Flöte aktuell 4.2002 (II)
XII. Festival Internacional de Flautistas en la Mitad del Mundo, Quito, vom 3. bis 9. Juni 2002
Flötenkurs in der Toskana (Volterra) mit Elisabeth Weinzierl und Edmund ächter
Von Deutschland aus können bis zu 20 Stunden Flug nach Quito veranschlagt werden, und dies zusammen mit der Tatsache, dass diese Stadt 2800 m über dem Meeresspiegel liegt. Das macht schon viel aus, wenn man fit bei diesem Flötenfestival in der Mitte der Welt (so ins Deutsch übersetzt) auftreten möchte. Nach Ankunft geht es einem aufgrund dessen nicht unbedingt gut, und es heißt dann schlafen und noch mal schlafen und sich in den ersten 2 Tagen nicht so schnell bewegen, damit der Körper sich daran gewöhnt. Die anfangs schwer zu bewältigende Strapaze der Reise lässt sich aber auch schon leicht vergessen, wenn die Maschine sich auf ecuadorianischem Territorium befindet. Durch einen Blick durch das Fenster lässt sich schon von der gewaltigen Schönheit dieses Landes ahnen. Die Anden mit zahlreichen Schneebergen und Vulkanen um Quito herum wirken bezaubernd.
Angeleita Floyd mit dem Festival-FlötenorchesterGleich nach dem netten Empfang von Seiten der Organisatoren sieht man auf dem Weg zum Hotel ein bisschen von der Stadt, was schon wunderbar versprechend erscheint. Quito als Hauptstadt hat viele Sehenswürdigkeiten und besitzt eines der schönsten historischen Stadtzentren der Welt, dessen Architektur und Kunst sehr inspirieren. Überall im Lande spürt man die Inka Kultur, den Einfluss der spanischen Eroberer gemeinsam mit modernen Elementen. Das ist ein optimales Szenarium für ein Festspiel. Die Gastfreundschaft der Menschen, die den teilnehmenden Künstlern geschenkte Aufmerksamkeit und die perfekte Organisation zeichnen dieses Event aus. Verantwortlich dafür ist die kulturelle, staatlich anerkannte Stiftung Patluk, gegründet mit dem Ziel, Kunst in ihren verschiedenen Varianten und die künstlerische Ausbildung zu fördern sowie die ecuadorianische Kultur zu verbreiten. Seit 12 Jahren wird diese von dem Flötisten Luciano Carrera (Leiter des "Conservatorio Nacional de Musica" und SoloFlötist des "Orquesta Sinfonica Nacional") und gemeinsam mit Angeleita Floyd gegründete Veranstaltung ununterbrochen realisiert. Viele bekannte Flötisten aus der ganzen Welt haben dort die Kunst der Flöte präsentiert, wobei verschiedene Schulen vertreten wurden. Eine außerordentliche Unterstützung gewährten verschiedene Institutionen wie die Handelskammer von Quito, die DeutschEcuadorianische Industrie und Handelskammer, Deutscher Musikrat, Conservatorio Nacional de Musica de Quito, Prohelvetia, Emerson Flutes, die US Botschaft in Quito, Kraft u.a.. Musik von Barock bis Zeitgenössischen waren in der Tagesordnung, und jedes Jahr gibt es die Premiere mindestens eines neuen Werkes, teilweise mit Unterstützung des hiesigen Orchesters.
