Flöte aktuell 3.2001 (II)
Querflötenkauf II
Welt-Übersicht Querflötenhersteller: Taiwan und Australien
Der Querflötenbau in Taiwan. Am unteren Ende der Preisskala befinden sich die Querflöten, die seit etwa 30 Jahren aus der chinesischen Republik Taiwan zu uns kommen. Die ersten Taiwan-Flöten, die zu uns kamen, waren Flöten der Marken "Angel" und "Crown". Man tut den Herstellern sicher kein Unrecht, wenn man sagt, dass diese Instrumente von äußerst bescheidener Qualität waren, innerhalb der auch noch Qualitätsstreuungen von "Na ja" bis "absolut unspielbar" vorkamen. Seitdem haben die taiwanesischen Instrumentenhersteller eine Menge dazugelernt. Schon vor vielen Jahren hat eine Umorientierung stattgefunden; der Trend geht weg von Billigst-Preis-Produktion, man orientiert sich immer mehr an internationalem Qualitätsniveau. Seit den achtziger Jahren gab es zunehmend Zusammenarbeit mit japanischen Flötenbauern: Shuichi Tanaka verließ die Firma Takumi, um für K.H.S. die Qualität der Jupiter Flöten zu verbessern, und nebenbei mit seiner eigenen Marke Altus die ersten hochwertigen Flöten "made in Taiwan" zu bauen. Die japanische Firma Pearl Musical Instruments gründete 1983 ein Zweigwerk in Taiwan, in dem seitdem die Schülerflöten-Modellreihen hergestellt werden. Aber auch die Zusammenarbeit mit europäischen und amerikanischen Firmen verstärkte sich. Es gibt europäische (Trevor James) und amerikanische Firmen (Alpine), die nach eigener Spezifikation in Taiwan Rohre und Klappen fertigen lassen und sie im Heimatland zusammenbauen. Andere Firmen, die in Taiwan fertige Flöten bestellen, entsenden Mitarbeiter, um bereits vor Ort auf die Qualität Einfluss zu nehmen. Dieser Transfer von Know-how und Technologie hat sich insgesamt auf den taiwanesischen Instrumentenbau positiv ausgewirkt. Die Zeiten, in denen "made in Taiwan" gleichbedeutend war mit "billig und schlecht", sind lange vorbei. Aber leider gibt es in Taiwan immer noch Hersteller, die billig und schlecht herstellen und so dafür sorgen, dass der Geruch des Minderwertigen weiterhin hartnäckig an dem Etikett "made in Taiwan" haftet.
Bei Musikinstrumenten aus Taiwan gibt es eine Besonderheit, die sie von den meisten Instrumenten anderer Herkunftsländer unterscheidet: Taiwan ist der Hauptlieferant von "OEM"-Instrumenten ("ohne eigene Marke"). Es war spätestens seit Anfang des 20. Jahrhunderts gebräuchlich, dass Instrumentenhersteller für andere Hersteller Instrumente zulieferten, die jene dann unter ihrem Namen verkauft haben. Auf diese Weise konnten sie auf einfache Art ihr Lieferprogramm erweitern. Allerdings war in früheren Jahren die Herkunft bei einiger Fachkenntnis nachvollziehbar, während sie heute - besonders für Instrumente aus Taiwan - absolut unübersichtlich geworden ist. Bei taiwanesischen Instrumenten ist beispielsweise auch folgende Variante möglich: Ein deutscher Händler trifft auf der Frankfurter Musikinstrumenten-Messe einen taiwanesischen Makler. Er bestellt z.B. 100 Querflöten in Deckelklappenausführung, versilbert mit E-Mechanik unter einem von ihm gewählten Markennamen zu einem Preis von ca. 200 US $ pro Stück. Der taiwanesische Partner beauftragt 3 verschiedene Kleinbetriebe mit der Herstellung der Rohre, 3 andere mit der Herstellung der Klappen und 3 weitere, in denen "Assembler" die verschiedenen Teile zusammenbauen. Vergleicht man nun 5 "baugleiche" Flöten, kann es sein, dass man 5 völlig unterschiedliche Qualitäten vorfindet.
