Flöte aktuell 4.2001 (II)
Querflötenkauf III
WeltÜbersicht Querflötenhersteller:Amerika
Der Flötenbau in Amerika
In den Vereinigten Staaten gibt es eine große Anzahl von Querflötenherstellern in allen Qualitätsklassen. Zentren des Querflötenbaus sind Boston, Massachusetts und Elkhart, Indiana. Aus dem Raum Boston stammen die handgearbeiteten Solisteninstrumente, während Elkhart das Zentrum der industriellen Querflötenfertigung ist. Beide Zentren haben untereinander relativ wenig Berührung.
Während die amerikanischen Solistenflöten häufig in Sinfonieorchestern und Hochschulen anzutreffen sind und ihren Platz im HochpreisSegment neben den japanischen Herstellern behaupten, haben die Querflöten aus Elkhart in Deutschland kaum Bedeutung. Lediglich über den günstigen Preis gelingt es ihnen, einen kleinen Marktanteil zu erzielen. Umgekehrt wird auch der europäische Markt von den großen amerikanischen Instrumentenherstellern für relativ unwichtig erachtet. Bei UMI ist es ist schon vorgekommen, daß eine einzige Bestellung eines amerikanischern Händlers so groß war wie der gesamte Jahresexport entsprechender Instrumente nach Europa.
Während die zweite Hälfte der 70er und die 80er Jahre unter dem Zeichen der Einführung der Cooperscale und ihren Modifikationen stand, gab es in den 90er Jahren eine mittlerweile nahezu abgeschlossene Entwicklung, die NormalStimmung der Querflöten (auch für den amerikanischen Markt) von 440 auf 442 Hz anzuheben.
Die Frühgeschichte des Baus von Boehmflöten in Amerika
Theobald Boehm selbst hat nichts zur Verbreitung seiner Instrumente in der neuen Welt unternommen. Die ersten Boehmflöten waren Nachbauten von Instrumenten, die Musiker und Reisende von Europa mitbrachten. Es ist zwar bekannt, daß ehemalige Mitarbeiter Boehms nach Amerika emigriert sind, aber welche Rolle sie bei der Verbreitung der Boehmflöten in Amerika gespielt haben, ist nicht dokumentiert. Das Zentrum des Querflötenbaus vor der Jahrhundertwende war New York.
James D. Larrabee, gestorben 1847, war seit 1844 als Flötenbauer in New York tätig. Nach allem, was man weiß, baute er 1844 die erste konische RingklappenBoehmflöte in Amerika.
Alfred G. Badger (18141892) dürfte der wichtigste Förderer und Hersteller von (konischen und zylindrischen) Boehmflöten des 19. Jahrhunderts in Amerika sein. 1845 begann er in New York mit dem Bau von Boehmflöten. Er verwendete für den Flötenbau als erster anstelle von Grenadill "Ebonit", ein gehärteter Kautschuk, aus dem heute noch Klarinetten und SaxophonMundstücke gefertigt werden. Die Kautschukrohre entstanden in Zusammenarbeit mit der Firma Goodyear, von der Badger 1859 eine Patentlizenz erwarb.
1855 machte sich der aus Westfalen stammende Theodor Berteling (18211890) in Boston als Flötenbauer selbständig. 1859 übersiedelte er nach New York. Zu dieser Zeit baute er Boehmflöten in Holz und Silber. 1968 erwarb er ein amerikanisches Patent für Einstellschrauben bei Querflöten.
Ein weiterer namhafter Hersteller von BoehmZylinderflöten war William R. Meinell (18651903), New York.
Ein bekannter Flötenbauer aus der Zeit um die Jahrhundertwende war der aus England stammende Harry Bettoney (18671953). 1893 kam er als Flötist undKlarinettist nach Boston. Eine Zeit lang war er 1. Flötist im Boston Philharmonic Orchestra. Seit 1897 arbeitete er für W. H. Cundy, 1901 erwarb er die Firma des aus Sachsen stammenden Flötenbauers E. H. Wurlitzer, der bis zu seinem Tod 1911 sein Partner blieb. 1907 erwarb er die Firma W. H. Cundy Co.; der Firmenname wurde in CundyBettoney geändert. Zunächst baute Bettoney professionelle Querflöten, die im direkten Wettbewerb mit Haynes Querflöten standen. Später verlegte er sich mehr auf Schülerflöten. 1920 war er der größte Hersteller von Querflöten und Klarinetten in den USA.
George W. Haynes

George Winfield Haynes (18661947) ist der weniger bekannte Bruder von W. S. Haynes (s.u.). Nach einer Ausbildung zum Goldschmied und Werkzeugmacher gründete er 1886 in Boston eine Werkstatt für den Bau von Boehmflöten. Seit 1888 arbeitete sein Bruder William einige Jahre lang bei ihm, bis George 1894 die Firma mit allen Werkzeugen an John C. Haynes (mit den beiden Brüdern nicht verwandt) verkaufte, um als dessen Angestellter weiter im Flötenbau zu arbeiten. Mit einer gewissen Rastlosigkeit gründete und veräußerte er mehrere Male weitere FlötenbauFirmen in Los Angeles, Providence und New York. Von 1921 bis 1930 gab es zum zweiten Mal eine Zusammenarbeit mit seinem Bruder:
George gründete die "Haynes Brothers Inc." als Teil der W. S. Haynes Co. 1930 zog er sich aus dem Flötenbau zurück und machte nur noch Reparaturen. George Haynes erfand 1898 das Verfahren zum Ziehen von Tonlöchern an Metallflöten.
