Flöte aktuell 1.2003 (II)
Querflötenkauf IV
Welt-Übersicht Querflötenhersteller: Europa (ohne Deutschland)
Italien
In Italien gibt es eine sehr alte Tradition im Bau von Holzblasinstrumenten. Übrigens stammt eine der ersten Baßquerflöten moderner Bauart aus Italien: das Tförmige "Albisiphon", 1910 von dem italienischen Flötisten Abelardo Albisi entwikkelt. Heute existiert nur noch ein kleiner Teil der traditionsreichen Firmen, und ihre Bedeutung ist relativ gering.
Barlassina
Giuseppe Barlassina baute in Mailand von 1891 bis etwa 1940 Böhmflöten.
Grassi
Ist der Name einer Instrumentenbauerfamilie in Mailand, deren Wurzeln bis in das 18. Jahrhundert reichen. In den 50er und 60er Jahren war die Firma Grassi für preisgünstige und passable Schülerquerflöten bekannt. Sie wurden schnell zu Standard-Instrumenten an vielen deutschen Musikschulen. Grassi stellte verschiedene Qualitätsstufen von der versilberten Schülerflöte bis zur Vollsilber- Flöte her. Neben Konzertflöten baute man auch Piccolos und Altquerflöten. Mit der Eroberung des Marktes durch japanische Hersteller verschwanden diese Instrumente langsam vom deutschen Markt. Nach dem Tod der letzten Inhaberin Ida Maria Grassi im Jahr 1998 wurde die Firma eingestellt.
Orsi
Die Tradition der ebenfalls in Mailand ansässigen Firma Prof. Romeo Orsi recht bis ins 19. Jahrhundert. Die bekannten Oboenbauer Patricola und Bulgheroni lernten bei Orsi den Instrumentenbau. Neben der Konzertflöte baute Orsi Piccolos, Alt- und Baßquerflöten. Daneben baute man noch lange Zeit Sondermodelle, die anderweitig nicht mehr erhältlich waren: Konzertflöten und Piccoloflöten in Des, Ebenholzflöten und Piccolos mit altem Klappensystem. Die Qualität sämtlicher Instrumente war in den letzten Jahrzehnten allerdings recht bescheiden. Orsi wurde um 1990 geschlossen, einige Jahre später wieder eröffnet. Allerdings wurde die Querflöten-Herstellung nicht mehr aufgenommen.
Rampone & Cazzani
Die Geschichte dieses traditionsreichen Herstellers von Holz- und Blechblasinstrumenten reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück. Rampone und Cazzani waren 1879 die ersten Hersteller von Böhmflöten in Italien. In den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts beschäftigte man in 2 Werken in Quarna und Mailand 120 Angestellte. Zu dieser Zeit wurden bei Rampone & Cazzani hervorragende Querflöten gebaut. Spätestens der Siegeszug der japanischen Importinstrumente in den 70er Jahren verursachte den endgültigen Niedergang der Firma. 1978 erfolgte die Stillegung. Bis zuletzt wurden Querflöten, Metallpiccolos und Altquerflöten der unteren Preisklasse gebaut. 1990 wurde die voll eingerichtete Werkstatt (!) von R. Zolla, einem ehemaligen Mitarbeiter, erworben und der Betrieb wieder aufgenommen. Die Produktion bleibt aber derzeit auf Saxophone beschränkt. Eine schöne ältere R&C Flöte im Internet: http://members.aol.com/_ht_a/goferjoe/rampone.htm
Borgani
Ist der Name einer 1872 gegründeten und bis heute in Familienbesitz befindlichen Blasinstrumentenfabrik in Macerata, die neben anderen Holzblasinstrumenten Querflöten baute. Zumindest die nach 1960 gebauten Flöten waren von äußerst einfacher Qualität. Derzeit werden bei Borgani nur noch Saxophone hergestellt.
Bulgheroni
Bulgheroni ist ein bekannter italienischer Hersteller von hochwertigen Oboen. In den letzten 10 Jahren wurde er auch als Hersteller guter Piccoloflöten bekannt. Weniger bekannt ist, daß bei Bulgheroni bereit seit etwa 30 Jahren Piccolos gebaut werden. Früher gingen sie alle in den Export nach USA und trugen einen anderen Namen. Neu ist lediglich, daß sie nun unter eigenem Namen verkauft werden.
Holland
Kingma
In Holland gibt es eine bemerkenswerte Herstellerin handgearbeiteter Querflöten. Eva Kingma lernte den Querflötenbau bei Dirk Kuiper, einem ehemaligen Flötisten des Concertgebouw-Orchesters Amsterdam, der in den 50er Jahren in Amsterdam eine eigene Flötenwerkstatt aufbaute. 1975 zog er mit seiner Werkstatt nach Nederhorst den Berg um, und hier begann Eva Kingma ihre Ausbildung als Flötenbauerin. Kuiper baute Konzertflöten aus Holz, Silber und Gold; daneben baute er auch Altflöten. 1980 überließ er Eva Kingma die Firmenleitung, und zog sich langsam aus dem aktiven Flötenbau zurück. 1988 verlegte sie den Betrieb in das nordholländische Dorf Grolloo. Die erste open-hole Altquerflöte war noch gemeinsam mit Dirk Kuiper - auf Anregung des Flötisten Jos Zwaanenburg - realisiert worden. Die 5 Grifflöcher in den Klappen konnten trotz der größeren Tonlochabstände noch - wie bei der Konzertflöte - mit den Fingern geschlossen werden. Da Eva Kingma mittlerweile auch Baß- Flöten baute, kam von Kuiper die Idee, dies auch bei der Baßflöte zu realisieren. Wegen des große Tonlochabstands entwickelte Eva hierfür ein key on key-System: Das Loch im Klappendeckel wird von einer darüber angeordneten kleineren Klappe geschlossen; beide Griffteile lassen sich so bequem hintereinander positionieren. Ein Prototyp wurde 1987 dem New Yorker Flötisten Robert Dick vorgestellt, der sehr begeistert war und seitdem eine Kingma Baßflöte spielt. Hieraus entwickelte sich die noch radikalere Idee, das key on key-System auf die übrigen Klappen zu übertragen und so eine Flöte mit einer vollständigen Viertelton- Skala zu realisieren. Eva Kingma verwirklichte dies zunächst bei den großen Instrumenten Alt und Baß. Später konnte sie Bickford Brannen für das neue System begeistern. Bald wurde in Zusammenarbeit mit Bickford Brannen das System auf die Konzertflöte übertragen. Von 1994 bis 2000 war die Kingma System Flöte bei Brannen Brothers im Programm. Es gibt widersprüchliche Informationen, ob sie in Boston oder in Holland gebaut werden / wurden. In den letzten Jahren widmete sich Eva Kingma den noch tieferen Querföten: Sie hat mittlerweile auch eine Kontra-Alt- Flöte in G und eine Kontrabaß-Flöte (2 Oktaven unter der Konzertflöte) im Programm. Auf Wunsch selbverständlich auch mit key-on-key Klappensystem. Mehr Informationen bei: http://www.kingmaflutes.com
Ton Kooiman
baut Querflötenkopfstücke in Holz und Silber. Daneben arbeitet er seit 1980 als Reparateur und Restaurator von Blasinstrumenten.
