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Flöte aktuell 3.2001 (I)

Wake Up!

Tilmann Dehnhard

Beim letzten Flötenfestival war die Resonanz auf meine Improvisation für Piccolo mit Weckerbegleitung überwältigend gut (danke noch mal für den tollen Applaus...) und viele Leute haben mich hinterher gefragt, ob es das Stück denn auch als Noten gäbe. Darüber habe ich mich natürlich sehr gefreut und deshalb den hier abgedruckten Notentext geschrieben. Es handelt sich um eine Komposition aus den Grundideen meiner Improvisation.

Das Wichtigste und Schwierigste an diesem Stück ist der Wecker: Er soll immer auf Zählzeit 2 und 4 jeweils vier Sechzehntel lang piepen (siehe ersten Takt). Es soll der Eindruck eines Wechselspiels zwischen Wecker und Piccolo entstehen. Das funktioniert nur bei peinlich genauer rhythmischer Exaktheit. Wer rausfliegt, hat verloren und das Stück ist hin.

Der Wecker, den ich benutzt habe (Tempic 01), kostet ca. 10.­ DM und piept ein viel zu tiefes hohes C. Durch starkes Ausziehen des Piccolokopfes (bei meiner sind es fast 6 mm) kann man sich diesem Ton annähern. Die Intonation innerhalb der Flöte verschlechtert sich dadurch natürlich immens, aber ganz ehrlich: Es geht in diesem Stück in der Hauptsache nicht um Intonation, sondern um Rhythmus.

Der Wecker muss neben dem Ton noch andere bestimmte Eigenschaften haben: Er muss pro Sekunde 4 Piepser von sich geben und dann die gleiche Länge still sein.

Er muss sofort mit der Originallautstärke anfangen (manche teureren Modelle piepen erst mal ganz leise und legen später zu oder wechseln gar in einen Dauerpiepterror...).

Er muss lange genug piepen, also über 2 1/2 Minuten (manche Wecker geben nach einer Minute einfach auf).

Noten zum Stück (inkl. Wecker) können beim Komponisten erworben werden.

www.dehnhard.com


Zur Struktur des Stücks

Es gibt vier Formteile:

A: Ruhiger Anfang, um die Eins zu etablieren, sich einzugrooven.
B: Blues­Zwischenteil. Ich habe hier nur eine exemplarische Phrase notiert. Dieser Teil kann aber auch viel länger sein. Wer möchte, kann mit der Bluesscala (Tonmaterial C­Eb­F­Gb­G­Bb) improvisieren und die notierte Phrase benutzen, um in den nächsten Teil zu wechseln.
C: Rhythmischer Vamp, der immer mehr ausgebaut wird.
D: Das Ende. Ich umspiele hier den Zielton C ein paar Mal und schalte den Wecker während der letzten langen Sechzehntelkette möglichst unauffällig aus.

Wenn ich dieses Stück live spiele, kann es sein, dass einer der Teile wesentlich länger oder kürzer wird als hier notiert. Im Grunde ist es so: Ich beginne mit dem dritten Teil erst dann, wenn der Raum dafür geschaffen ist. Es kann also ein Weilchen dauern, bis ich in Teil C gehe. Manchmal wechsele ich auch zwischen A und B ein paar Mal hin und her.

Die einzelnen Abschnitte der Formteile (voneinander getrennt durch Doppelstriche) dürfen wiederholt und auch inhaltlich passend verändert werden.

Hier noch ein paar Tipps: Wenn man durchlaufende Sechzehntelketten spielt, neigt man zum Eilen, hängt also den Wecker leicht ab, der dann sowieso nicht mehr gut zu hören ist. Dagegen hilft zweierlei: Entweder den Wecker so zu sich drehen, dass er einen direkt anpiept (meist ist hinten irgendwo eine kleine Öffnung für den Piepchip), oder auf die Zeiger des Weckers achten. Der Zeiger bewegt sich bei den meisten Weckern nämlich immer auf 1 und 3.

Wie weiter oben schon gesagt, macht dieses Stück nur Sinn, wenn es wirklich zu einem durchlaufenden Sechzehntelfluss zwischen Piccolo und Wecker kommt. Also: Keep on grooving...

Viel Spaß wünsche ich!

Tilmann Dehnhard

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Erschienen in: Flöte aktuell 3/2001, Seite 19



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aktualisiert am Mittwoch, 19. Mär. 2008 um 12:11:09 CET

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