John C. Haynes
John C. Haynes (18301907), war seit seinem 15. Lebensjahr Angestellter, seit 1857 MitInhaber der Oliver Ditson and Co., einer der größten amerikanischen Handelsfirmen für den Bereich Noten (auch als Verleger) und Import und Handel mit Musikinstrumenten. Nach dem Tod von O. Ditson im Jahre 1888 wurde Haynes alleiniger Firmeninhaber. Der Bereich des Handels mit Musikinstrumenten erlangte 1861 unter dem Dach der Ditson Company unter dem Firmennamen "John C. Haynes Co." Selbständigkeit. 1894 erwarb die John C. Haynes Co. den Bostoner Betrieb von George W. Haynes mitsamt aller Werkzeuge, gewann George und seinen Bruder William als Mitarbeiter und begann mit der Herstellung von Boehmflöten. Hier wurde 1896 die erste Haynes Flöte in 18 Karat Gold für den Flötisten Henry Jaeger gebaut, wahrscheinlich die erste Goldflöte auf dem neuen Kontinent. 1898 verließ George W. Haynes den Betrieb, um sich selbständig zu machen, 1900 verließ auch William S. Haynes die Firma. 1904 verlor die John C. Haynes Co. ihre Selbständigkeit und ging wieder in der Mutterfirma Ditson auf.
Handwerklicher Flötenbau in und um Boston: William S. Haynes Company
William Sherman Haynes (18641939) ist unbestritten einer der berühmtesten Flötenbauer der Neuen Welt. Bevor er im Jahre 1900 seine eigene Firma gründete, wurde er als Goldschmied ausgebildet, arbeitete seit 1888 in Boston in der BoehmflötenWerkstatt seines Bruders George W. Haynes, ab 1894 als Leiter der BoehmflötenFertigung des Firma John C. Haynes (s.o.). Bereits zu dieser Zeit war er verantwortlich für ungewöhnliche Querflöten wie HolzPiccolos bis tiefc, TerzFlöten in Es und einer ersten 18Karat GoldFlöte.
William Haynes (links) - 1904 Nach Gründung der William S. Haynes Company im Jahre 1900 war in Amerika ein signifikanter Anstieg der Beliebtheit von Silberflöten zu verzeichnen. Daher begann W. S. Haynes 1913 mit der Produktion eines neues SilberflötenModells. Als Produktionsleiter für die Silberflöten stellte er Verne Q. Powell ein. Im selben Jahr ließ er auf seinen Namen ein wichtiges internationales Patent eintragen: Ein Verfahren zum Ziehen von Tonlöchern. W. S. Haynes hielt dies für einen entscheidenden Fortschritt, da das Ziehen der Tonlöcher schneller und leichter ging, als das Auflöten. Außerdem versprach er sich klangliche Vorteile, da das Tonloch nun integraler Bestandteil des Rohrs war. Allerdings mußte er zunächst dickere Rohre verwenden (0.018 Zoll = 0,457 mm ! gegenüber 0.013 Zoll = 0,33 mm bei aufgelöteten Tonlöchern). Bald aber stellte sich heraus, daß das Verfahren zum Tonlochziehen bereits früher und von anderen angewendet worden war. Schon Ende der 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts waren z.B. Flöten seines Bruders George W. Haynes mit gezogenen Tonlöchern nachweisbar. Somit war das Patent wirtschaftlich wertlos; das Verfahren des Tonlochziehens durfte als Allgemeingut betrachtet werden, so daß niemand hierfür eine Lizenz von W. S. Haynes erwerben brauchte.
1914 baute er seine erste (eigene) Goldflöte, 1935 die erste Platinflöte. Berühmte Mitarbeiter aus der frühen Zeit waren neben Verne Q. Powell der aus Markneukirchen stammende und früher bei Rittershausen beschäftigte Arthur Gemeinhardt, der Vater von Kurt Gemeinhardt.
1936 zog er sich William Haynes aus dem Betrieb zurück. Nach seinem Tod im Jahre 1939 führte seine Witwe Lola den Betrieb weiter.
In den 70er Jahren war die Existenz der Firma Haynes akut gefährdet. Die Zahl der Mitarbeiter war Anfang der 70er von 55 (in den besten Zeiten) auf 9 gesunken. Grund war die geringe Innovationsbereitschaft bei dem Traditionsunternehmen Haynes und die massive Konkurrenz der japanischen Flötenbauer.
Im Jahre 1976 übernahm Lewis J. Deveau, seit 1941 Mitarbeiter bei Haynes, die Firmenleitung. 1981 wurde unter dem Namen "DeveauScale" eine modifizierte CooperScala eingeführt. In einem Interview 1993 bezifferte Deveau die Zahl der Mitarbeiter wieder mit 20. Aufgrund der traditionell handwerklichen Arbeitsweise (noch heute verwendet man zum Schmieden der Mechanik eine Hammerschmiede aus dem Jahr 1890) benötigt man zum Bau einer Flöte 130 Stunden. Nach seinem Tod 1993 übernahm wiederum ein Mitarbeiter, John Fuggetta, den Betrieb. Zu dieser Zeit baute man bei Haynes 300 bis 350 Flöten pro Jahr. Nach dessen Tod Anfang 1999 haben seine Frau Stella und sein Sohn Anthony die Firmenleitung übernommen.
Folgende Flötenmodelle sind lieferbar:
Vollsilber handmade, Ring oder Deckelklappen mit aufgelöteten Tonlöchern. Sie ist mit den üblichen Optionen und in 3 verschiedenen Wandstärken lieferbar: very light (0.014 Zoll), light (0.016) und heavy (0,018). Der Preis liegt bei ca. 20000, DM.
Gold handmade, Ring oder Deckelklappen, aufgelötete Tonlöcher in 10, 14 und 18 Karat, wahlweise mit gravierten Klappen und Ringen.
Vollsilber "regular model", Ring oder Deckelklappen, mit gezogenen Tonlöchern und "plain dapped keys" . Dieses Modell ist nur "heavy" erhältlich. Der Preis liegt bei ca. 15000, DM.
Vollsilber "LJDlightweight" Modell, ähnlich dem "regular model", aber mit einer Wandstärke von 0,016 Zoll. Der Preis entspricht dem "regular model".
Neben den Silber und Goldflöten gibt es eine Grenadillholzflöte mit Silberklappen. Ihr Preis liegt knapp 20 % über dem des handmadeModells.
Neben den Konzertflöten baut Haynes eine VollsilberAltflöte (kurzgriffiges Modell) und Piccoloflöten mit konischer Bohrung in Silber und Holz.
Berühmte HaynesBläser waren, bzw. sind J. P. Rampal, Michel Debost und Jeanne Baxtresser.