Frankreich
In diesem Land, in dem zu Theobald Böhms Zeiten die wohl besten Querflöten der Welt gebaut wurden - wie Böhm neidlos anerkannte - ist heute von dieser Tradition fast nichts mehr übergeblieben. Es ist erstaunlich, daß in Frankreich heute kaum mehr Querflöten gebaut werden. Berühmtestes Zentrum des Flötenbaus waren das Normandie-Dorf La Couture- Boussey im heutigen Departement Eure, ca. 100 km nordwestlich von Paris; später Paris. In La Couture bauten schon Mitglieder der Familie Hotteterre Flöten. Umfassende Informationen gibt es in dem großartigen Buch von Karl Lenski und Karl Ventzke: "Das goldene Zeitalter der Flöte", Moeck Verlag. Die berühmtesten Namen im handwerklichen Flötenbau.
Laurent
Claude Laurent (?-1848) ist der älteste der hier vorgestellten Hersteller von Böhmflöten. Seinen Ruhm erwarb er sich insbesondere mit einer 1848 gebauten Kristallglas-Flöte mit (altem) Böhm'schen Klappensystem, die heute ein Glanzstück der berühmten Dayton C. Miller Collection ist. Sein Nachfolger und Schüler J. D. Breton führte die Werkstatt bis ca. 1874 weiter, verlegte aber den Schwerpunkt auf gläserne Klarinettenmundstücke.
Clair Godfroy Aîné
("der ältere", 1774-1841)
Clair Godfroy gründete seine Werkstatt 1814 in der Rue Montmartre in Paris. Zu dieser Zeit galt er als einer der besten französischen Flötenbauer. Sein Sohn Vincent Hypolite Godfroy arbeitete in der väterlichen Werkstatt; seit 1827 ist auch Louis Lot Mitarbeiter bei Godfroy. 1833 heiratet Lot Clair's Tochter Caroline. Etwa zu dieser Zeit hörten sie von der neuen Querflöte von Theobald Böhm aus München. Eine erste Begegnung mit Böhm und eine Demonstration des neuen Modells fand 1833 statt. Lot und Godfroy Junior waren beeindruckt von dem neuen Instrument. Übrigens erfuhren auch drei namhafte französische Flötisten, Paul-Hippolyte Camus, Victor Coche und Louis Dorus zu dieser Zeit von der Böhm-Flöte und wechselten zu dem neuen Instrument. 1836 zieht sich Clair Godfroy aus dem aktiven Geschäft zurück und übergibt seine Werkstatt an seinen Sohn Vincent Hypolite Godfroy und seinen Schwiegersohn Louis Lot. 1837 entstand in der Werkstatt Godfroy die erste französische Querflöte nach dem Böhm-Modell von 1832. Dies war gleichzeitig die erste Böhmflöte, die außerhalb der Werkstatt vom Th. Böhm gebaut wurde. Nachdem Th. Böhm 1847 sein neues Flötenmodell in Paris patentieren ließ, erhielt in Frankreich nur die Werkstatt Godfroy von Böhm die Lizenz zur Herstellung. Der Bau der neuen Flöte brachte zunächst Probleme, da die Herstellung eines Metallrohrs etwas völlig anderes war als die gewohnte Herstellung eines Rohrs aus Holz. Für eine Übergangszeit lieferte Böhm silberne Flötenrohre an Godfroy. Innerhalb kurzer Zeit transformierten Lot und Godfroy die Flöte in etwa in die Form, die heute als das "französische Modell" bekannt ist. Sie profitierten dabei auch von der Erfahrung von Louis Dorus, der schon früh zur Böhmflöte gewechselt war und in ständigem Kontakt zur Godfroy'schen Werkstatt stand. Auf seine Anregung hin wurden die neuen Flöten - vom Böhm als Silberflöten konzipiert - auch aus Holz gebaut und die Mechanik mit "Ringklappen" ausgestattet. Hiermit waren nicht die Böhm'schen Ringklappen gemeint, welche den heutigen Ringen ("Brillen") an der Klarinette entsprechen, sondern Deckelklappen mit einem ca. 8 mm großen Loch in der Mitte. Die Klappen wurden bald in einer Reihe angeordnet, das Spitzdeckel-Design wurde ent- wickelt. Die von Dorus bevorzugte Gis- Klappen-Anordnung ("Dorus-Gis") konnte sich langfristig nicht durchsetzen. 1855 verließ Louis Lot die Firma, um sich selbständig zu machen. Bis 1868 war Vincent Godfroy Alleininhaber der Werkstatt. Seine Nachfolger waren seine Witwe Clarisse Godfroy (bis 1888), Fernand Chapelain in La Couture (bis 1910), Chapelain fils & gendre (bis 1912), Siour- Chapelain (bis 1919) und Robert Siour & Cie. (bis 1930).
