Flöte aktuell 1.2004 (3/6)
Querflötenkauf V - Teil 3
Welt-Übersicht Querflötenhersteller:
Böhmflötenbau in Deutschland
Klaus Dapper
Gebrüder Mönnig
Die Markneukirchener Firma geht auf Heinrich Wilhelm Mönnig (1852-1934) zurück, der seinen Betrieb 1875 gründete. Er war übrigens der Onkel von Otto und Moritz-Max Mönnig. Robert Leibl lernte bei ihm sein Handwerk, bevor er Mitarbeiter der Werkstatt Böhm & Mendler wurde. Nach seiner Rückkehr 1892 machte Leibl die Werkstatt seines Lehrmeisters mit der Herstellung von Metallböhmflöten vertraut.
Hinter dem bekannten Namen "Gebrüder Mönnig" verbergen sich Heinrich Wilhelms namentlich weniger bekannte Söhne Hans und Fritz Mönnig. Sie führten die väterliche Werkstatt ab 1906 unter dem Namen "Gebr. Mönnig" weiter. Während anfangs handwerklich produziert wurde, wurde die Firma im Laufe der 20er Jahre stark vergrößert und wandelte sich allmählich zu einer Instrumenten-Fabrik. 1930 beschäftigte der Betrieb etwa 50 Mitarbeiter, 1938 war die Zahl der Mitarbeiter auf 109 angestiegen. Zu dieser Zeit baute man bei Mönnig alle Holzblasinstrumente einschließlich der Böhmflöte auch aus Plexiglas(!).
Zwei Söhne der Gebrüder Mönnig wanderten übrigens in die USA aus und arbeiteten dort als angesehene Holzblasinstrumentenmacher. Der Sohn von Fritz Mönnig, Horst F. Mönnig (1903-1959) - seit 1924 in Kalifornien - arbeitete bei Baxter-Northup, Los Angeles, als Flötenbauer; 1935 machte er sich selbständig und war bis 1952 als Flötenbauer aktiv. In Amerika schrieb er seinen Namen "Moennig" mit "oe". Sein Cousin W. Hans Moennig, der Sohn von Hans Mönnig (s.o.) war ein im Raum Philadelphia bekannter Klarinetten- und Fagott-Spezialist.
Nach dem Tode von Hans Mönnig 1942 treten die Söhne Albert (Sohn von Hans) und Willy (Sohn von Fritz) in die Gesellschaft ein. Nachdem Albert im Krieg 1944 fiel, lag die Leitung der Firma in den Händen von Fritz und seinem Sohn Willy Mönnig. Wilhelm Mönnig als Sohn von Willy und Klaus Mönnig als Sohn von Albert sind bis heute im Unternehmen tätig.
Zu Zeiten der DDR baute Gebr. Mönnig alle Flötenmodelle vom Piccolo bis zur Bassquerflöte. Bassquerflöten gab es mit und ohne Trillerklappen. Die Piccolos wurden aus Grenadillholz gebaut, mit und ohne E-Mechanik, mit Metall- oder Grenadillkopf. Die Instrumente waren relativ preisgünstig, standen aber im Ruf einer eher einfachen Qualität. Dies mag daran gelegen haben, dass das ehemalige Familienunternehmen seit den 50er Jahren aufgrund staatlicher Einflussnahme gezwungen war, die Produktion ihrer Instrumente quantitativ auf ein Höchstmaß zu bringen. Für weitere Entwicklungsarbeit, wofür gerade die Fa. Mönnig berühmt war, fehlte Zeit und Geld. Die Hauptaufgabe bestand in ständig wachsenden Produktionszahlen unter zum Teil sehr bescheidenen Bedingungen.
Nach der Wiedervereinigung wurde die Marke "Gebr. Mönnig" zusammen mit den Marken "Oscar Adler" und der von O. Adler im Jahre 1928 eingeführten Marke "Sonora" in der Holzblasinstrumentenbau GmbH zusammengeführt. In den 90er Jahren bezog der amerikanische Hersteller K. G. Gemeinhardt seine neue Bass-Querflöte von Gebr. Mönnig. Leider erwiesen sich die Gebr. Mönnig Flöten nach der Wende als nicht konkurrenzfähig. Der Flötenbau wurde im Jahr 2000 eingestellt. Die Flötenproduktion des Unternehmens wurde bis zuletzt von Friedrich Mönnig geleitet. Er ist der erste Sohn von Willy und Bruder von Wilhelm Mönnig.