Weitere Informationen im Internet:
www.wmshaynes.com
Verne Q. Powell
Wurde 1879 geboren, war ursprünglich Goldschmied, Graveur und Flötist. Als Flötenbauer war er Autodidakt. Ein Konzert von George Barrére 1910 in Chicago hinterließ solch einen tiefen Eindruck, daß er sich entschloss, selbst eine Querflöte zu bauen. Aus Silberteilen aus dem Juweliergeschäft seines Bruders, aus einigen Teelöffeln, silbernen Uhrengehäusen und einigen Silbermünzen baute er seine erste Silberflöte. Verne schickte eine Photographie dieser Flöte an die W. S. Haynes Company in Boston. Haynes ließ sich diese Flöte zeigen und war so beeindruckt, daß er Verne als Verantwortlichen für den Bau von Silberflöten einstellte. Neben dieser Tätigkeit war Verne Q. Powell als Flötist bei dem Boston Philharmonic Orchestra aktiv.
1926 gründete er als 47jähriger seine eigene Firma. Die erste Piccoloflöte wurde 1928 gebaut, die erste Altflöte 1930. 1939 baute er für die Weltausstellung eine Platinflöte, Ser. Nr. 365, die am Ende der Ausstellung von William Kincaid erworben wurde. Bei einer Versteigerung im Jahr 1986 brach diese Flöte sämtliche Rekorde für Preise von Flöten.
Der Übergang in den Ruhestand fiel Powell nicht leicht:
Als er bereits 80 Jahre alt war, machten ihm 4 seiner Mitarbeiter ein Kaufangebot. Es dauerte weitere zwei Jahre, bis er 1961 bereit war, seine Firma an Edmund Machon, Edward Almeida, Dick Jerome und Elmar Waterhouse zu übergeben. Verne Q. Powell starb 1968. Unter den neuen Besitzern wurden in den folgenden zwei Jahrzehnten einige der heute bekanntesten Flötenbauer ausgebildet. Edward Almeida machte sich 1972 selbständig, es folgten Bickford und Robert Brannen, Jonathan Landell und Dana Sheridan. Jack Goosman und Manuel Arista wurden ebenfalls bei Powell zu Flötenbauern ausgebildet. Zwischen 1972 und 1974 führte die Firma Powell mit großem Erfolg die CooperSkala ein. 1984 wurde die Firma an die beiden Mitarbeiter Rob Viola und Jim Phelan übertragen. Seit 1986 wurde die Firma von Steven Wasser geleitet; Jim Phelan, bis 1988 noch Teilhaber, zog sich dann endgültig aus der Firma Powell zurück.
Powell baut pro Jahr etwa 230 Flöten (Stand: 1990).
Das berühmteste Modell von Powell ist die handgemachte Vollsilberflöte mit gelöteten Tonlöchern. Sie kostet in der Grundversion 22.600, DM. Sie ist auch in Aurumite, 10 und 14 Kt. Gold zu bekommen. Aurumite ist ein 1987 für Powell patentiertes SandwichMetall aus einer Schicht Silber und einer Schicht Gold, die unter Druck in einem Ofen miteinander untrennbar verbunden werden.
Mit etwa demselben Preis muß man für eine Powell Holzflöte rechnen.
Daneben wurde bis 1988 das sogenannte ConservatoryModell gebaut, eine preisgünstigere Vollsilberflöte mit gezogenen Tonlöchern und YArmen. Nachdem immer wieder nach einer preisgünstigeren PowellFlöte gefragt wurde, entschloss man sich 1993, die Serien 2100 als Nachfolger der ConservatorySerie aufzulegen. Die 2100er Flöte ist allerdings eine Spitzdeckelflöte. Das neue, etwas nüchternere Design der 2100 Flöte ist gewöhnungsbedürftig. Sie kostet in der BasisVersion 14.200, DM.
Die Serie 3100 entspricht der 2100, verfügt aber statt des Silberrohrs über ein Rohr aus Aurumite (DM 19.300,).
Die preisgünstigste SignatureSerie ist ganz neu:
Es handelt sich um eine SilberrohrFlöte, ebenfalls mit Spitzdeckelmechanik, im Gegensatz zu der 2100 und 3100Serie im traditionellen Klappendesign. Ihr Preis liegt bei 6500, DM.
Das GrenadillPiccolo liegt bei 9500, DM, in dem rötlichen "kingwood" ist es für 9900, DM zu haben. Alle aktuellen Powell Piccolos verfügen über synthetische TonlochEinsätze.
Die Preisangaben geben den Stand 2/01 wieder.
www.powellflutes.com
www.floetenhaber.de
Brannen Brothers
Die Brannen Brothers Flutemakers, Inc. wurde im Jahr 1978 von den Brüdern Bickford und Robert Brannen gegründet, die beide bei Powell ihre Ausbildung zum Flötenbauer erhielten. 1978 gelang es ihnen, die Flötenbaulegende Albert Cooper als Vizepräsident und Leiter der Forschungsabteilung zu gewinnen. Seitdem ist Cooper für das Design der Kopfstücke und das Tonlochnetz verantwortlich. Allerdings nicht so weit, daß er für Brannen selbst Kopfstücke gebaut hätte. Weitere Innovationen sind der Erwerb der Lizenz an den Entwicklungen des dänischen Flötenbauers Johann Brögger im Jahre 1986:
Die Verwendung konischer Tonlöcher ("BröggerAkustik") und der sogenannten "BröggerMechanik". Hiermit ist eine pinlessMechanik mit Brückenmechaniken gemeint, ähnlich wie sie im Saxophonbau Verwendung fand. Weiter wurde die Klappenkoppelung über große, auf der Rückseite des Instruments angeordnete MitnehmerScheiben gelöst. Schließlich folgte 1994 der Bau der VierteltonFlöte nach dem System der niederländischen Flötenbauerin Eva Kingma. Zunächst wurde sie in Verbindung mit dem OstonBrannen Modell angeboten, später auch auf den "regulären" Silberflöten mit gelöteten Tonlöchern. Nach neusten Informationen werden derzeit die VierteltonFlöten von Frau Kingma gebaut und von Brannen vertrieben.