Louis Lot (1807-1896)
Er galt als "Stradivari der Böhmflöte". Geboren wurde er in La Couture im Departement Eure und erlernte dort den Flötenbau. 1927 ging er nach Paris und wurde Mitarbeiter bei Clair Godfroy, 1833 sein Schwiegersohn, 1836 schließlich Mitinhaber seiner Firma. Im Jahre 1855 machte er sich selbständig und gründete - nur wenige Häuser neben Godfroy - eine eigene Werkstatt. Henry Villette, der bereits bei Godfroy mit ihm zusammen an den neuen Böhmflöten gearbeitet hatte, folgte ihm. Auch Dorus wechselte als Kunde mit zu Lot, was sehr zur Popularität von Lots Flöten beitrug. Entscheidend war das Jahr 1860: In diesem Jahr wurde Dorus als Nachfolger von Toulou als Flötenlehrer an das Pariser Conservatoire berufen. Hiermit fand auch ein Wechsel des Instrumentenstandards statt. Jean Louis Toulou war der letzte große Verfechter der Flöte des alten Systems und lehnte die Böhmflöten ab. Die Schüler von Dorus dagegen spielten ab sofort die modernen Metallflöten, in aller Regel die von L. Lot. Mit der Berufung von Dorus wurde die Böhmflöte als verbindlicher Standard eingeführt, genauer das Instrument, das Lot als das "Modell Nr. 5" bezeichnete. Als ersten Preis des jährlich stattfindenden Wettbewerbs erhielten die Gewinner von nun an eine L. Lot Metallflöte. Direkt im ersten Jahr gewann Paul Taffanel, er erhielt eine Neusilberflöte aus dem Hause Lot. Die offizielle Flöte des Conservatoire setzte sich schnell an der Pariser Oper durch, ebenso in der "Société des Concerts" und bei einem großen Teil der professionellen Flötisten. 1868 wurde Henry Altés Nachfolger von Dorus: auch er war von Anfang an Kunde des Hauses Lot. 1870 schreibt Böhm in einem Brief: "Ich habe so viele Bestellungen bekommen, daß ich eine große Zahl an Lot in Paris weitergegeben habe. Er ist zweifellos derjenige, der am besten arbeitet." Übrigens baute Lot zu dieser Zeit bereits ausgereifte Piccolo-Flöten nach Böhm's System, während Böhm selbst zeitlebens keine zufriedenstellenden Piccolos gelungen sind. Böhm bezieht Polster und Kork von Lot, und er kaufte bei ihm mehrere fertiggearbeitete Holz-Flöten, allerdings ohne Klappen. In der Mitte der 60er Jahren erhielt das Klappenwerk der Lot Flöten seine endgültige Form, wie sie noch heute als "französisches Modell" bekannt ist. Das zwischen 1838 und 1865 häufig gebaute "Dorus- Gis", die für Dorus entwickelte Gis- Klappe mit der Achse auf der Außenseite, wurde endgültig durch die heutige Form mit doppeltem Gis-Tonloch ersetzt. 1869 baute Lot seine einzige Goldflöte (18Karat) für den Flötisten Jean Rémusat, die sich seit 1948 im Besitz von Jean Pierre Rampal befand. 1875 setzte Lot sich zur Ruhe, nachdem er etwa 2150 Flöten, davon 870 Metall- Flöten hergestellt hatte. Wie es zu jener Zeit Tradition war, wurde sein Geschäft, sein Werkzeug und sein Markenname an den "maître-ouvrier" oder "contre-maître" übertragen; Worte, die mit "Vorarbeiter" oder "Werkstattleiter" unvollkommen übersetzt sind. Lot's Nachfolger als Firmeninhaber waren: Henry Villette, der bereits bei Godfroy mit ihm zusammengearbeitet hatte (bis 1882), Debonneetbeau de Coutelier (bis 1889), Emile Barat (bis 1904), Ernest Chambille (bis 1922), schließlich dessen Tochter Pauline Gabrielle Chambille (mit Martial Levevre als Werkmeister). Die Nachfrage nach Lot- Flöten sank kontinuierlich, das Geschäft lebte immer mehr von Reparaturen. Das Ende des Hauses Lot war tragisch: Pauline Chambille starb 1951 durch Selbstmord; in diesem Jahr waren nur noch 5 Flöten gebaut worden. Die Geschäftsbücher gelangten unter obskuren Umständen in den Besitz eine Amerikanerin und sind nicht mehr zugänglich. Lefevre ging zu Buffet-Crampon, die Werkstatt wurde kurz darauf endgültig geschlossen, den Markenname "Louis Lot" erwarb Strasser / Marigaux / Lemaire (siehe SML).
Buffet, Auguste
ist ein heute weniger bekanntes Mitglied der berühmten Instrumentenbauer-Familie. Er entwickelte in Zusammenarbeit mit Victor Coche eine "verbesserte" Böhmflöte nach Böhms Modell von 1832; als Hersteller von Baßklarinetten war er ein erbitterter Konkurrent von Adolphe Sax. Die Übertragung des Böhm'schen Klappesystems (Modell 1832) auf die Klarinette ist seine Erfindung. Sein Klarinettenmodell von 1838 ist die erste - von ihm auch so genannte - Böhm-Klarinette in der bis heute üblichen Bauform. Er gilt als Erfinder der modernen Nadel-Federn, die er seit 1838 bei seinen Klarinetten und Böhm-Flöten einsetzte. Sein Sohn Louis Auguste Buffet wurde später sein Mitarbeiter. Die Werkstatt existierte bis etwa 1885.
Buthod & Thibouville
war in Paris von 1857 bis 1867 tätig und baute in dieser Zeit auch Böhm-Flöten. Auch von anderen Mitgliedern der weit verzweigten Familie Thibouville existieren Böhmflöten.Bonneville
Auguste Bonneville gründete seine Werkstatt ca. 1876 in Paris, nachdem er (wahrscheinlich) bis dahin bei Godfroy gearbeitet hatte. 1888 wurde für "Bonneville et fils" ein Patent für "mobile Ringe ohne Polster bei Zylinderflöten aus Metall" erteilt. Die Werkstatt blieb bis zu ihrer Aufgabe 1950 in Familienbesitz. Eine Bonneville Flöte im Internet: http://members.aol.com/_ht_a/goferjoe/bonvl.htm
Julliot
Djalma Julliot (1858-1922) erlernte den Instrumentenbau in der Werkstatt von H. Vaquelin in La Couture. Dort wurden Teile für die Produktion von Holzblasinstrumenten produziert und Blasinstrumentenreparaturen ausgeführt. Hier hatte bereits sein Vater Victor Julliot sein Handwerk erlernt und war durch Heirat Mit-Inhaber geworden. 1890 zog sich der Vater aus dem aktiven Handwerk zurück; der nun 32 Jahre alte Djalma übernahm seinen Platz. 1894 gründete er seine eigene Marke "Djalma Juillot" und begann mit dem Bau von Böhmflöten. Innerhalb kurzer Zeit gehörten einige der berühmtesten Flötisten zu seinen Fürsprechern: Paul Taffanel, Philippe Gaubert, Louis Fleury und Georges Barrère. Er erwarb 1895 und 1901 2 Patente "zur Verbesserungen am Griffsystem der Böhmflöte". 1903 erstellte er einen üppigen, 47-seitigen, reich bebilderten Katalog seiner Flöten. Alleine an Konzertflöten baute er 10 verschiedene Modelle: Von Nr. 1, einer einfachen Deckelklappenflöte für Schüler, bis zu Nr. 10, dem aufwendigen Modell Borne-Juillot mit vielen Sonderklappen, das Juillot in Zusammenarbeit mit Francois Borne ("Carmen-Fantasie") entwickelte. Daneben baute er konische und zylindrische Piccolos in C und Db, Terzflöten in Eb, Alt- und Baßflöten in verschiedenen Grundstimmungen. Seine Konzertflöten verfügten (als erste?) über eine lange Steckverbindung für das Fußstück, die deutsche Flötisten von den Uebel-Flöten der 70er Jahre kennen. Seine Bemühungen, die Nachteile der geschlossenen Gis- Klappe auszugleichen, führten zunächst (1895) zu der modernen E-Mechanik, darüber hinaus aber zu einem sehr komplizierten Klappensystem, das sich nicht durchsetzen konnte. 1911 - mit nur 53 Jahren - zog sich D. Juillot aus seiner Firma zurück. In den 17 Jahren seit Firmengründung hatte Juillot etwa 1100 Querflöten gebaut, alle datiert und signiert. Drei ehemalige Angestellte übernahmen die Firma mit Markenamen, Firmengebäude und allen Werkzeugen die Herren Lorée (einem Mitglied der Oboenbauer- Familie), Masson und Trotte. Eine Zeitlang stand Juillot noch als Mitarbeiter zur Verfügung und überwachte die Fertigung der gehobenen Flöten. 1914 war Clément Masson mittlerweile Alleininhaber. In den 20er Jahren war das "Modell 2" eine Art Standard für französische Schülerflöten und verkaufte sich gut. Massons Söhne Auguste und Marcel ("Masson & fils") führten den Betrieb noch bis 1975 weiter, konnten aber neben der japanischen Konkurrenz nicht länger bestehen.
