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Flöte aktuell 4.2002 (II)

Paul Meisen am Hamburger Konservatorium "Drittes Wochenende für die Flöte"

Berichte über Workshops, Kurse und Konzerte

Zum dritten Mal fand am Hamburger Konservatorium ein Wochenende für die Flöte statt. Neben einem Workshop für Historische Aufführungspraxis mit Laurence Dean stand dieses Mal ein vier Tage dauernder Meisterkurs mit Paul Meisen im Zentrum.

Für die zwölf aktiven Teilnehmer sowie für die zahlreich gekommenen Zuhörer begann die intensive Arbeit an Mozarts Flötenkonzerten. Hauptakzent lag in der Integration der Solo­ und Orchesterstimmen, d. h. Klangfarbe, in metrischem Empfinden und Ausdruck. Sehr lebendig vermittelte Prof. Meisen seinen reichen Schatz an Übe­ und Aufführungserfahrung. Oft bot er verschiedene Lösungen für Problemstellen an ­ immer auch unter Einbeziehung der theoretischen Werke von Leopold Mozart, J. J. Quantz und C. Ph. E. Bach und forderte die Spielenden wiederholt auf, eigene Entscheidungen zu suchen und zu treffen.

In Schuberts Variationen über "Trockene Blumen" wurde mit dem Ziel gearbeitet, die verschiedenen Charaktere der einzelnen Variationen bewußt auszugestalten.

Bei der Erarbeitung der Sonaten h­ moll und e­ moll von J. S. Bach führte P. Meisen seine Schüler zum genauen Aushören des Textgeschehens, auch - und besonders des Klavierparts - um auf diese Weise komplexe strukturelle Prozesse erfahrbar zu machen.
Obwohl die musikalische Arbeit an diesem Wochenende im Vordergrund stand, ging Herr Meisen auch auf jeden Spielenden persönlich ein, mit sparsamen, aber gezielten Tips für die Arbeit an Ton und Technik.

In einem Abendvortrag berichtete Prof. Meisen von der musikalischen Ausbildung vor dem Studium in Japan, wo er seit einigen Jahren lebt. Einen signifikanten Ausbildungsvorsprung sieht er im Zusammenhang mit der frühen Heranführung der Jungendlichen an Solfége. Die Tatsache, daß Solfége sogar Teil des Lehrplans an allgemeinbildenden Schulen ist, steht für Paul Meisen in einem engen Zusammenhang mit dem Verständnis und der Liebe einer breiten japanischen Öffentlichkeit zur europäischen "klassischen Musik".
Es schloß sich eine angeregte Diskussion darüber an, ob in Deutschland der voruniversitären Ausbildung nicht eine größere Aufmerksamkeit als Basis einer Musikkultur zukommen muß.
Der Workshop von Laurence Dean, der dieses Mal ausschließlich für Traversflöten gedacht war, stellte wieder eine große Bereicherung und auch ein gewisses Kontrastprogramm zum Meisterkurs dar. Dean erarbeitete mit den Teilnehmern Werke von J. S. Bach und Locatelli und zeigte dabei, daß die barocke Sprache auf historischen Instrumenten eine ganz spezifische Art hat. Über den Farbwert einzelner Töne auf der Traversflöte und ihre dazugehörige Einflußnahme auf bestimmte Tonarten wurde am Schluß des Workshops diskutiert.

Zum Abschluß möchte ich noch dem Hamburger Konservatorium und besonders der Dozentin für Flöte und Organisatorin des Wochenendes, Ulrike Beißenhirtz, für diese außerordentliche Bereicherung des Hamburger Flötenlebens danken. Eine Fortsetzung wäre sehr erfreulich.

Patrick Pföß

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Erschienen in: Flöte aktuell 4/2002, Seite 15

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aktualisiert am Freitag, 01. Dez. 2006 um 11:46:01 CET

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