Folgende BrannenCooper Flöten sind lieferbar:
Vollsilber handmade, Ring oder Deckelklappen, mit aufgelöteten Tonlöchern und BröggerMechanik.
BröggerAkustik gegen Aufpreis. Man hat die Wahl zwischen 3 Wandstärken (0.014, 0.016 und 0.018 Zoll) und 4 verschiedenen Stimmungen: a= 440, 442, 444 und 446 Hz; Dieses Modell ist auch in 10 und 14 Kt Rotgold, 14 Kt Weißgold und Platin erhältlich.
Daneben gab es lange Zeit eine preisgünstigere Serie, die in einem anderen Werk hergestellt wurde: Das OstonBrannen Modell.
Die OstonBrannen Flöten waren ebenfalls handmade: Sie wurden mit gezogenen Tonlöchern gebaut, für die Mechanik wurden Gußteile verwendet. Sie war nur in 0.016 Wandstärke, a= 442 oder 444 Hz erhältlich. Um 1995 wurde diese Serie eingestellt.
An ihre Stelle trat das "Millennium" Modell mit denselben Daten, wie für die OstonBrannen Flöte beschrieben. Allerdings kann man die Millennium Flöte nicht als direkten Nachfolger der Oston Flöte bezeichnen. Sie wird von der Brannen Crew in der selben Werkstatt gebaut wie die übrigen Modelle. Der Preis der Millennium Flöten liegt bei zwei Drittel des Preises der Brannen Flöte mit gelöteten Tonlöchern.
Weiter hatte Brannen Holzpiccolos in Grenadill oder Kokosholz im Programm, normal oder dünnwandig, mit Silber oder Goldmechanik, in 442 oder 444 Hz Stimmung. Auf Wunsch mit KorkPolstern, EMechanik oder ungewöhnlich bei Piccoloflöten stattdessen "lower G insert".
Für die Piccoloflöten war zuletzt Jim Keefe verantwortlich, ein langjähriger Mitarbeiter (seit 1978), später Manager bei Brannen. Er hat sich vor zwei Jahren selbständig gemacht; bei Brannen selbst werden seitdem keine Piccoloflöten mehr gebaut.
BurkartPhelan Inc.
Lilian Burkart war eine der ersten Frauen die als Flöten und Piccolobauerin eine eigene Firma gründete. Nach einem Querflötenstudium bei John Krell machte sie bei der Firma Powell eine Lehre als Flötenbauerin. Dort wurde sie PiccoloSpezialistin; zunächst war sie für PiccoloReparaturen zuständig, später baute sie die Powell Piccolos. 1982 gründete sie zusammen mit ihrem Mann James Phelan eine eigene Firma. Den größten Teil der 80er Jahre war Lilian Burkart die einzige Lieferantin von Piccolos für die Firma Powell. Eine Zeitlang arbeitete sie dann nochmals als Kopfstückmacherin für Konzertflöten für Powell. James Phelan, Flötenbaumeister und zu dieser Zeit Inhaber der Firma Powell, war es übrigens für viele Jahre vertraglich verboten, als Flötenbauer für die Firma Burkart Phelan tätig zu werden. Er nutzte diese Zeit für eine Ausbildung als Ingenieur. 1989 erweiterte Lilian Burkart ihr Angebot um handgemachte Silber, Gold, und Platinkopfstücke für Konzertflöten.
Heute sind folgende Instrumente lieferbar:
Handgearbeitete Silber und Goldflöten sind in drei verschiedenen Stimmungen a = 440, 442 und 444 Hz zu haben. Silberflöten sind in 3 Wandstärken erhältlich: 0.014, 0.016 und 0.018 Zoll. Für die Lötungen aller Kamine und der Mundplatte wird 18 Kt Goldlot verwendet. Die Innenseiten der Klappendeckel sind plan, die "Schraubenmuttern" sind integraler Bestandteil der Deckel. In der Grundausstattung liegt die Burkart Silberflöte bei 8600, US$.
Auch die Burkart Piccolos gibt es in drei Grundstimmungen. Achsen und Schrauben sind aus rostfreiem Stahl. Man kann zwischen drei verschiedenen Mundlöchern wählen: dem "modified wave", bei dem die Anblaskante höher liegt als die Lippenauflagefläche, dem "Burkhart style" und dem "Clarion style". Letzterer zeichnet sich durch ein kleineres Mundloch aus, dessen Form sich an älteren deutschen und französischen Piccolos orientiert.
Berühmtester Spieler eines Burkhart Piccolos ist James Galway, der sein Burkhart Piccolo 1997 erhielt.
In der Grundausstattung, allerdings mit EMechanik, kostet es 4390, US$.
Ganz neu ist ein preisgünstigeres Piccolo aus einem CRC genannten synthetischen Material mit Silbermechanik, das Modell Burkhart & Phelan, mit einem Preis von 2.625. US$.
Abell Flute Co.
Chris Abell hat etwa 15 Jahre lang bei Brannen gearbeitet, bevor er sich vor etwa 10 Jahren selbständig machte. Seine Spezialität sind GrenadillBoehmflöten mit Silbermechanik.
Die Abell Flöte ist aus klanglichen Gründen besonders dünnwandig gebaut. Optisch auffällig sind die langen SilberHülsen an beiden Steckverbindungen. Neben dem interessanten Erscheinungsbild gewährleisten sie auch bei dünnwandiger Bauweise größtmögliche Stabilität der Steckverbindung.
Aufgrund enger Zusammenarbeit mit den Brüdern Brannen garantiert die AbellFlöte den neuesten Stand der Technik, sowohl was das Klappenwerk als die Stimmung betrifft. Ein namhafter Fürsprecher der AbellFlöte ist in Europa Patrick Gallois, der seit 1993 eine Abell Flöte spielt.
In der Grundausstattung liegt die Abell Flöte preislich bei 8600, US$.
