Flöte aktuell 1.2004 (2/6)
Querflötenkauf V - Teil 2
Welt-Übersicht Querflötenhersteller:
Böhmflötenbau in Deutschland
Klaus Dapper
Carl Mendler ( sen., 1833-1914)
führte den Betrieb unter dem Firmennamen "Böhm & Mendler" bis 1888 weiter. In diesem Jahr übergab er ihn an seinen Sohn, Karl Mendler jr. (1862-1920), der den Flötenbau in der väterlichen Werkstatt gelernt hatte. Ende des Jahrhunderts zog sich dieser allmählich aus dem Flötenbau zurück und wurde Hotelier und Weinhändler. 1901 beendete er offiziell seine Aktivität als Flötenbauer. 1903 verkaufte er den Betrieb an Ernst Robert Leibl, der von 1889 bis 1891 sein Mitarbeiter war.
Ernst Robert Leibl (1871-1957)
Der in Adorf geborene Ernst Robert Leibl hatte seine Lehre als Holzblasinstrumentenmacher bei Heinrich Wilhelm Mönnig gemacht (dem Vater der Gebrüder Hans und Fritz Mönnig und dem Onkel von Otto und Moritz Max Mönnig), bevor er 1889-1891 bei Karl Mendler arbeitete. Danach kehrte Leibl für einige Jahre nach Markneukirchen zurück, wo er ab 1892 in der Werkstatt seines Lehrmeisters die Herstellung von Metallböhmflöten einführte. Grundlage war ein Originalinstrument der Münchner Flötenwerkstatt. Ab 1898 ist Leibl in Nürnberg nachweisbar. 1904 übernahm er von Karl Mendler jun. die komplette Werkstatteinrichtung einschließlich aller Werkzeuge von Theobald Böhm und dem Firmennamen "Böhm & Mendler / München". Der Name wurde von ihm unter Zusatz des eigenen Namens weiter verwendet. 1908-1909 bildete sich Hans Mönnig ("Gebr. Mönnig") bei ihm im Böhmflötenbau weiter. Im Zweiten Weltkrieg fiel seine Werkstatt vollständig einem Bombenangriff zum Opfer. In seiner Nürnberger Zeit beschäftigte sich Leibl nur noch zum Teil mit dem Flötenbau. Daneben arbeitete er als Techniker für Schreibmaschinen.
Julius Max Bürger (18??- um 1914)
Arbeitete während seiner Wanderjahre auch bei Böhm & Mendler. Bürger ließ sich in Straßburg nieder und arbeitete ab 1870 in der Werkstatt von Charles Roth, die er 1881 übernahm und bis 1904 führte. Er war Spezialist für konische Ringklappenflöten, die in München von Tillmetz, Gustav Kaleve und ihren Schülern noch länger gespielt wurden.
Emil Rittershausen (1852-1927)
Erhielt seine Ausbildung zum Flötenbauer in Wien und - noch zu Böhm's Zeiten - bei Böhm & Mendler in München. Böhm bezeichnete ihn einmal als "seinen besten Arbeiter". Er machte sich 1876 in Berlin selbständig. 1896 "erfand" er die E-Mechanik in Zusammenarbeit mit dem Flötisten Emil Prill. Wahrscheinlich ohne sein Wissen war in Frankreich eine E-Mechanik soeben von Djalma Juillot patentiert worden. 1896 baute er seine erste Goldflöte, die auf der Gewerbe-Ausstellung in Berlin gezeigt wurde. Berühmtheit erlangte auch die Goldflöte, die er im Jahre 1905 für den Großfürsten Alexandrowitsch von Russland baute. Rittershausen baute auch Alt-Querflöten. 1905 warb er mit der preußischen Silbermedaille und bezeichnete seine Firma als "die größte Flötenfabrik der Welt". Nach seinem Tod im Jahr 1927 wurde seine Witwe und Mitarbeiterin Mathilde Rittershausen Inhaberin. Zu dieser Zeit arbeiteten 4-6 Handwerker im Betrieb, weitere 3 Heimarbeiter arbeiteten für Rittershausen. Die frühen Flöten, etwa bis 1900, waren ohne Serien-Nummern. Bis 1920 wurden etwa 2200, bis 1940 etwa 5700 Querflöten hergestellt. Nach dem Tod von Frau Rittershausen im Jahre 1933 ging der Betrieb an zwei ehemalige Mitarbeiter über: Joseph Pleyer, gestorben 1946, und Paul Dölling, gestorben 1952. Mit dem Tod des Letzteren ist die Firma erloschen. Bei Emil Rittershausen lernten, bzw. arbeiteten einige berühmte Flötenbauer: Conrad Mollenhauer, Franz Mehnert, Philipp Hammig und Arthur Gemeinhardt, der Onkel von Kurt Gemeinhardt.
J. Mollenhauer & Söhne
Die Firma wurde in Fulda 1822 von Johann Andreas Mollenhauer (1798-1871) gegründet, in Partnerschaft mit seinen beiden Söhnen Thomas (I) Mollenhauer (1840-1914) und Gustav Mollenhauer (1837-1914). Letzterer verließ die gemeinsame Firma bald, um sich selbständig zu machen.