Barbier
Florentin Barbier machte sich 1869 selbständig. 1885-1898 arbeitete er für Cuesnon, danach war er wieder selbständig, bis sein Betrieb 1910 von H. Selmer (Paris) übernommen wurde. Sehr auffällig waren die 1895 für ihn und Cuesnon patentierten Flöten mit quadratischem Querschnitt (!), die einen gleichmäßigen Tonlochrand von minimaler Höhe ermöglichen sollten.
Lebret (1862-1928)
Louis Leon Lebret war, bevor er sich 1888 in Paris selbständig machte, Mitarbeiter des Hauses Louis Lot. Von 1928-32 wurde die Werkstatt von René Celles in La Couture weitergeführt. 1932 erfolgte die Veräußerung an Robert Malerne. Bei Malerne wurden weiterhin Querflöten ge- baut, bis die Firma 1975 von SML übernommen wurde. Lebret im Internet: http://members.aol.com/_ht_a/goferjoe/lebret.htm
Claude Rive
Arbeitete zunächst bei Godfroy, gründete spätestens 1877 in Paris eine eigene Werkstatt. 1895 wurde die Werkstatt von Alexandre Robert übernommen, von 1920 bis 1947 wurde sie von Henri Leon Leroy weitergeführt. Rive im Internet: http://members.aol.com/_ht_a/goferjoe/rive.htm
Jack Leff (Paris)
War ein Pseudonym des 1932 geborenen Jaques Lefevre. Er erhoffte sich hiermit wohl bessere Chancen auf dem amerikanischen Markt. Er war der Sohn des Martial Lefevre, des letzten Werkstattleiters der Firma Louis Lot. Sein Handwerk lernte er nach Auskunft von Herrn Roosen bei Strasser / Marigaux / Lemaire (SML). Neben handgearbeiteten Konzertflöten bot Jack Leff von einer "Piccoletto" (Piccoloflöte in Es!) zunächst bis zur Baß- Querflöte verschiedene Baugrößen an. Von 1981 an wurden seine Flöten für einige Jahre als "high end" Instrumente mit in das Programm von Buffet Crampon aufgenommen. 1985 präsentierte er den spektakulären aus versilbertem Messingrohr gebauten "Octobaße". Diese Flöte lag eine Oktave unter der Baßquerflöte. Der Oktobaße war das einzige Instrument dieser Größe (2,50 Rohrlänge, 2,6 kg), das in seiner ursprünglichen Form in derselben Haltung ("quer") gespielt wird wie eine Konzertflöte. Pierre-Yves Artaud verwendete ihn bei mehreren Konzerten und Schallplattenaufnahmen. Jack Leff hörte im Jahre 1987 mit dem Flötenbau auf. Seine Firma wurde von seinem Mitarbeiter Jean-Yves Roosen übernommen.
Parmenon
Michel Parmenon ist in Orleans seit 1979 Jahren als Flötenbauer aktiv. Er produziert handgemachte Vollsilberflöten mit (weich) gelöteten Tonlöchern, dem Vernehmen nach schwere Instrumente mit viel Blaswiderstand. Daneben sind 9 ktund 14 kt- Goldflöten im Programm. In Deutschland sind sie unbekannt, neben Frankreich sind sie im Schweizer Fachhandel zu finden. Der Preis der Vollsilberflöte wurde Anfang 2002 mit ca. 12.000 Schweizer Franken angegeben.
Faulisi
Der Kopfstückspezialist Salvatore Faulisi baut Kopfstücke aus Silber, Gold und Platin. Ausprobieren kann man sie in seinem Geschäft "la flute traversiere" in Paris, ganz in der Nähe der Bastille.
Jean-Yves Roosen
Geboren 1956, erlernte den Flötenbau bei Jack Leff. Nachdem Leff 1987 mit dem Flötenbau aufgehört hatte, wurde Roosen sein Firmennachfolger. Zusammen mit der Firma übernahm er Leffs Werkzeuge, darunter die berühmten in dem Buch von Lenski und Ventzke abgebildeten Werkzeuge von Louis Lot. Ein Jahr lang baute Roosen weiter Flöten unter dem Firmennamen "Jack Leff", von 1988 an verwendete er seinen eigenen Markennamen. Roosen präsentiert ein ähnliches Angebot von Flöten wie vormals Jack Leff: 12 verschiedene Modelle der Querflötenfamilie vom Piccolo (auch mit C-Fuß) über Konzertflöten in Edelmetall und Holz über Altund Baßquerflöte, bis zum (völlig überarbeiteten) "Oktobaße", mittlerweile mit triangelförmigem Kopfstück. Roosen siedelte vor etwa 5 Jahren mit seiner Werkstatt von Paris nach Château- Thierry um.
Flöten aus industrieller Fertigung
Adolphe Sax, Paris
Obwohl er mehr für seine Blechblasinstrumente ("Saxhorn"), Baß-Klarinetten und Saxophone bekannt war, stellte Sax, der ursprünglich Flötist war, von Anfang an auch Querflöten her. Auf der Industrie- Ausstellung 1844 stellte er nachweislich mindestens eine Böhmflöte mit Dekkelklappen aus. Die Kenntnis der Böhmschen Instrumente dürfte dafür verantwortlich sein, daß das Saxophon grifftechnisch ebenfalls als "Böhm-System" ausgelegt ist.