Weitere Einzelheiten unter: www.moennig-adler.de
Oscar Adler (1862-1922)
gründete seine Firma 1885, seit 1900 firmierte sie unter "Oskar Adler & Co". Die Firma O. Adler war Ende des 19. Jahrhunderts die erste richtige Holzblasinstrumenten-Fabrik in Deutschland. Seit 1928 verwendete man die Handels-Marke "Sonora".
Der Böhmflöten-Bau bei Adler ist bereits 1892 belegbar und wurde erst nach der Verstaatlichung 1975 eingestellt.
Einzelheiten der Firmengeschichte unter: www.moennig-adler.de
August Richard Hammig (1883-1979)
August Richard Hammig erlernte das Handwerk des Holzblasinstrumentenmachers bei seinem Vater Gustav Adolf Hammig (1858-1947). Die Gründung einer eigenen Firma ist bereits 1906 dokumentiert. Allerdings erhielt er erst 1912 seinen Meisterbrief. Er baute Piccolos und Konzertflöten in Metall und Holz. Der 1979 im Alter von 95 Jahren verstorbene August Richard Hammig gilt als einer der berühmtesten deutschen Flötenbauer des 20. Jahrhunderts. Seine Querflöten und Piccolos gehörten auch international zu den begehrtesten deutschen Solisteninstrumenten. Er selbst hatte 1970 mit dem Flötenbau aufgehört; die nach 1970 unter seinem Namen gebauten Instrumente stammen von seinem Schwiegersohn Fritz Berndt. Bis etwa Mitte der 50er Jahre wurde die Modellbezeichnung "Recital" verwendet. Später wurde sie weggelassen: ein anderer Hersteller hatte sich den Markennamen schützen lassen und stellte für die Überlassung finanzielle Forderungen.
1988, nach dem Tod von Fritz Berndt, konnte Gerhard Hammig, der Sohn und frühere Inhaber der Firma von Philipp Hammig, die immer noch private Werkstatt August Richard Hammig von der Familie Berndt übernehmen. Der Erwerb schien nicht ganz harmonisch abzulaufen: Über den Erwerb der Geschäftsbücher mit dem Verzeichnis der Seriennummern sämtlicher A.R. Hammig Instrumente konnten man sich nicht einigen. Sie sind für immer verloren: sie wurden dem Vernehmen nach von einem Mitglied der Familie Berndt vernichtet. Nach der Privatisierung konnte Gerhard Hammig im Februar 1991 auch seinen väterlichen Betrieb erwerben und war seitdem Inhaber beider Firmen.
In gemeinsamen Betriebsräumen werden heute sowohl die Modelle von Philipp Hammig als auch die von August Richard Hammig gefertigt. August Richard Hammig Konzertflöten gibt es heute in Grenadill, Vollsilber und Gold, daneben gibt es Grenadill-Piccolos und ein Altflöten-Modell.
Philipp Hammig (1888-1967)
Philipp Hammig, der im Jahr 1967 verstorbene Bruder von A. R. Hammig, war nahezu ebenso berühmt. Genau wie sein Bruder erlernte er den Flötenbau im väterlichen Betrieb. Von 1909 bis 1914 arbeitete er in der Werkstatt des berühmten Berliner Flötenbauers Emil Rittershausen. 1920 erhielt er - mit kriegsbedingter Verzögerung - seinen Meisterbrief und begann mit dem Flötenbau unter eigener Firma.
