Flöte aktuell 4.2002 (II)
Flötenkurs in der Toskana (Volterra) mit Elisabeth Weinzierl und Edmund Wächter
Berichte über Workshops, Kurse und Konzerte
Erstürmung und Eroberung der Villa Palagione durch Flötentruppe
So geschah es nun, dass die Villa Mitte August in Beschlag genommen wurde. Im Laufe des Samstages näherten sich allmählich Wesen, die sich Flötisten nennen. Bis spät in die Nacht dauerte es an, bis alle die mühsame Reise beendet und den holprigen Anfahrtsweg hinter sich lassend schließlich am gewünschten Ort eintrafen. Sofort begann die Lagebesprechung durch die Flötenoberhäupter Elisabeth und Edmund in der Kapelle, dem bis zu diesem Zeitpunkt einzigen Tagungsort der Truppe. Daraufhin folgte die Besetzung der einzelnen Zimmer. Bereits in den frühen Morgenstunden drangen die ersten Töne aus den Ritzen der Fenster und Türen der Zimmer. Dies sollte sich im Laufe des Tages steigern und bis spät in die Nacht anhalten. Ein euphorisches Getöne in verschiedenen Gruppierungen hüllte die Villa ein und verwandelte sie in ein tönendes Objekt, dem keiner entkommen konnte.
Nach dieser handstreichartigen Besetzung der alten Gemäuer formierten sich die übrigen Mitbewohner zum Gegenangriff, indem sie versuchten, die Flötisten zurückzudrängen. Diese aber hielten die Stellung und traten nach mehreren Friedensabkommen, in denen akzeptable Kompromisse getroffen wurden, ihre tägliche Arbeit an. Jeden Morgen fand sich die gesamte Truppe zum gemeinsamen Aufwärmen zusammen, in denen lebensnotwendige flötistische Angelegenheiten besprochen, vorgemacht und ausprobiert wurden. Dies umfasste die Bereiche Atem, Ton, Zunge, Haltung, Fingertechnik, Klangfarbe, Intonation...Die zweite Hälfte des Vormittags war meistens einem besonderen Thema gewidmet wie z.B. Neue Musik, Französische Musik des 19.Jh., Improvisation...Außerdem wurde jeden Tag im großen Ensemble gespielt, in dem die ganze Flötenfamilie zum Einsatz kam.
Die Unstimmigkeiten innerhalb der einzelnen Familienmitglieder dauerten eine Weile an, bis sich schließlich reine Stimmung bis auf launische Ausnahmen durchsetzen konnte. Der Nachmittag war der intensiveren Beschäftigung im Einzelunterricht und der Proben mit den Korrepetitoren vorbehalten. Jeder suchte außerdem nach Nischen für Duo, Trio, und Quartettproben.
Die sommerlichen Abendstunden wurden in lustiger, geselliger Runde verbracht, wobei man sich den kulinarischen Genüssen der Toskana in mehrgängiger Menufolge hingab.
Die gemeinsame Woche klang mit einem Konzert aus, das die bunte und vielfältige Arbeit und Spiellust widerspiegelte.
Eines steht fest: die Villa Palagione wird die Flötisten sicherlich vermissen...
Ich möchte mich im Namen aller Kursteilnehmer für die harmonische und informative Zusammenarbeit herzlich bedanken, aus der jeder, ob jung oder alt, Profi oder Amateur, etwas für sich mitnehmen konnte. Hoffentlich finden noch viele Kurse dieser Art statt...
Vielen Dank Elisabeth und Edmund!
Katharina Gelbarth
Erschienen in: Flöte aktuell 4/2002, Seite 13