Mit zwei Ausnahmen (K.H.S./"Jupiter" und Guo Brothers) tragen die taiwanesischen Querflöten nicht den Namen ihres Herstellers. Es gibt z.B. große Instrumentenfabriken wie Fu Pin Musical Instr. Co., Ltd. in Taichung, die außerhalb Taiwans kaum jemand kennt, die aber Blasinstrumente mit etwa 20 verschiedenen Markenamen herstellen; sie firmieren entweder unter dem Namen taiwanesischer Handelsfirmen (z.B. "Dixon"), oder unter dem Namen eines (z.B. deutschen) Importeurs bzw. eines von ihm gewählten neutralen Markennamen, der die Herkunft der Instrumente im Dunkeln läßt.
Einige Importeure weisen erfreulicherweise klar auf die Herkunft ihrer Instrumente hin. Andere Händler sind nicht zu Informationen über die Herkunft ihrer Instrumente bereit. In diesem Fall ist das Herstellerland kaum ausfindig zu machen: Für die Zollabfertigung genügt ein Folienaufkleber des Herstellerlandes - etwa: "made in Taiwan" -, der später entfernt werden kann. Daher ist es für den Kunden außerordentlich schwierig herauszubekommen, ob es sich um Instrumente eines zuverlässigen Herstellers oder um eines der ominösen Billigprodukte handelt.
Somit ergibt sich ein verhängnisvoller Kreislauf: Die Kunden bleiben wegen der ungeklärten Herkunft gegenüber Flöten aus Taiwan generell misstrauisch, und die Importeure halten wegen dieses Misstrauens die Herkunft ihrer Flöten so gut es geht im Dunkeln.
Jupiter
Die Firma K.H.S. ist eine der wohlhabendsten Firmen in Taiwan. Die Herstellung von Musikinstrumenten ist wirtschaftlich gesehen heute eher ein Randbereich. Man begann um 1930 mit der Herstellung von einfachen Musikinstrumenten für den Schulgebrauch. Mittlerweile werden von K.H.S. neben allen Blechblasinstrumenten auch Saxophone, Klarinetten und Böhmflöten gebaut. In den 90er Jahren erwarb K.H.S. die deutschen Firmen Hohner und Sonor, ebenfalls erworben wurde eine große Musikinstrumentenfabrik in der Volksrepublik China, die für K.H.S die preisgünstigste Saxophonreihe herstellt. Alle Querflöten sind aber noch "made in Taiwan".
K.H.S. ist der einzige taiwanesische Hersteller mit eigenem Vertrieb, der seine Instrumente selbst weltweit unter dem eigenen Markennamen ("Jupiter") verkauft.
Der Name der Jupiter-Querflöte ist heute eng mit dem Namen des japanischen Flötenbaumeisters Shuichi Tanaka ("Altus") verbunden. Herr Tanaka war durch seine über zehnjährige (ca. 1978-1990) Tätigkeit bei K.H.S. maßgeblich für die qualitativen Verbesserungen der Jupiter-Flöten verantwortlich.
Das reguläre Programm der Jupiter-Querflöten beginnt mit der JP-511 II ES, dem versilberten Grundmodell mit off-set-g und E-Mechanik, für 1430,-DM. Bereits diesem Grundmodell wird eine Vollsilber-Mundplatte spendiert, die andere Hersteller nur gegen Aufpreis anbieten. Die vernickelte Version wurde vor etwa 5 Jahren aus dem Programm genommen.
Um Kindern einen früheren Start in die Welt des Flötenspiels zu ermöglichen, gibt es die versilberte Flöte mit einem zusätzlichen gebogenen Kopfstück: JP-515 II ES (1655,-DM).
Unter der Bezeichnung JP-611 II ES präsentiert Jupiter eine Silberkopfflöte für 2060,-DM.
Die Silberrohrflöte mit der Bezeichnung JP-711 II ES kostet 3195,-DM.
Alle Modelle gibt es gegen Aufpreis auch in Ringklappenausführung.
Für den ganz frühen Anfang des Flötenspiels gibt es ein leichteres (ca. 300 gr.) und kürzeres Modell: Die Kinderquerflöte JP-313 S II. Sie hat einen gebogenen, durch einen Mini-Stimmkork verkürzten Kopf, der tiefste Ton ist d1 (kein Fußstück), auf Trillerklappen und E-Mechanik wurde verzichtet. Durch aufgesetzte Finger-Buttons (Serie II) verringern sich die Abstände der Finger-Positionen. Der Preis liegt bei 1195,-DM.