Gerhard Hammig (1927-1995), Philipp Hammigs Sohn, begann seine Ausbildung zum Flötenbauer 1941 im väterlichen Betrieb. 1959/1960 übernahm er die Leitung des väterlichen Betriebs und produzierte Querflöten weiter unter dem Markennamen "Philipp Hammig". Unter seiner Leitung wurde die Produktion erheblich vergrößert. Bis 1960 waren pro Jahr etwa 85 Flöten entstanden, bis 1969 stieg die Zahl auf durchschnittlich über 220. In den 70er und 80er Jahren stieg die Produktion weiter an; darüber hinaus wurden früher auch andere Flötenbauer der Region mit Halbfertigteilen beliefert (z.B. Gustav Reinhold Uebel). Im Jahr 2002 war man bereits bei Ser. Nr. 27800.
Zu Zeiten der Zeit der DDR konnte die Firma Philipp Hammig wegen ihrer Größe und Wichtigkeit für die Beschaffung von Devisen einer Verstaatlichung nicht aus dem Weg gehen. 1961 musste sie der PGH (Produktionsgenossenschaft des Handwerks) "Sinfonia" beitreten. 1972 erfolgte dann die endgültige Enteignung durch Umwandlung in einen VEB ("Volkseigener Betrieb").
Gerhard Hammig arbeitete dort bis 1979, zuletzt als Angestellter im ehemals eigenen Betrieb. 1980 verließ er den Betrieb, da er unter dem Druck des Staates nicht mehr weiterarbeiten konnte. Er war sogar für kurze Zeit inhaftiert. Auch für Philipp Hammig Flöten gibt es keinerlei Unterlagen mehr, welche Seriennummern wann hergestellt worden waren: sie sind in den Wirren der "Wende" verlorengegangen.
Nach der Privatisierung des langjährigen Staatsbetriebs war es Gerhard Hammig im Februar 1991 möglich, seine ehemalige Firma zurückzukaufen. Anfang 1994 übergab er den Betrieb an seine 4 Kinder. Im selben Jahr wurde die Firma Hammig Inhaber der Marke "Karl-Christian Lederer" und baut seitdem auch Instrumente nach dem Lederer Modell.
Bei den Philipp Hammig-Querflöten wurde bereits Ende der 80er Jahre hinsichtlich des Stylings der Klappen eine Abkehr vom traditionellen Vorbild hin zum internationalen Design vorgenommen. Man versprach sich davon bessere Chancen auf dem Weltmarkt. Die "Mendler-Deckel" wurden durch die internationale Deckelform (mit Rille) ersetzt, ebenso verschwanden 2 der 3 Rollen am Fußstück, der lange Gis-Hebel wurde gekürzt. Das alte Klappen-Design, der Hoch-G-A-Triller und das Fußstück mit 3 Rollen sind allerdings weiter auf Bestellung erhältlich.
Von Januar 1994 an bis heute wird der Betrieb von Gerhard Hammigs Tochter Steffi Noack (geb. Hammig) und seinen Söhnen Gunter, Frank und Thomas weitergeführt. Gunter und Frank Hammig sind Holzblasinstrumenten-Meister. Einschließlich der Firmeninhaber sind bei Hammig heute immerhin 26 Holzblasinstrumentenmacher tätig.
Philipp Hammig Konzertflöten gibt es in Grenadill-, Silberkopf- und Vollsilber-Ausführung. Daneben sind die Piccolos sehr gefragt. Sie werden aus Grenadill- und Kokosholz gebaut und sind mit versilberter Mechanik und mit Vollsilberklappen erhältlich, mit und ohne Hoch-Gis-Mechanik. Vor 1 1/2 Jahren stellte man das erste Philipp Hammig Piccolo mit Hoch-G-A-Triller (!) vor. Die früher viel gebauten Metallpiccolos werden wegen der geringen Nachfrage heute nur noch auf Bestellung angefertigt. Seit 2002 wird ein neues Piccolo-Modell unter der Marke "Johannes Gerhard Hammig" gebaut.
Auch die tiefen Mitglieder der Flötenfamilie werden bei Philipp Hammig schon jahrzehntelang gebaut. Die Altquerflöte gibt es versilbert, mit Silberkopf oder auch aus Holz (!!), weiter gibt es eine Bass-Querflöte, mit oder ohne Trillerklappen.
Homepage: hammig-boehmfloetenbau.de
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