Thomas Mollenhauer erlernte den Flötenbau zunächst bei seinem Vater, dann von 1862-1864 bei Theobald Böhm in München. Böhm unterrichtete ihn auch im Flötenspiel und weckte sein Interesse für die Piccoloflöte. 1864 entwickelte er ein konisches Piccolo mit dem Böhm'schen Klappensystem.
Später wurde die Partnerschaft erweitert durch Thomas' Sohn Josef Nikolaus Mollenhauer (1875-1964).
Die Firma betätigte sich überwiegend im Klarinettenbau. Es wurden aber auch weiter Böhmflöten hergestellt. In den frühen Jahren der Firma wurden anscheinend für Rudall Carte & Co. Flöten des "1867-Modells" hergestellt. Die Firma J. Mollenhauer & Söhne ist das Stammhaus der Familie und existiert nach wie vor, jedoch nur noch als Musikhaus. Sie baute bis Anfang der 70er Jahre Böhmflöten und Klarinetten.
Conrad Mollenhauer (1876-1943)
War der zweite Sohn von Thomas (I). Er lernte den Holzblasinstrumentenbau zunächst bei seinem Vater, später arbeitete er bei Emil Rittershausen in Berlin und bei Oskar Adler in Markneukirchen. 1912 gründete er in Fulda eine eigene Firma, die nach seinem Tod sein Sohn Thomas (III) (1908-1953) weiterführte.
Nach dem 2. Weltkrieg wurden bei Conrad Mollenhauer überwiegend Blockflöten hergestellt. Daneben wurden in kontinuierlich geringerem Umfang Konzertflöten (Neusilber bis Gold), Piccolos (in Holz und Metall) und Altflöten in F und G gebaut. Mit der Altflöte in F war man zeitweilig der einzige Hersteller weltweit. Nach Thomas (III) Mollenhauers Tod 1953 ging die Firma auf seine Witwe Rosel Mollenhauer über. Die Produktion von Schülerflöten wurde in den 80er Jahren eingestellt: Stattdessen ließ Mollenhauer das Schülermodell "Auria", eine versilberte Flöte, in Taiwan bauen. Alle bei Mollenhauer produzierten Flöten waren zu dieser Zeit nach deutscher Tradition auf Wunsch mit Reform-Mundplatte, Halbreform-Mundplatte und Hoch-G-A-Triller erhältlich. Ein Generationswechsel in der Geschäftsleitung gab dem Böhmflötenbau wieder Auftrieb. Der neue Inhaber wurde nach seiner Meisterprüfung im Jahre 1970 Bernhard Mollenhauer (geb. 1944, Sohn von Tomas (III), Meisterprüfung 1970). 1994 gründete er mit 3 Mitarbeitern eine vom Blockflötenbau getrennte Werkstatt "R.&B. Mollenhauer" für hochwertige, handgefertigte Böhmflöten. Um ein möglichst attraktives Angebot an zu den Flöten passenden Kopfstücken zu gewährleisten, ging man einen interessanten Sonderweg: Prominente Kopfstückbauer wie Klerk, Lafin, Mancke, H. Roberts und M. Wenner bauten Köpfe für die neuen Mollenhauer Flöten. 1996 wurde ein konisches Fußstück entwickelt, das sich von der Es-Klappe beginnend um 2 mm konisch erweitert. Es versprach eine besondere Klangfülle bei den langen Tönen. Im Jahre 1999 musste man einsehen, dass der Böhmflötenbau keine weitere wirtschaftlich sinnvolle Zukunft hatte; die Herstellung von Konzertflöten wurde endgültig eingestellt. Bernhard Mollenhauer hat sich inzwischen aus dem Flötenbau zurückgezogen.
homepage: www.Mollenhauer.com
Gustav Mollenhauer (1837-1914)
Der Bruder von Thomas (I) gründete seine Werkstatt 1864 in Kassel (damals noch mit "C" geschrieben). Seit 1900 nannte sich die Werkstatt "Gustav Mollenhauer & Söhne"; mittlerweile waren seine beiden Söhne Thomas (II) Mollenhauer und Johannes Mollenhauer seine Partner geworden. Hier wurden vor dem 2. Weltkrieg auch Böhmflöten hergestellt. 1943 wurde der Betrieb durch Bombenangriffe zerstört. Nach dem Krieg wurde die Werkstatt neu errichtet und ist seit den 50er Jahren im Besitz der Familie Schaub. Flöten werden allerdings nicht mehr gebaut.