Couesnon
Die in Paris ansässige Firma wurde 1882 von Amédée Auguste Cuesnon gegründet, der familiär mit der Instrumentenbauer- Familie Gautrot verbunden war. Die Firma Couesnon war 1911 mit 1000 Angestellten und 8 Fabriken / Werkstätten der größte selbständige Musikinstrumentenhersteller der Welt; zu dieser Zeit baute man bei Cuesnon sämtliche Blasinstrumente. Der berühmteste Flötist, dessen Name lange Zeit der Cuesnon-Querflöte verbunden war, war Marcel Moyse. Das von ihm bevorzugte Modell "Monopole" aus den 30er Jahren hatte auf den Klappen der rechten Hand in einem Winkel von ca. 30 Grad aufgelötete Griffplättchen, das seiner Fingerhaltung sehr entgegenkam. Die Firma wurde nach 1950 mehrfach geschlossen und wiedereröffnet. Heute wird nur noch ein kleines Programm an Blechblasinstrumenten produziert.
Noblet / Leblanc
Eine Firma Noblet existierte in La Couture seit 1750; es gibt verwandtschaftliche Beziehungen zu den Instrumentenbauer- Familien Godfroy und Lot. Georges Leblanc, ein ehemaliger Angestellter des damaligen Firmeninhabers Denis Toussaint Noblet übernahm im Jahre 1904 die Firma "Ets. Noblet" mit 2 Betrieben in La Couture und Paris. Neben anderen Holzblasinstrumenten wurden auch Querflöten hergestellt. Georges Leblanc's Sohn Leon Leblanc eröffnete 1946 in Kenosha / Wisconsin (USA) eine Blasinstrumentenfabrik. Seitdem verloren die französischen Produktionsstätten kontinuierlich an Bedeutung. Bis um 1990 wurden noch einfache Schülerflöten aus Neusilber hergestellt. Es gab die üblichen Ausführungen mit Deckel- und Ringklappen, mit und ohne E-Mechanik.
SML Marigaux
Die Pariser Firma Strasser / Marigaux / Lemaire (SML) wurde 1935 von dem Schweizer Charles Strasser, den Herren Marigaux und Lemaire gegründet. Der 1883 geborene Marigaux hatte seine Ausbildung bei Buffet-Crampon erhalten, wo schon sein Vater als Vorarbeiter tätig war. SML besaß eine Werkstatt in Paris, in der Saxophone und Querflöten gebaut wurden. Daneben gab es eine Werkstatt in La Couture Boussey, in der Oboen und Klarinetten gefertigt wurden. 1951 erwarb SML die Firma und den Namen "Louis Lot". In den folgenden Jahren wurden Böhmflöten sowohl unter dem Namen "Louis Lot" als auch unter "Marigaux SML" hergestellt, was Anlaß zu einigen Mißverständnissen gab. 1975 erwarb SML die Firma von Robert Malerne (La Couture), welche wiederum 1932 die Werkstatt von Louis Lebret übernommen hatte. 1981 wurde die Produktion von Saxophonen und Querflöten eingestellt. Die Firma arbeitet weiterhin als Produzent hochwertiger Oboen und Klarinetten. Eine interessante Marigaux-Flöte im Internet: http://members.aol.com/_ht_a/goferjoe/marigaux.htm
Selmer (Paris)
Selmer ebenfalls ein namhafter Hersteller, der spätestens seit 1900 auch Querflöten baute. 1910 übernahm Selmer die Pariser Werkstatt der Firma Florentin Barbier. Noch in den 60er Jahren wurden vier Baugrößen von Piccolo bis Baßquerflöte hergestellt. Der Flötenbau wurde in den 70er Jahren eingestellt.
Dolnet (Paris)
Auch unter dem Markennamen "Dolnet / DLP / Paris" waren eine zeitlang auch Querflöten und Metall-Piccolos im Handel. Da bei Dolnet in jüngerer Zeit nur noch Saxophone gebaut wurden, stammen die Flöten mit dem Namen Dolnet höchstwahrscheinlich aus einer anderen Fertigung, das Klappendesign erinnert an von Noblet.
Buffet-Crampon (Paris)
Diese französische Firma, gegründet 1839 von Jean Louis Buffet, dem Neffen von Auguste Buffet, blickt heute auf eine über 160-jährige Tradition im Holzblasinstrumentenbau zurück. Während bei Buffet im 19. Jahrhundert und Anfang des 20. Jahrhunderts Querflöten von hoher Qualität gebaut wurden, traten sie spätestens in der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg in den Hintergrund. 1981 verlor Buffet- Crampon seine Selbständigkeit: Buffet- Crampon wurde von der britischen Firma Boosey & Hawkes übernommen. Die nach diesem Zusammenschluss produzierten Buffet-Crampon Querflöten stammten aus einer ebenfalls zu Boosey & Hawkes gehörenden Querflötenfabrik in Edgwood in der Nähe von London. Bis 1983 trugen sie den Firmennamen Boosey & Hawkes (Modell "Emperor"), ab 1984 wurden praktisch dieselben Flöten unter dem Namen Buffet-Crampon vermarktet. Mensur und Kopfstück wurden in Zusammenarbeit mit dem berühmten britischen Flötenbauer Albert Cooper entwickelt. Immer wieder gab es Probleme mit der Fertigungsqualität, die anscheinend nicht dauerhaft in den Griff zu bekommen waren. Im Jahre 2000 wurde diese Produktion eingestellt, seit 2001 werden Querflöten der Marke Buffet- Crampon in einer neu entstandenen Fabrik in Markneukirchen (Sachsen) gebaut.
Belgien
Albert, Brüssel
Eugene Albert (1816-1890) war in Brüssel Holzblasinstrumentenmacher. Bekannt waren seine Klarinetten; Albert entwikkelte ein eigenes Klappensystem (Albert- System), das auch von anderen Herstellern (z.B. Selmer) in Lizenz gebaut wurde. Es war eine Variante des deutschen Systems, das Anfang des 20.Jahrhunderts bei den Jazz-Klarinettisten in New Orleans sehr beliebt war. Neben Klarinetten und Saxophonen baute Eugene Albert interessante Böhmflöten aus Holz. Das Holzblasinstrumenten-Handwerk wurde auch von seinen Söhnen ausgeübt; zumindest von Joseph E. Albert (1860-1931) existieren ebenfalls Böhmflöten.
Mahillon, Brüssel
war der Name einer Familie von Instrumentenbauern die zwischen 1877 und 1922 neben anderen Blech- und Holzblasinstrumenten auch Böhmflöten herstellten. Charles Maheu (et fils) aus Gand ist in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts als Hersteller von Böhmflöten in Erscheinung getreten.