Almeida
Edward Almeida war ein langjähriger, hoch geschätzter Mitarbeiter (insbesondere Werkzeugmacher) und später Mitinhaber der Firma Powell. Er war portugiesischer Abstammung. 1972 machte er sich als Flötenbauer selbständig und baute etwa 50 Querflöten pro Jahr. Er starb im Jahre 1992.
Emanuel Flutes
heißt die 1991 gegründete Firma des aus Lima, Peru stammenden Flötenbauers Manuel Arista, der früher bei Powell arbeitete. Er baut handgemachte Silberflöten (gelötete Kamine) und 14 Kt. Goldflöten, die akustisch auf der BennetSkala basieren. Auch einzelne Kopfstücke aus Silber und Gold sind zu haben.
Arista Flutes
Nennt sich die Firma seines Bruders Miguel Arista. Angefangen hat die Familie Arista mit Querflötenetuis, die für die Firma Powell hergestellt wurden. Später stieg Miguel zusammen mit seinem Vater und seinem jüngeren Bruder (nicht: Manuel) in den Flötenbau ein. Das Angebot ist ähnlich wie das seines Bruders Manuel Arista.
Goosman
Der Kanadier Jack Peter Goosman war ausgebildeter Flötist, als er bei Powell die Kunst des Flötenbaus erlernte. Dort wurde er bald zum Spezialisten im Bau von Flötenköpfen. Zuletzt, im Jahr 1970 stellte er sämtliche Köpfe bei Powell her. 1971 machte er sich in Kanada selbständig, lieferte aber noch eine Zeit lang Flötenköpfe an Powell. Goosman Flöten sind in der Stimmung der Cooper scale verwandt. Goosman verfolgt dasselbe Ziel wie sein Vorbild Verne Q. Powell, nämlich die Klangqualität der berühmten Louis Lot Flöte Nr. 1784 zu erreichen, die von William Kinkaid gespielt wurde.
1989 kam er mit einem ungewöhnlichen "butterfly"Kopfstück auf den Markt: Die Mundplatte hat unmittelbar hinter der Anblaskante einen Ausschnitt, damit der nicht ins Mundloch strömende Teil des Luftstroms freier abfließen kann.
Heute ist er als Flötenbauer nicht mehr aktiv. Mara Goosman, seine Frau und langjährige Mitarbeiterin arbeitet unter dem Firmennamen Butterfly Headjoint Co. weiter; von ihr können die ButterflyKopfstücke nach wie vor erworben werden.
www. butterflyheadjoint.netfirms.com
Landell
Jonathon A. Landell studierte von 1964 bis 1968 Flöte. Gleichzeitig lernte er von 1966 bis 1970 das Handwerk des Flötenbauers bei Powell. 1971 machte er sich als Flötenbauer selbständig und zog nach Vermont. In der "Vermont Guild of Flute Making" unterrichtet er in Kursen die Grundlagen der Flötenreparatur und desFlötenbaus. Vor kurzer Zeit erregte er Aufsehen mit dem Bau einer TitanQuerflöte.
Lopatin Flute Co.
Leonard Lopatin schloß 1976 in New York sein Querflötenstudium ab und wurde Mitglied des dortigen Metropolitan Opera Orchestra. 1979 kam er nach Boston und erlernte den Flötenbau bei der Firma Brannen Brothers. Gleichzeitig arbeitete er in Boston freiberuflich als Flötist weiter. Einige Jahre später machte er sich mit der Lopatin Flute Company selbständig. Die von ihm entwickelte Flöte mit recheckigen Tonlöchern (!) und Klappen wird von ihm als "the most striking acoustical improvement" seit Th. Boehms 1847 Modell bezeichnet. Daneben baut er selbstverständlich und überwiegend Querflöten in traditioneller Bauweise.
John Lunn
Der kanadische Flötenbauer John Lunn arbeitete als Flötenbauer zunächst drei Jahre für J. P. Goosman in Toronto, danach 10 Jahre bei Powell in Boston, bevor er sich 1989 selbständig machte.
Das von ihm entwickelten jugendstilartige Flötendesign fällt optisch sofort aus dem Rahmen. Deckel und Arme erinnern an Kirschen am Stiel; die feingliedrigen Klappenarme aus geschmiedetem Silberdraht und die vielen gerundeten Hebel verzichten weitgehend auf parallele Linienführung und rechte Winkel. Die Abschrägung der Klappen des Fußstücks um 30 Grad ergeben eine spürbare Entlastung des kleinen Fingers der rechten Hand. Dieses Schmuckstück der Goldschmiedekunst nennt John Lunn das "Vanguard"Modell; es tauchte hierzulande erstmals auf der Frankfurter Messe 1990 auf. Daneben ist auch das "traditional model" erhältlich; beide Modelle gibt es in Sterling Silber oder 14 karätigem Gold in der Wandstärke von 0,014 oder 0,018 Zoll und in den Grundstimmungen a= 440, 442 und 444 Hz.
Das"Vanguard"Modell kostet ab 9000, US$ (Stand 2001)
Keefe Piccolo Company
Siehe Brannen Brothers
www.keefepiccolo.com
Nagahara Flutes
Kanichi Nagahara erhielt seine Ausbildung als Flötenbauer bei Sankyo, wo er 9 Jahre lang arbeitete. Er war dort Experte für Kopfstücke. 1988 bis 1991 arbeitete er bei Powell (?), und BurkhartPhelan, bevor er sich mit seiner Firma NNI,Inc. 1991 selbständig machte. In der gesamten Zeit summieren sich die durch seine Hände gegangenen Kopfstücke auf über 15.000. Nagahara Flutes bietet handgemachte Silberflöten mit den üblichen Optionen in 0.014 und 0.016 und 0.017 Zoll Wandstärke, bei 950er Silber 0.014 und 0.016 Zoll, bei Goldflöten (10 Kt, 14 Kt und 18 Kt) in 0.012 Zoll Wandstärke. Auch in Platin kann man Nagahara Flöten bestellen. Es gibt eine Reihe von verschiedenen Kopfstücken in Silber und Gold. In jüngerer Zeit sind auch Nagahara Piccoloflöten erhältlich.