Eine wichtige Bemerkung sei zu dem Zusatz "II" für die 1994 aufgelegte "Serie II" gewidmet. In früheren Jahren gab es hinsichtlich der Langlebigkeit der Jupiter Querflöten Grund zur Klage. Die kurze Steckverbindung für das Fußstück war den Belastungen durch grobe Schülerhände oft nicht gewachsen. Die Erfahrung des Autors war, dass sie oft geweitet werden mußte, weil das Fußstück nicht mehr hielt. Die Erklärung war folgende: Nach dem Tonlochziehen wurde das Rohr einer Hitzebehandlung unterzogen, die die beim Tonlochziehen entstandene Spannung neutralisieren sollte. Was für einen weichen Klang und leichte Ansprache wünschenswert war, wirkte sich auf die Stabilität der Steckverbindung verhängnisvoll aus. Das Problem wurde erkannt, und seit der Serie II werden Vorkehrungen getroffen, dass die Hitzebehandlung sich auf die Steckverbindung nicht mehr auswirkt. Die beschriebenen Verschleißprobleme sollten nun der Vergangenheit angehören.
Daneben hat Jupiter 1991 eine zweite, hochwertigere Reihe von Querflöten ins Programm genommen, um die Lücke zu schließen, die durch den Weggang von S. Tanaka im Bereich der höherwertigeren Instrumente entstanden war. Die Serie heißt Jupiter "di Medici" (früher mit dem Zusatz: "designed by Altus") und wurde von Jupiter nach dem Vorbild der Altus Flöten entwickelt. Äußerlich unterscheiden sich die "di Medici" Querflöten von den anderen Jupiter Modellen durch ihre "frenchpointed" (Spitzdeckel-) Klappen. Anfangs wurde damit geworben, die Kopfstücke würden von "Altus-Flötenbauern" handgefertigt.
Die Serie wurde kurze Zeit später zunächst zurückgezogen, seit 1996 ist sie in überarbeiteter Form wieder auf dem Markt. Der Name Altus taucht in der Werbung nun nicht mehr auf.
Die Silberkopfflöte trägt die Bezeichnung JP-911 ES; ihr Preis liegt bei 2810,-DM.
Die Flöte mit Vollsilberkorpus trägt die Bezeichnung JP-1011 ES. Ihr Preis liegt bei 4410,-DM.
Ringklappenausführung und H-Fuß gegen Aufpreis.
Interessant ist auch das Programm an Jupiter Altquerflöten. Jupiter Altflöten gibt es seit den 80er Jahren. Während die frühen Modelle ein gebogenes Kopfstück hatten und das Klappendesign mit dem Gis-Hebel am gewohnten Platz stark an Altus erinnerte, wurde für die "di Medici" Serie ein völlig neues Modell aufgelegt: das sogenannte kurzgriffige Modell, mit dem Gis-Hebel 3 Klappen weiter nach links angeordnet, war laut Werbung "designed by Iwao", als in Zusammenarbeit mit dem japanischen Flötenbauer Iwao entstanden.
Die JP-1117 ES ist die versilberte Version mit E-Mechanik und silberner Mundplatte. Sie liegt bei 4465,-DM; sie ist auch mit gebogenem Kopf (1119) und beiden Köpfen (1121) lieferbar.
Die Silberkopf-Altflöte JP-1217 ES liegt bei 5395,- (Optionen s.o.); das neueste Mitglied der Altflötenfamilie ist seit diesem Jahr die Silberrohr-Altflöte JP-1317 ES für 5590,-DM. Der unverständlich geringe Preisunterschied von nur 195,-DM sieht nach einem Kalkulations- oder Druckfehler aus. Er wurde aber auf Anfrage bestätigt. Optionen wie oben.