Carl August Schreiber (1871-1931)
Carl August Schreiber machte sich 1891 in Markneukirchen als Flötenbauer selbständig. Er ist einer der ersten, die (nach den Mönnigs) im Vogtland Böhmflöten gebaut hat. Im Jahre 1902 meldete er 2 Gebrauchsmuster an: Sie betrafen eine Gis-Mechanik und die später bei sächsischen Flöten recht gebräuchliche Hoch-G-A-Triller-Mechanik. Sehr bemerkenswert war auch die von ihm entwickelte Trillerklappenflöte, die mit vier großen Trillerlöchern ausgestattet war. Schreiber galt Ende des 19. Jahrhunderts bis in die 20er Jahre als der beste Böhmflöten-Bauer der Region und wurde auch von seinen späteren Berufskollegen, wie z.B. bei den Brüdern Hammig hoch geachtet. Nach seinem Tod 1929 übernahm seine Witwe die Firmenleitung. 1939 wurde der langjährige Mitarbeiter Franz Mehnert Inhaber des Betriebs. Franz Mehnert übersiedelte 1949 nach Westdeutschland. Die Firma C. A. Schreiber existierte noch bis zur Verstaatlichung im Jahre 1953. In dieser Zeit arbeiteten hier Mehnerts ehemalige Mitarbeiter Walter Paulus und Horst Voigt.
Otto Mönnig (1862-1943)
Ältester Sohn des Markneukirchener Holzblasinstrumentenbauers Wilhelm August Mönnig (1834-1894); Otto lernte sein Handwerk in der Werkstatt seines Vaters, der bereits in der dritten Generation Holzblasinstrumente baute. Später setzte er seine Ausbildung zum Flötenbauer bei Boosey & Co. in London fort und lernte dort die Böhmflöte und ihre Herstellung kennen. Nach seiner Rückkehr aus London begann er 1883 in der väterlichen Werkstatt mit dem Böhmflötenbau. Damit war er mit einiger Sicherheit der erste Böhmflöten-Bauer im Vogtland. Otto Mönnig machte sich 1887 in Markneukirchen selbständig. 1891 übersiedelte er nach Leipzig. Von 1900 bis 1904 war sein jüngerer Bruder Moritz Max Mönnig sein Mitarbeiter. 1905 erhielt er ein Patent für die "Reform-Mundplatte", die sich in Deutschland bis in die 50er Jahre großer Beliebtheit erfreute. 1911 ließ er sich den Namen "Orthoton" für seine hochwertigeren Böhmflöten schützen. 1904, bzw. 1906 begannen seine Söhne Walter und Bernhard mit ihrer Lehre. Nach Ottos Tod übernahm sein Sohn Walter Mönnig den Betrieb: Bernhard war im Krieg gefallen. Später ging er auf seinen Enkel Otto Peter Mönnig über. Der Betrieb existierte bis 1990.
Moritz Max Mönnig (1875-1949)
Er lernte den Flötenbau ebenfalls bei seinem Vater, arbeitete dann eine Zeitlang in der Werkstatt seines älteren Bruders Otto Mönnig. Nachdem er in seiner 1904 gegründeten Leipziger Werkstatt zunächst auch andere Holzblasinstrumente baute, wurde er bald ein Spezialist für die Querflöte, sowohl die Böhmflöte wie auch Flöten alten Stils. Mit Maximilian Schwedler zusammen entwickelte er die Schwedler-Mönnig-Reformflöte. Für Weiterentwicklungen an Blasinstrumenten - sowohl an Schwedler- als auch Böhmflöten - wurden zu seinen Gunsten insgesamt 22 Patente oder Gebrauchsmuster eingetragen. Unter anderem erhielt er 1926 ein Patent für einen Hoch-G-A-Triller, 1929 für eine Altquerflöte in F und 1936 für eine D-Schallmechanik. Flöten mit dieser zusätzlichen Klappe am Fußstück sieht man noch heute vereinzelt bei Orchestermusikern. 1949 wurde sein Sohn Erich Mönnig (1904-1971) Werkstatt-Nachfolger. Nach dessen Tod trat sein Neffe Wolfgang Kümmel nach 22-jähriger Betriebszugehörigkeit die Nachfolge an. Kümmel war seit 1963 Meister. Wolfgang Kümmels 1960 geborener Sohn Holger Kümmel wurde sein Mitarbeiter. Er machte 1984 seine Meisterprüfung. Der 2-Mann-Betrieb stellte Silberflöten, Altflöten und Piccolos her. Die Firma Moritz Max Mönnig gehörte zu den wenigen Firmen der DDR, die ihre Flöten ohne Stellschrauben baute. Piccolos konnten zu DDR-Zeiten wegen immer wieder fehlender Holz-Zuteilungen meist nur aus Silber gebaut werden. 1992 musste Wolfgang Kümmel aus gesundheitlichen Gründen den Flötenbau einstellen, seitdem wird der Betrieb von Holger Kümmel alleine weitergeführt. Es entstehen derzeit etwa 10 Flöten jährlich: Das Angebot umfasst Konzertflöten in Silber und Gold und Piccolos. Nach Auskunft der Familie Kümmel wurden in der Zeit direkt nach dem Krieg viele M.M.M.flöten ohne Serien-Nummern verkauft; die aktuellen Serien-Nummern liegen derzeit bei über 5000.
Portrait von Gabor Deak in: Flöte aktuell 2/90
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