Sheridan
Dana Sheridan begann seine Ausbildung zum Flötenbauer 1971 bei Haynes. Von 1976 bis 81 arbeitete er für Powell, danach kurze Zeit für BrannenCooper, bis er sich 1982 als Flötenbauer selbständig machte. Damit ist er einer der ganz wenigen Flötenbauer, die für alle drei großen amerikanischen Firmen tätig waren. 1993übersiedelte er nach Deutschland, betreibt aber neben seiner deutschen Werkstatt eine weitere Werkstatt in Boston. Er baut in kleiner Stückzahl Goldflöten und verschiedene Kopfstücke in Silber und Gold.
David Williams
ist ein in Deutschland kaum bekannter Flötenbauer, der bei Powell und OstonBrannen gearbeitet hat.
Von ihm sind in USA eine große Anzahl von Kopfstückmodellen in Silber,14K Gold, 18K Gold und Platin erhältlich. Der preisgünstigste Kopf (Sterling Silber) kostet 1000, US$. Von dem Gedanken ausgehend, daß jeder Flötist sein persönliches Kopfstück finden muß (oder bereits gefunden hat), bietet er seine Querflöten grundsätzlich ohne Kopfstück an. Eine handmade Silberflöte mit gelöteten Tonlöchern kostet bei ihm ohne Kopfstück ab 9.200, US$
Chris McKenna
Auch dieser Name ist hierzulande kaum bekannt. Er ist ein ehemaliger Mitarbeiter von Powell, baut Kopfstücke und Silberflöten. Darüber hinaus arbeitet er als freier Mitarbeiter für BurkartPhelan.
Von ihm sind zwei KonzertflötenModelle erhältlich:
Das Modell "Lyra" hat (hart)gelötete Tonlöcher, aber die traditionelle Mechanik mit YArmen. Sie werden in USA in der Grundversion ab 5000, US$ angeboten.
Das Modell "Altair" ist das SpitzdeckelModell und kostet ab 7500, US$.
Handwerklicher Flötenbau außerhalb der "Bostoner Schule"
Jack Moore
ist ein sehr experimentierfreudiger und unter Kollegen hochgeachteter Flötenbauer mit Sitz (Jack Moore Flutes, Inc.) in Michigan. Unter Flötisten ist er, zumindest in Europa, weniger bekannt. Den Flötenbau erlernte er in Elkhart bei der Firma Armstrong. Handgearbeitete Querflöten von Jack Moore sind in USA vereinzelt im Fachhandel.
Tom Green
Heißt ein Flötenbauer in Michigan. Er begann seine Ausbildung bei Artley und arbeitete von 1961 an 18 Jahre lang bei Armstrong in der Fertigung der Heritage Serie. Seit 1983 ist er als Flötenbauer selbständig und baut Flöten in Silber und Gold. Seine Vollsilberflöte ist in der Grundversion für 4200US$ zu haben.
Seaman
Roy Seaman aus Tucson, Arizona hat sich einen Namen als Spezialist für Piccoloflöten gemacht. Er baute gute Solisteninstrumente mit Silbermechanik. Er bot Anfang der 90er Jahre ein für Piccoloflöten recht ungewöhnliches feature an: die abstellbare EMechanik.
In Zusammenarbeit mit Miles Zentner, dem Piccoloflötisten der Los Angeles Philharmonic Orchestra entwickelte er ein preisgünstigeres Modell mit versilberter Mechanik. Seit etwa 1995 waren auch die Zentner Piccolos mit Silberklappen ausgestattet.
Für ein Seamen Piccolo mußte man ungewöhnlich tief in die Tasche greifen. In der Preisliste eines süddeutschen Händlers aus dem Jahre 1986 war sie mit 9.600, DM mit großem Abstand das teuerste Modell.
Roy Seaman verkaufte seine Firma im Jahre 1997 an die Firma Gemeinhardt, die nun die Modelle "Roy Seaman" mit versilberter Mechanik und "Roy Seaman Ltd." mit Silbermechanik mit seinen Werkzeugen in Elkhart anfertigen. Die Zukunft des "Zentner"Modells ist ungewiss.
Opperman
George Opperman studierte vor dem 2. Weltkrieg Querflöte. Von 1946 54 arbeitete er als Flötenlehrer in New York. 1954 übersiedelte er nach Elkhart und arbeitete in der Flötenherstellung von Selmer und Gemeinhardt, von 19551958 bei Armstrong. Nach Meinungsverschiedenheiten über ein neues Armstrong AltflötenModell verließ er 1958 die Firma. Im selben Jahr machte er sich selbständig und baute seine erste AltQuerflöte. 1963 kam die erste Bassquerflöte dazu. Hubert Laws spielte eine dieser Bassflöten.
Während die tiefen Flöten in Deutschland unbekannt sind, waren Opperman Piccolos gelegentlich im Handel.
G. Oppermann stellte die Herstellung von Flöten etwa vor 15 Jahren ein.
Sandy Drelinger
Ist Kopfstückexperte und Inhaber der Drelinger Headjoint Company mit Sitz in New York. Er besitzt eine Fülle von Schutzmarken und Patenten auf bestimmte features an Flötenköpfen. Auffällig ist seine "freeflo" Mundplatte, die praktisch hinter der Anblaskante abgeschnitten ist, und ein "UpRite" genanntes silbernes Kopfstück, das das senkrechte Spielen der Boehmflöte ermöglicht.
Flötenbau in Elkhart, Indiana
C. G. Conn
Charles Gerard Conn (18441931) begann 1875 mit dem Bau von Musikinstrumenten. Sein erstes Instrument (1875) war ein Kornett. Bereits 1884 füllte die Fertigung seiner Blechblasinstrumente ein 4stöckiges Fabrikgebäude. 1888 ließ er 15 europäische Instrumentenbauer nach Elkhart kommen, mit deren Hilfe er sein Fertigungsprogramm unter anderem auch auf Holzblasinstrumente erweiterte. 1888 entstand so das erste Saxophon made in USA. Etwa zu dieser Zeit dürften auch die ersten Conn Querflöten entstanden sein. In der Mitte des letzten Jahrhunderts baute die Firma Conn selbst keine Querflöten mehr; man ersetzte sie durch Instrumente von PartnerUnternehmen (Artley).