Alle Preisangaben beziehen sich auf die Preisliste 3/2001
A. D. Geoffrey
ist der Markenname, unter dem von den Brüdern Guo ("Guo Brothers") Silber- und Goldflöten gebaut werden. Ihre Firma ist für taiwanesische Verhältnisse absolut ungewöhnlich, denn hier werden hochwertige handgearbeitete Instrumente hergestellt, die den internationalen Vergleich nicht scheuen müssen. Seine Ausbildung zum Flötenbauer erhielt Geoffrey Guo bei dem taiwanesischen Partner-Betrieb von Trevor James. 1988 wurde die Firma Guo Flutes Mfg. Co. von Geoffrey Guo, seinem Bruder Arthur-David Guo und Geoffreys Frau Michele gegründet. Der Kontakt zum deutschen Markt ergab sich für Guo Anfang der 90er Jahre aus der Freundschaft zu dem deutschen Flötenbauer Martin Wenner.
Die älteren Modelle GF-900 (Vollsilberflöte, Plateau-Deckel, gezogene Tonlöcher) und GF-1000 (Vollsilberflöte, Spitzdeckel, gezogene Tonlöcher) sind heute nicht mehr lieferbar.
Die meistverkaufte Flöte ist die GF-2000 Vollsilberflöte mit gelöteten Tonlöchern. Sie kostet in der Grund-Version 13250,-DM. Eine interessante Variante ist die GF-2000 / traditional model: sie ist zweiteilig (Haupt- und Fußstück in einem Stück), dünnwandig, hat eine "tiefergelegte" Mechanik (geringere Säulchenhöhe / kürzere Klappenwege) und kostet 18500,-DM. Die Modelle GF-3000 (14 Kt Gold-Rohr, Silbermechanik, gelötete Tonlöcher) und GF-5000 (Vollgold-Flöte 14 Kt, gelötete Tonlöcher) sind auf besondere Bestellung lieferbar.
Außer den üblichen Optionen bieten die Guo Brothers eine Reihe von ungewöhnlichen Features: Die spektakulärste ist die 1990 vorgestellte "New open G#"-Version, die auf ein zweites G#-Tonloch verzichtet und die Vorteile des offen-Gis-Modells mit der traditionellen Griffweise kombiniert; das "convertible"- Fußstück; den "new Gizmo" mit einer langen Rolle am H-Fuß; einer "underslung"-E-Mechanik, die unter der Achse versteckt arbeitet; einem neuen Klappenkoppelungs-System, bei dem die Mitnehmer auf der Rückseite des Instruments angeordnet und besonders großflächig sind, sodass sie präziser eingestellt werden können.
Die Preisangaben beruhen auf Angaben von M. Wenner 7/2001.
In Taiwan hergestellten Querflöten der unteren Preisklassen begegnet man zum Beispiel unter folgenden Markennamen: Artist II, Dixon, Hohner, Kin Star, Kuei Tien (K.T.), Lazer, Maxtone, Meinl, Peace, Strasser, Tenon, Zeus.
Die Marke Altus wird nicht mehr in Taiwan gebaut. Siehe: Japan (Flöte aktuell 2/2001, S. 35).
Instrumente, die in Europa montiert werden (Trevor James), werden zusammen mit den europäischen Herstellern vorgestellt.
Der Querflötenbau in Australien
Flutemakers of Australia
heißt eine Firma, die 1978 von den Flötenbauern Raymond Holliday und John Lehner in Sydney gegründet wurde. Holliday war Ingenieur, John Lehner hatte in Frankreich, Großbritannien und in den USA (bei der Powell Company) Flöten bauen gelernt.
Ihre Spezialität waren Querflötenköpfe aus verschiedenen Materialien (Silber, Palladium, Gold), verschiedenen Wandstärken, verschiedenem Konusverlauf, verschiedener Mundlochgeometrie und Mundplattendesign. Ende der 80er und Anfang der 90er Jahre waren sie in Deutschland gelegentlich im Handel anzutreffen, da sie für ihre Qualität relativ preisgünstig waren. Man erkennt sie an der Gravur "FA".
Es gab auch eine "John Lehner Flute", die allerdings nicht von ihm hergestellt wurde. Es handelte sich um Natsuki Flöten, die Lehner ungraviert erhielt, die eine bestimmte Weiterbearbeitung erfuhren und dann mit Lehners Gravur versehen wurden.
Um 1994 übernahm Ian Mackenzie Lehners Platz, einige Jahre später wurde die Firma eingestellt.
Klaus Dapper
Erschienen in: Flöte aktuell 3/2001, Seite 23