Hofinger, Brüssel
Die Firma von Florent Hofinger, ein ehemaliger Angestellter von Mahillon, machte sich 1900 selbständig und baute neben Oboen und Klarinetten gute Böhmflöten in Vollsilber, die vor allem in den Niederlanden sehr verbreitet waren. Hofinger erhielt mehrere Patente für einige Weiterentwicklungen der Böhmflöte. Das Hofinger Modell Nr. 10 verfügte über viele Zusatzklappen, konisch erweitertes Fußstück, Doppelachsen für die beiden Daumenklappen und abstellbare E-Mechanik. Die Firma erlosch 5 Jahre nach seinem Tod 1945.
Dänemark
Brögger
Der dänische Flötenbauer Johann Brögger stammt aus Kopenhagen. Dort machte er zunächst eine Ausbildung zum Goldschmied. Später erlernte er während zahlreicher Besuche bei Jack Leff in Paris den Flötenbau. Nachdem er zunächst einige Jahre in Dänemark Flöten baute, ging er später eine geschäftliche Verbindung mit der Bostoner Firma "Brannen-Cooper" ein. Er entwickelte eine Stift-freie Klappenkoppelung mit Brükkenmechaniken, wie sie schon immer bei Saxophonen üblich war, für die Querflöte. Die auf seinen Namen patentierte "Brögger-Mechanik" garantiert geringstmögliche Reibung zwischen Klappen und Achsen und soll die Mechanik so unübertroffen schnell machen. Eine weitere Entwicklung ist die sogenannte "Brögger-Akustik", bei der auch Silberflöten mit unterschnittenen Tonlöchern versehen wurden. Die Firma Brannen-Cooper baut seit einigen Jahren "Brögger flutes". Ob Johan Brögger selbst noch im Flötenbau tätig ist, ist nicht bekannt.
Großbritannien
London war von Anfang des 19. Jahrhunderts bis in die heutige Zeit ein Zentrum von Erfindergeist und Experimentierlust. Im Flötenbau führte dies zu einer geradezu unfaßbar großen Menge von verschiedenen Klappen- und Griffsystemen, vom "Radcliff-System" von 1867 über die verschiedenen von Rudall-Carte entwikkelten Klappen-Systeme bis zum "Murray- System" der neusten Zeit. In den 70er Jahren entwickelte sich das "Re-tuning" älterer, für tiefere Stimmung konzipierter Flöten durch Versetzen der Tonlöcher, beinahe zu einer Modewelle. Letztlich resultierte aus dieser Bewegung die "Cooper- scale", die wohl wichtigste Neuberechnung des Tonlochsystems seit Theobald Böhm.
Rudall-Carte
George Rudall (1791-1871), der bei Charles Nicholson das Flötenspiel erlernte, war Flötenlehrer und seit 1820 Musikalienhändler. 1821 nahm er den Instrumentenbauer John M. Rose als Partner mit in sein Geschäft. Von da an hieß die Firma "Rudall & Rose". Rudall kam mit Theobald Böhm in Kontakt, stellte ihm seinen Lehrer Nicholson vor, und gewann bald sein Vertrauen. Er erwarb 1943 von Böhm die Lizenz zum Bau seiner konischen Ringklappenflöte (1832er Modell). Hierzu schickte Böhm seine Mitarbeiter Rudolph Greve für einige Zeit nach London, um Rudalls Instrumentenbau-Team einzuarbeiten. 1847 erhielt Rudall auch sofort die Lizenz, Böhms neue Zylinderflöte zu bauen. 1852 wurde der Flötist Richard Carte neuer Partner der Firma. Seitdem hieß die Firma "Rudall, Rose, Carte & Co". Als sich Rudall 1856 aus der Firma zurückzog, wurde Carte Eigentümer der Firma. Unter Cartes Management wandelte die Firma sich von einer Flöten-Manufaktur zu einer wichtigen Firma für Militärmusik- Instrumente. Sie erwarb zu dieser Zeit auch die Alleinvertretung für die Holz- und Blechblasinstrumente von Adolphe Sax für Großbritannien. Nach einer letzten Umbenennung hieß die Firma von 1872 bis 1950 "Rudall-Carte & Co.", später geleitet von Richard Carte s Sohn Henry W. Carte (bis 1895) und Montague George (bis 1938). 1944 erwarb Boosey & Hawkes den Betrieb. In den späten 50ern verringerte Boosey &Hawkes sein Engagement bei Rudall Carte und versuchte die Mitarbeiter zu überreden, in die B&H-Fabrik nach Edgware im Norden von London überzuwechseln. Die meisten von ihnen weigerten sich, einige von ihnen gründeten stattdessen die "Flutemakers Guild", einige blieben bei Rudall-Carte. Unter dem Namen "Rudall- Carte & Co." wurden bis tief in die 60er Jahre weiter Flöten gebaut, in den letzten Jahren von 3 Flötenbauern in Heimarbeit. Robert Bigio schätzt, daß die letzte Rudall-Carte Flöte um 1970 entstand.
Albert Cooper
1924 geboren, begann seine berufliche Laufbahn 1938 (im Alter von 14 Jahren) bei der Londoner Firma Rudall-Carte. 1959, 15 Jahre nach der Übernahme der Firma durch Boosey & Hawkes, machte er sich als Fötenbauer selbständig. Er baute Konzertflöten aus verschiedenen Materialien (einschließlich Edelstahl) und verschiedenen Grundstimmungen, von ihm existieren rund 100 Querflöten, darunter einige Piccolos, 4 Baß- und 13 Alt- Querflöten. Sein Hauptaugenmerk galt zunächst der Verbesserung der Intonation der Flöte. Nach intensiven akustischen Studien und Erprobungsphasen entwikkelte er ein neues Tonlochnetz mit veränderter Anordnung und Größe der Tonlöcher, welches bald als "Cooper scale" weltbekannt wurde, und von fast allen Flötenbauern aufgegriffen wurde. Jahrelang beschäftigte er sich mit dem "retuning", dem Verändern der Stimmung der verschiedensten Flöten durch Versetzen der Tonlöcher. Weitere Verbesserungsversuche galten dem Kopfstück, in den 80er Jahren baute er fast nur noch Kopfstücke. Das Ergebnis seiner Forschungsarbeit ist das "Cooper style" Kopfstück. Seit 1978 ist er mit der Bostoner Firma "Brannen- Brothers" geschäftlich verbunden. Obwohl er bei Brannen den Status des "Vice President" genießt, wohnt und arbeitet er bis heute in London, seine faktische Zusammenarbeit mit Brannen findet in Form von Besuchen in Boston und Gegenbesuchen von Bickford Brannen in London statt. Albert Cooper hat nie Flötenbauer ausgebildet.