1985 wurde die Firma Conn von UMI übernommen.
Artley
Donald D. Artley (18921955) gründete um 1948 zusammen mit seinem Bruder James Hubert Artley die "Artley Manufacturing Comp." , welche anfangs Querflöten für eine New Yorker Firma produzierte. 1953 änderte man den Namen in "D. & J. Artley Inc." 1960 wurde mit der Firma Conn ein Abkommen über den Alleinvertrieb der Artley Instrumente geschlossen. Etwa zu dieser Zeit begann man bei Artley, neben Querflöten auch Klarinetten und Doppelblattinstrumente zu produzierten. Die Querflötenfamilie umfaßte neben Konzertflöten und Piccolos auch Alt und Bassquerflöten ("Ogilvie" Model, ohne Trillerklappen). 1969 wurde die Firma Artley an Conn verkauft. 1985 wiederum wurde Conn von der Firma UMI (United Musical Instruments) erworben. Unter dem Namen "Artley" werden heute keine Querflöten mehr hergestellt.
Selmer USA
Die Firma geht auf ein kleines Geschäft in New York zurück, das Alexandre Selmer (18641953) Anfang des Jahrhunderts neben seiner Orchestertätigkeit als Klarinettist betrieb, um die Instrumente seines Bruders Henry Selmer (Paris) in USA zu vertreiben. Als er 1918 nach Paris zurückkehrte, übergab er das Geschäft und das Vertriebsrecht für die französischen Selmer Instrumente an seinen Angestellten George M. Bundy, der das Geschäft bis zu deinem Tod 1951 leitete.
Unter Bundy entwickelte sich aus dem New Yorker Geschäft ein Konzern und eines der führenden Importunternehmen. 1920 übernahm Selmer die Firma von George W. Haynes, der für Selmer Querflöten produzieren sollte. Stattdessen kam es zu gerichtlichen Streitigkeiten. 1927 zog die Firma nach Elkhart, Indiana um. Dort begann man mit der Produktion von eigenen Instrumenten unter den Marken "Selmer USA" und "Bundy". Im selben Jahr wurde Philip Marcil, der bei William S. Haynes den Flötenbau erlernt hatte, eingestellt, um nun endlich die Produktion eigener Selmer Querflöten in die Wege zu leiten. Unter ihm arbeiteten K. G. Gemeinhardt und Donald D. Artley. Anfang der 30er Jahre wurden die Modelle entwickelt, die unter den Namen "Bundy", zuletzt "Bundy II", bis in die 90er Jahre im Handel waren. Später kamen Piccoloflöten dazu.
1995 wurde Selmer USA von Steinway & Sons übernommen. Aus der ehemaligen "Bundy"Flöte wurde in jüngster Zeit die "Selmer"Flöte. Verwechslungen kann es nicht mehr geben, da Selmer (Paris) seit ca. 20 Jahren keine Querflöten mehr herstellt.
Armstrong
Die Firma wurde 1931 von William Teasdale Armstrong gegründet. Armstrong war vorher für die Firmen Buescher (1910) und Conn (1920) tätig gewesen. Nach seinem Tod 1933 trat sein Sohn Edmond A. Armstrong die Nachfolge an. Zunächst wurde die Firma Armstrong als "repair shop" betrieben; bald darauf begann er mit der Herstellung von Querflöten. Unter dem Namen "Armstrong" wurde bald eine große Auswahl an Querflötenmodellen hergestellt; von den preisgünstigen Schülerflöten bis zu dem in den 70er Jahren entwickelten "Heritage" Modell, einer handgearbeiteten Silberflöte, wahlweise auch in Gold und Platin erhältlich. Für diese prestigeträchtige Modellreihe waren die Flötenbauer Emerson DeFord und Jack Moore verantwortlich, deren Karriere als Flötenbauer bei Armstrong begann. Auch die Brüder Brannen haben eine Zeitlang bei Armstrong gearbeitet.
Neben Konzertflöten hatte Armstrong eine Auswahl an Piccoloflöten in Kunststoff, Grenadill, Neusilber und Silber im Programm. Darüber hinaus baute Armstrong sogenannte "harmony flutes": eine kleine Flöte in es, mehrere Altquerflötenmodelle und Bassquerflöten (ohne Trillerklappen).
Armstrong wurde 1985 von UMI (United Musical Industries) gekauft, UMI wiederum wurde im September 2000 von Steinway & sons übernommen.
King
Die Firma wurde 1895 als "repair shop" gegründet durch Henderson N. White (18741940) in Cleveland, Ohio. Bald entstanden in Zusammenarbeit mit dem Posaunisten Thomas King die ersten Posaunen. Seit 1907 produzierte H. N. White alle "band instruments". Es ist nicht bekannt, ob hierzu bereits die ersten Querflöten gehörten. Nach seinem Tod 1940 bis 1965 leitete seine Witwe Edna den Betrieb. 1965 wurde die Firma an eine Investorengruppe verkauft. Seit 1966 hieß die Firma "King Musical Instruments". Nach mehrfachem Besitzerwechsel wurde die Firma 1985 von UMI übernommen.
King hat zumindest seit den Siebziger Jahren die unter dem Namen "King" gehandelten Flöten nicht mehr selbst gebaut, sondern von anderen Herstellern bauen lassen. Ein großer Teil der King Flöten stammt von DeFord.
E. L. DeFord
heißt eine Flötenfabrikation, die von Emerson L. DeFord gegründet wurde. Der Firmengründer, der bei Armstrong den Flötenbau erlernte, hat die Firma Anfang der 80er Jahre veräußert. Sie existiert immer noch und stellt ein umfangreiches Programm an Querflöten her, wie Altflöten, Hoches und HochgFlöten; sie ist aber in Deutschland kaum bekannt.
