Flöte aktuell 4.2002 (II)
Flötentöne in der Fußgängerzone... Ein Meisterkurs mit Ransom Wilson
Berichte über Workshops, Kurse und Konzerte
Der bekannte Flötist und Dirigent Ransom Wilson, Professor an der Universität in Yale, kam in der Zeit vom 16. bis 20.9. 02 nach München, um dort auf Einladung der Firma Flöten Haber und der Firma Powell Flutes eine Meisterklasse abzuhalten.
Während Ransom sich auf Literatur konzentrierte, unterrichtete die junge Soloflötistin Tatjana Ruhland (RadioSymphonieorchester Stuttgart SWR, s. Foto unten und "Flöte aktuell" 03/2002) die Teilnehmer in Orchesterstellen.
Der Kurs fand im "Movimento München" statt, im 5.Stock, hoch über der Fußgängerzone im Herzen von München. Bei geöffneten Fenstern konnten Passanten und Besucher der Restaurants den Flötentönen lauschen (was wir auch mehrfach beobachtet haben).
Obwohl zeitlich nicht optimal gelegen (die erste Schulwoche stand gerade an) fanden sich täglich auch einige passive Teilnehmer ein, die dem Unterricht von Ransom folgten. Dieser fand in entspannter Atmosphäre statt und Ransom versteht es außerordentlich gut, im positiven Sinne zu unterrichten ohne den Teilnehmern den Mut zu nehmen, auch wenn mal Passagen nicht so geglückt waren. Natürlich merkt man, daß dieser Lehrer es gewohnt ist, mit professionellen Musikern umzugehen (Ransom ist in den USA, und immer mehr weltweit, ein gefragter Dirigent).
Ransom betonte immer wieder, wie wichtig es gerade für unser Musikverstehen ist, viel Kammermusik zu hören und selbst zu spielen. Beim ewigen Üben in der Kammer oder einem Übzimmer der Hochschule übersieht man leicht, daß Flöte spielen nicht die ganze Musik ist.
Auch seine Ausführungen zu den einzelnen Musikepochen, oder dem Umfeld, in dem Kompositionen enstanden sind, waren höchst interessant. Ebenfalls sehr lehrreich waren seine Ausführungen zu den verschiedenen VariationenStücken, mit denen die Flötenliteratur so reich gesegnet ist. Es sind eben (nur) Showstücke, mit denen Virtuosität gezeigt werden soll. Als solche sollte man sie dann auch spielen, und das nicht zu zaghaft.
Während der Unterricht von Ransom meist vormittags stattfand, unterrichtete Tatjana Ruhland nachmittags Orchesterstellen. Auch ihr Unterricht verlief locker. Tatjana bereitete ihre Schüler sehr realistisch auf die Probespielsituation in den Orchestern vor. Nicht für jeden Blechbläser ist so ein Flötenprobespiel brennend interessant. Entsprechend wird es als lästige Pflichterfüllung genommen und oftmals kommt es gerade in diesem Bereich nach der Hochschule zur Ernüchterung. Doch Tatjana konnte auch diesen Part des zukünftigen Berufs mit Leben erfüllen.
Gegen Ende der Woche gab es ein simuliertes Probespiel für die Kandidaten (mit ungewohntem gemeinsamen Einspielen in einem Raum). Ein Sieger musste diesmal nicht gefunden werden.
Am Ende des Kurses spielte Ransom ein öffentliches Konzert, begleitet von Michaela Pühn, die auch während des ganzen Kurses über geduldig die Teilnehmer am Klavier begleitete (Foto). Zur Aufführung kamen bekannte Stücke wie die Mozart CDur Sonate, völlig neue Stücke wie ein zwei Minuten Stücklein von Rousell "joueurs de flute berce les ruines", von Ransom selbst entdeckt, sowie die hierzulande noch völlig unbekannte Sonate von Carl Vine (Australien) und die Variationen von Damase für Flöte und Klavier. Die Zugabe, Telemann, spielten dann beide, Tatjana und Ransom.
Obwohl, oder gerade weil der Kurs nicht überlaufen war, konnten die Teilnehmer sehr viel lernen und Erfahrungen sammeln.
Der Meisterkurs mit Ransom Wilson soll im kommenden Jahr (2003) gegen Ende Oktober, Anfang November wiederholt werden. Interessierte melden sich bitte bereits jetzt bei:
Flöten Haber, AntonMeindlStr. 11, 81245 München
Tel.: 089880961 / Fax: 08989669022
email: floetenhaber@onlinehome.de oder www.floeten-haber.de
Erschienen in: Flöte aktuell 4/2002, Seite 16