Boosey & Hawkes
Boosey & Hawkes ist heute einer der erfolgreichsten Instrumenten-Hersteller der Welt. Die Firma Boosey & Hawkes entstand 1930 aus dem Zusammenschluß des Musikinstrumenten-Herstellers und Musikverlags Boosey & Company (gegründet 1851, Querflötenbau seit 1856) und der 1860 gegründeten Musikinstrumentenfabrik Hawkes & Son. Obwohl Boosey durch den Erwerb von Rudall- Carte im Jahre 1944 über die besten Möglichkeiten zur Herstellung hochwertiger Flöten verfügte, wurde der Schwerpunkt immer mehr auf den Bau von preisgünstigen Schülerflöten verlagert, welche in einer anderen Fabrik in Edgwood hergestellt wurden. Nach dem Erwerb der Firma Buffet-Crampon wurden die Flöten aus der englischen Boosey-Fabrikation (Markenname: "Emperor") von da an unter dem Markennamen Buffet-Crampon verkauft. Eine frühe Boosey Flöte im Internet: http://members.aol.com/_ht_a/goferjoe/boosey.htm
Trevor J. James
Der englische Flötenbauer Trevor J. James stellte sich auf der Frankfurter Musikinstrumentenmesse 1985 erstmals dem deutschen Publikum vor. Zu dieser Zeit produzierte er mit einem kleinen Team von Mitarbeitern hochwertige Kopfstücke aus Silber und Gold. Seine Kopfstücke wurden anfangs über das Londoner Flöten- Haus "All Flutes Plus" vertrieben, das von Trevor's Bruder Nigel James geleitet wird. Kurz darauf begann er mit der Produktion von eigenen Querflöten. Die Flöten wurden in England entwickelt. Auch die wichtigsten Werkzeuge für die Fertigung wurden in England produziert, die eigentliche Herstellung der Flöten findet allerdings in einem mit Trevor James eng verbundenem Werk in Taiwan statt. Dasselbe gilt übrigens auch für die unter dem Namen Trevor James produzierten Saxophone ("The Horn"). Dies wird heute offiziell zugestanden, nachdem zunächst jahrelang keine klare Auskunft über die Herkunft zu bekommen, bzw. die taiwanesische Herkunft der Instrumente regelrecht abgestritten worden war. Trevor J. James Flöten gibt es in vielen verschiedenen Preisklassen. Die einfachsten Schülerflöten sind die der 10X-Serie, möglicherweise läuft diese Serie bald aus. Die nächste Serie heißt "Privilege"; die Instrumente sind versilbert, jeweils mit "Standard" und "shaped" Mundplatte zu bekommen. Es gibt derzeit 14 (!) verschiedene Ausführungen, z. T. mit Silber- Mundplatte. Die Baureihe der Silberkopf- Flöten heißt "Cantabile", die der Silberrohr- Flöten "Virtuoso". Trevor J. James bietet seit etwa 10 Jahren auch eine Alt- Querflöte an. Darüber bietet Trevor J. James zwei sogenannte "semi-hand-made" Reihen an: Die "Masters"-Serien M1 und M2 sind Nachfolger der früheren "limited edition models". Es handelt sich um Spitzdeckel-Versionen, die ebenfalls in vielen unterschiedlichen Ausführungen bis zur 9 Karat Gold-Mundplatte lieferbar sind. Auch eine Altquerflöte der Masters-Reihe ist erhältlich.
Flutemakers Guild
Sie wurde von Harry Seeley, "Angus" Roger Harris, Ewen McDougall und David Keen 1963 gegründet. Alle vier waren ehemalige Mitarbeiter bei Rudall-Carte, gemeinsam mit Albert Cooper. Seeley begann seine Ausbildung bei Rudall-Carte 1955, McDougall 1950; er war später Manager der Guild. Die Flutemakers Guild baute hochwertige Konzertflöten und Kopfstücke in Holz, Silber und Gold. Viele deutsche Flötisten kennen Howel Roberts, der 1974-79 bei Flutemakers Guild seine Ausbildung zum Flötenbauer machte, später in der Flötenbau-Werkstatt der Firma Hieber / München tätig war und sich vor einigen Jahren als selbständiger Flötenbauer in der Nähe von München niedergelassen hat. Harris verließ die Guild um 1982, um bei Ford in der Autoproduktion zu arbeiten. Der inzwischen verstorbene Ewen Mc- Dougall verließ die Firma 1983, um sich in Yorkshire als Flötenbauer selbständig zu machen. Er baute Konzertflöten in Silber und Gold, darüber hinaus Kopfstücke für Konzertflöten und Piccolos. Nachdem Harry Seely 1996 aus gesundheitlichen Gründen mit dem Flötenbau aufhören mußte, hört man nicht mehr viel von der Guild. Sein Mitarbeiter Russel Phillips war noch bis 2001 als Kopfstückmacher tätig. Auf der Internetseite wird noch eine große Auswahl von Holz- Kopfstücken für Böhm-Flöten aus Metall angeboten. Es ist aber nicht bekannt, ob derzeit noch weiter hergestellt wird. Man hat die Wahl zwischen: "African Blackwood, Pink Ivory, Cocuswood, Lignum, Spalted Boxwood, Mountain Mahogony, Cocobolo, Orange Rosewood, Kingwood, Snakewood". Der Preis pro Kopfstück liegt derzeit bei 1170,-US$. Mehr Info: http://www.flutemakersguild.com
Michael J. Allen
Kam von seinem anderen Beruf (Goldschmied / Juwelier) zum Flötenbau. Anfangs war er Mitarbeiter von Trevor James. Heute ist er selbständig und baut hervorragende Silberflöten (ab £6,000) 14 kt Goldflöten mit Silbermechanik (ab £16,500) und Kopfstücke.
Ian McLauchlan
Ist ein weiterer erwähnenswerter Kopfstückmacher. Seine Kopfstücke sind in dem Londoner Querflöten-Fachgeschäft "Just Flutes" erhältlich.
Willy Simmons
Willi Simmons hat den Flötenbau weitgehend autodidaktisch erlernt, übt ihn seit ca. 1990 professionell aus. Zunächst bekannt für hervorragende Flötenreparaturen, macht er sich später einen Namen als Hersteller von hoch-g-Flöten. Seit vielen Jahren baut er begehrte Kopfstücke, seit einigen Jahren auch Konzert-Flöten.