Emerson
war der Name, unter dem Emerson DeFord daraufhin eine neue Querflötenfertigung begründete. Auch aus dieser Firma hat er sich mittlerweile zurückgezogen: 1997 wurde die Firma "Emerson Musical Instruments" von ihm an Steinway & Sons veräußert. Zu dem Emerson Programm gehören Konzertflöten, Piccolos in Holz und Metall sowie Altquerflöten. Es gibt zwei BassflötenModelle: das Modell B1 ist versilbert mit SilberMundplatte, wahlweise auch mit HFuß erhältlich, das "Robert Dick Model" hat einen Silberkopf, ebenfalls wahlweise mit HFuß. Auch noch seltenere Baugrößen findet man bei Emerson. In der Broschüre eines großen amerikanischen Händlers findet sich eine Sopranflöte in Es, eine kleine GQuerflöte und zwei Modelle in B, allerdings mit dem Hinweis, daß diese Modelle exklusiv für diesen Händler hergestellt werden.
Vor kurzer Zeit wechselte ein langjähriger Mitarbeiter von Powell, Dr. Gerardo Discepulo, von Boston nach Elkhart in die Firmenleitung von Emerson. Wahrscheinlich geht die neue Piccoloflöte, die seit Sommer 2000 im Programm ist, auf seine Initiative zurück: Das Modell heißt "Boston Legacy" und verspricht die Qualität der Bostoner Instrumente zu einem günstigeren Preis. Das Piccolo ist in Grenadill für 1850 US$ und in "ironwood" für 1980, US$ erhältlich.
Hardy
heißt ein in Familienbesitz befindlicher Betrieb, der Piccoloflöten herstellt. Gebaut werden zylindrische Metallpiccolos und konische Piccolos aus Kunststoff und Grenadill.
Gemeinhardt
Die Firma K. G. Gemeinhardt wurde von dem aus Markneukirchen stammenden Flötenbauer Kurt Gemeinhardt (19081974) gegründet. Sein Vater Arthur hatte in Deutschland bei Rittershausen gearbeitet, später in Amerika bei W. M. Haynes, bis er sich 1921 in New York als Flötenbauer selbständig machte. 1928 veranlaßte er seinen Sohn, der in St.Gallen für einen Schweizer Händler Querflöten baute, ihm in die USA zu folgen, um für G. Bundy s Selmer Company zu arbeiten. 17 Jahre lang war Kurt Gemeinhardt für Selmer USA tätig, bis er sich 1945 selbständig machte. Er begann im Keller seines Hauses mit Reparaturen und entwickelte Instrumente für die Reynolds Company. Ab 1948 baute er eigene Silberflöten für Berufsmusiker, während er weiter Schülerinstrumente unter den Namen Olds und Reynolds verkaufte. 1958 gab er dem Drängen des Handels nach, ein Anfängerinstrument unter eigenem Namen herauszubringen. 1970 verkaufte er aus Altersgründen den Betrieb an Daniel Henkin, der das Unternehmen binnen weniger Jahre zu einem der weltweit größten Querflötenhersteller machte. 1977 wurde Gemeinhardt von CBS gekauft. CBS erwarben ebenfalls Steinway & sons, den Harfenbauer Lyons & Healy und die Firma Leo Fender (elektr. Gitarren). Das Engagement von CBS war glücklos, man zog sich wieder von den Instrumentenherstellern zurück. Gemeinhardt gehört seit 1986 zu den Steinway Musical Properties", 1992 erwarb nach 7jähriger Zugehörigkeit zu Steinway eine Investorengruppe die Firma Gemeinhardt.
Gemeinhardt fertigt die gesamte Bandbreite von Schülerquerflöten bis zu handgemachten Silberquerflöten mit gezogenen Tonlöchern (Modell "Kurt Gemeinhardt Limited"). Aufgelötete Tonlöcher gibt es nur noch bei Metallpiccolos, obwohl Gemeinhardt inzwischen auch in der Lage ist, solch kleine Löcher zu ziehen. Piccolos gibt es in Metall, Kunststoff und Grenadill, wobei die Kunststoffbodies bereits fertig mit allen Tonlochbohrungen und Fräsungen von einem befreundeten Spezialunternehmen geliefert werden.
Die beiden Altquerflöten gibt es mit geradem und gebogenen Kopfstück. Seit 1993 ist eine Bassquerflöte im Programm, die in Zusammenarbeit mit Gebrüder Mönnig, Markneukirchen, entwickelt wurde.
UMI
(United Musical Instruments) heißt ein Konzern, der 1985 die in geschäftlicher Schieflage befindlichen Firmen Conn, Artley, King und Armstrong erwarb. Ziel war ein Neubeginn durch Bündelung der Kräfte. Heute konzentriert sich Armstrong auf die Querflöten, Artley auf Klarinetten und DoppelrohrblattInstrumente, King auf Blechblasinstrumente und Conn auf Blech und Saxophone. Bis vor kurzem gehörte UMI einem schwedischen Konzern, seit 2000 gehört UMI, gemeinsam mit Selmer USA, zu Steinway & sons.
Interessante amerikanische InternetSeiten sind:
Dayton C. Miller Collection in die Suchmaschine eingeben: man kann sich 100 von 1650 historischen Flöten anschauen. Larry Kranz.com bietet z. B. eine sehr umfangreiche Übersicht über fast alle Flötenbauer weltweit, aber auch einer riesigen Liste weltweit gestohlener Querflöten, einschließlich der 4 Goldflöten, die James Galway gestohlen wurden.
Querflötenbau in Südamerika
Ja, Sie haben richtig gelesen. So etwas gibt es.
Weril
In Sao Paulo, Brasilien, gibt es eine relativ große Fabrik für Blech und Holzblasinstrumente, die 1909 von dem österreichischen Einwanderer Peter ("Pedro") Weingrill und seinen Söhnen gegründet wurde. Seit 1942 firmiert die nach wie vor in Familienbesitz befindliche Firma unter dem Namen "Weril", was für Brasilianer wesentlich leichter auszusprechen ist als der Familienname. Hier werden innerhalb eines umfangreichen Sortiments an Blech und Holzblasinstrumenten unter anderem BoehmFlöten (in einfacher Qualität) gebaut, die auch hierzulande von einer deutschen Vertriebsfirma angeboten werden.
Klaus Dapper
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Erschienen in: Flöte aktuell 4/2001, Seite 39

