel) im Jahre 1936 einen Teil der Firma F. G. Uebel (Friedrich Gustav, Vater von Max und F. Arthur), in dem hauptsächlich Klarinetten gebaut wurden. Von Gerhard Rudolf Uebel sind einige ungewöhnliche Querflöten bekannt geworden: Um die Klangeigenschaften der Holzflöten zu erhalten, aber den Beschaffungsproblemen der DDR-Wirtschaft zu begegnen, baute er Querflöten mit einem Korpus aus massivem eloxierten Aluminium, silber-farben oder bunt(!). 1972 erfolgte die Verstaatlichung seiner Firma unter der Bezeichnung VEB Holzblasinstrumentenbau, ab 1977 Teil des VEB Sinfonia, ab 1984 beim VEB B&S.
In den 70er Jahren wurde die Flötenproduktion eingestellt, ab ca. 1980 wurden nur noch Klarinetten unter der Marke "F. Arthur Uebel" (Onkel von G. R. Uebel) gebaut.
Bilder der Aluflöte auf der homepage von Joe Sallenger: http://alpha1.fmarion.edu/goferjoe/uebel.htm.
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