Bigio
Robert Bigio (London) ist ein bekannter Spezialist für Holz-Flöten, Piccolos (konisch und zylindrisch) und Kopfstücke. Daneben baut er aber auch Flöten bzw. Piccolos in Silber bzw. Gold. Bigio hat darüber hinaus eine ungewöhnliche Kombination aus "Stopper & Crown" entwikkelt, die zu auffällig verbessertem akustischen Ergebnissen führen soll. Der Stopper, der den Stimmkork ersetzt, ist aus Kunststoff und nur über einen Dichtungsring mit dem Rohr des Kopfstücks verbunden, so daß die Schwingungen des Kopfstücks weitaus weniger bedämpft werden, als dies durch einen fest in dem Rohr sitzendem Kork geschieht. Bigio ist ein gefragter Experte für Rudall- Carte Böhmflöten, er handelt auch mit Exemplaren seiner umfangreichen Sammlung. Hölzerne Kopfstücke von Robert Bigio kosten zwischen 650,- und 800,- Britischen Pfund, der Silberkopf liegt bei 625,- der (hölzerne) Kopf für ein Piccolo bei 450,- Holz-Flöten auf Anfrage. Weitere Info: http://www.bigio.demon.co.uk
Stephen Wessel
War Ingenieur ("research engineer"), bevor er sich dem Querflötenbau zuwendete. 1983 gründete er mit dem Goldschmied und Kopfstückmacher John Webb die Firma "Webb & Wessel". Man war sich einig, daß man sich nicht in Richtung der schweren deutschen Flöten orientieren, sondern leichtgewichtige Flöten mit leichter Ansprache und tragfähigem Klang bauen wollte. Von Anfang an wurde zum Zweck der Gewichtersparnis ein ungewöhnlicher Sonderweg beschritten: Das gesamte Klappenwerk wurde (und wird bis heute) aus Edelstahl (!) gearbeitet. Edelstahl hat 3/4 der Dichte von Silber und ist dabei 3x so hart. Für eine vergleichbare Härte benötigt man weniger Materialstärke und kann so beim Klappenwerk 50% des Gewichts einsparen. Allerdings erfordert die Herstellung der Edelstahlklappen wegen ihrer großen Härte eine völlig andere Fertigungstechnik als die konventioneller Klappen. Die ursprüngliche Idee, zwecks weiterer Gewichtsreduktion die Deckeloberflächen durch einen schwarzen Kunststoffeinsatz zu ersetzen, stieß nicht auf allgemeine Gegenliebe, da die Flöte so ungewohnt wenig Gewicht hat. Daher wird diese Version heute als Sonderausführung neben Edelstahlklappen im traditionellen Design angeboten. 1990 ist John Webb aus der Firma ausgeschieden: Stephen Wessel arbeitet seitdem alleine. Während in der "Webb & Wessel"-Zeit gelötete Rohre verwendet wurden, verwendet Wessel in den letzten Jahren nahtlose Rohre. Korpus und Fuß sind bei Wessel-Flöten normalerweise aus einem durchgehenden Rohr gefertigt. Seine Flöten werden grundsätzlich ohne Kopfstück verkauft.
Andrew Oxley
Andrew Oxley ist ausgebildeter Flötist, als Flötenbauer absoluter Autodidakt. Er ist heute ein gefragter Spezialist für Kopfstücke. 1976 begann er während seine Flötenstudiums mit dem Bau von Kopfstücken. 1978 wurde seine erste Flöte fertig. 10 Jahre später hatte er 50 Flöten und über 1000 Kopfstücke gebaut.
Österreich
Neureiter
Herbert Neureiter baut seit einigen Jahren in Söll in Tirol Alt- und Baß-Querflöten. Daneben baut er handgearbeitete Kopfstücke für Konzertflöten. Er ist in München in der Werkstatt Hieber zum Instrumentenbauer ausgebildet worden und arbeitete dort an allen Baugrößen der von Christian Jaeger entwickelten Flöten mit. Nach Einstellung des Flötenbaus bei Hieber vor einigen Jahren baut er die ihm vertrauten Modelle in eigener Meisterwerkstatt weiter. Die Altflöte mit Silberkopf und E-Mechanik kostet derzeit 7710,- EUR, die Baßflöte mit handgeschnittener Mundlochplatte u. Kamin in Silber (925), Mechanik u. Rohr Neusilber versilbert, E-Mechanik, liegt bei 7920,- EUR, Silberkopf gegen Aufpreis.
Finnland
Matit
Die vielleicht ungewöhnlichste moderne Böhmflöte geht auf den Flötisten und Industrie- Designer Matti Kahonen zurück. Auf der Suche nach einem Material, das geringes Gewicht mit hoher Festigkeit kombiniert, entwickelte er eine Flöte mit einem Korpus aus Kohlefaser. Dazu entwickelte er eine Klappenmechanik, die für das Rückfedern der Klappen anstelle von Nadelfedern Magnete verwendete. Die Klappenpolster wurden durch Elastomer- Ringe ersetzt, die Mechanik ist kugelgelagert. Die Kohlefaser-Flöte wurde der Öffentlichkeit 1993 auf dem NFA Kongress in Boston präsentiert und erlangte sogleich große Beachtung. Um die Flöte in Serie zu bauen, gründete er 1994 die Firma Matit Flutebrothers in Helsinki. Heute gibt es verschiedene Modelle mit versilberter, Vollsilber- oder Titan-Mechanik. Es gibt einen Adapter, mit dessen Hilfe auch normale Kopfstücke auf die Matit-Flöte aufgesetzt werden können. Weitere Info: http://www.matitflutes.com
Tschechoslowakei / Tschechische Republik
Anfang des 20. Jahrhunderts hatte sich das überwiegend deutschsprachig bevölkerte Graslitz - heute Kraslice - zu einer Hochburg des Instrumentenbaus entwikkelt. Während in der wenige Kilometer entfernten Region um Klingental und Markneukirchen mehr handwerklich produziert wurde, wurde in Graslitz eher in großen Instrumentenfabriken produziert. Neben anderen Herstellern von Böhmflöten ist besonders die Firma V. Kohlert's Söhne zu nennen. 1945 erfolgte die Enteignung und Vertreibung der deutschstämmigen Firmeninhaber und Arbeiter. Die Produktion aller Holzblasinstrumente (außer der Saxophone) wurde in den ehemaligen Kohlert-Fabrikräumen in der neugegründeten Firma Amati - heute: Amati-Denak - zusammengefaßt. Amati baut von Anfang an auch Böhmflöten unter dem eigenen Markennamen, die in Deutschland aber kaum im Handel waren / sind. Man orientiert sich seit vielen Jahren an den Modellnummern von Yamaha, zum Beispiel entspricht die Amati Flöte AFL-211 in der Ausstattung der Yamaha Flöte YFL-211. Für den deutschen Markt gibt es seit einigen Jahren eine (im selben Werk hergestellte) ordentliche Schüler- Flöte unter dem Markennamen Stowasser. Der Verkaufspreis liegt bei 500,- EUR. Der Name deutet auf einen nach dem Krieg erloschenen Graslitzer Holzblasinstrumenten- Hersteller, von dem Amati die Namensrechte erhielt.
Klaus Dapper
Erschienen in: Flöte aktuell 1/2003, Seite 24