Robert Dick auf dem Markt in OtavaloNeben den Konzerten fehlten auch nicht die verschiedenen Seminare, Flötenwettbewerbe, Workshops und Masterclasses, die nicht nur von ecuadorianischen Studenten frequentiert wurden, sondern auch von denen andrer nahliegender Länder. In diesem Jahr waren ungefähr 70 Studenten, dabei einschließlich 40 aus Kolumbien und Venezuela, die u.a. mit Robert Dick, I Fiatti ItalianiI Solisti Teatini, Michel Titt, Paulo Gouveia, Angeleita Floyd, Maria José Carrasqueira, Sinfonica Juvenil del Ecuador und Sinfonica del Conservatorio Nacional de Musica zusammengearbeitet haben. Das Festival startete am Montag den 3. Juni um 15:00 Uhr mit der Eröffnungszeremonie im Konservatorium, und um 20:00 Uhr fand das Eröffnungskonzert mit Teilnahme von Luciano Carrera und Luis Fernando Carrera (Ecuador), junge Flötisten aus Ecuador, Aron Garcia (Venezuela), Maria José Carrasqueira (Brasilien) und Orquesta de Flautas del Conservatorio Nacional de Musica statt. Am Dienstagabend um 20:00 Uhr spielten Paulo Gouveia (Brasilien/Deutschland), Michel Titt (Norwegen/England) und Robert Dick (USA/Schweiz). Am Mittwoch hat das Ensemble Ifiati ItalianiSolisti Teatini (Italien) die erste Reihe von Kammermusikkonzerten abgeschlossen. Alle Konzerte fanden im Saal der Handelskammer von Quito statt, und u.a. wurden Werken von. Feldbusch, Maria Duran, Mendelsohn, Quantz, Guarnieri, Nazareth, Strauss, Vivaldi, Bizet, R. Dick, Bach, Mozart, Rossini, Salieri, Donizetti, Beethoven, Respigui, H. Villa Lobos, Lacerda, Mouqué, etc. gespielt. Am Donnerstag um 20:00 Uhr im Konzertsaal des Rathauses spielte das "Orquesta Sinfonica del Conservatorio Nacional de Música" dirigierte von Luciano Carrera und Michel Titt als Solist.
(v.l.) Angeleita Floyd, Luis F. Carrera, Paulo Gouveia, Robert Dick, Maria J. Carrasqueira, Michael Titt und Luciano Carrera Anschließend trat das Flötenorchester des Festivals (Studenten und Dozenten), geleitet von Angeleita Floyd, auf. Am Freitag um 20.00 Uhr in der Kirche von Giron, eine wunderschöne Kirche in modernem architektonischen Stil, fand das Gala Konzert mit dem "Orquesta Sinfonica Juvenil" (geleitet von Patricio Aizaga Ecuador) mit Paulo Gouveia, Ida Perazatti und Luis Fernando Carrera als Solisten und mit einer unvergesslichen Soloperformance von Robert Dick statt. Ein Höhepunkt war auch die Aufführung von "La Plaza de San Francisco (Sankt Franziskus Platz)", für Flöte und Orchester, komponiert und aufgeführt (Premiere) von Luis Fernando Carrera. Diesem virtuos und interpretatorisch anspruchsvollem Werk gelangt es die Zuhörer wunderbar in das Bildnis dieses magisches Ort zu transportieren. Als Abschluss trat das Flötenorchester des Festivals unter Leitung von Angeleita Floyd in dem CIUDAD MITAD DEL MUNDO in der Nähe von Quito für etwa 500 Zuhörer auf. Andere Veranstaltungen waren der II. Bundeswettbewerb für junge Flötisten (Juri: Mauricio Colasanti, Antonelo Pellegrini, Angeleita Floyd, Robert Dick und Julian Pontón), Masterclasses von den eingeladenen Dozenten und das Seminar über Syrinx durch Paulo Gouveia. Wie es auch bei anderen Flötenfestivals in Südamerika üblich ist, herrschte eine Atmosphäre voller Freundschaft, wo das wichtigste nicht die einzelnen Performances an sich selbst ist, sondern der Austausch, das Weitergeben, das Zusammenmusizieren, miteinander durch die Flötenkunst die Kultur und Mentalität dieser Länder zu erleben. In diesem Sinn als Abschied machten die Dozenten und einige Studenten einen ganztägigen Ausflug auf das Land nach Cotacachi und Otavalo, um herrliche Eindrücke in diesem exquisiten Land "in Der Mitte der Welt" zu erleben.
Rosa Chávez
Erschienen in: Flöte aktuell 4/2002, Seite 14

