Flöte aktuell 2.2001
Mal heiter, mal schräg, Seite 5
Neue gekonnte Flötentöne beim 7. Flöten Festival Frankfurt vom 23. bis 25. März 2001
Im Matineekonzert am Sonntag vormittag mit Günter Rumpel und Stefi Andres (Klavier) präsentierte sich das aus vielen CD's bekannte stets exzellent spielende brillante Schweizer Duo ausschließlich von seiner "modernen (Schweizerischen) Seite" - auch hier hätte allerdings das eine oder andere RepertoireStück in den Ohren der Zuhörer sicher noch Platz gehabt...
Programmatisch besonders interessant war das Konzert um den Komponisten Charles Koechlin, wobei auch dessen Lehrer und Schüler zu "Wort" kamen. Gaby Pas van Riet, die zum ersten Mal bei einem Festival der DGfF auftrat, und Cordula Hacke moderierten und musizierten äußerst gekonnt und mit großer Natürlichkeit, vielen Klangfarben, starken Kontrasten und langem Atem eine Musik, die nicht nur Profis interessieren dürfte.
Große stilistische Vielfalt strebte das Flötenquartett V.I.F. an. Psalmen des 16. Jh. z. T. in interessanter Ausweitung in die heutige Klangsprache hinein, Generalbaßstil, Spätromantik bis in die Grenzbereiche zwischen Jazz und Rockmusik. Auf allen nur möglichen Querflöten wurden zarte Blockflötentöne und harte Slaps und Percussions hervorgebracht. Ein Flötenspiel, das mit großer Virtuosität, außergewöhnlichem Ensemblegeist und Spielfreude präsentiert und zelebriert wurde. Ernst und Unterhaltung lagen - wie immer bei Auftritten der V.I.F. - nahe beieinander. Stefan Boots, Andreas Dehmen, Christiane Oxenfort und Hildegard Schattenberg sind wahre musikalische Chamäleons. Toll!
Das Abschlusskonzert des Flöten Festivals am Sonntag nachmittag begann mit einem Beitrag, der das Attribut "außergewöhnlich" verdient. Philippe Emmanuel Haas, Panflöte, und Ada van der Vlist am Cembalo spielten Werke der Renaissance und des VorBarock für diese Besetzung. Dabei trug Philippe Emmanuel Haas die Werke in "alter" Manier vor, mit einem Klang, der in allen Registern bis in die letzte Reihe des Saales trug und den sich viele so voll und groß nie vorgestellt hätten. Man konnte immer wieder nur staunen über die virtuosen Verzierungen, die Philippe Emmanuel Haas auf der Panflöte möglich machte. Die Reihe der Komponisten reichte von Praetorius über Gervaise / d'Estrée bis hin zu Chédeville und Delalande, die Kompositionen bestanden zumeist aus einer losen Folge von verschiedenen Tänzen. Bei der Suite Galante für Panflöte solo fühlte man sich an irische Volksweisen erinnert.
Den Abschluss dieses Konzertes bildete die Sonate Nr.1 DDur von Henry Purcell, bei der auch die Orgel im zweiten Satz ein großes Solo hatte - wie überhaupt die Organistin Ada van der Vlist es verstand, die Orgel des Saales in allen verfügbaren Registern zur Geltung zu bringen. Das Konzert endete mit einem virtuosen Allegro im FugatoStil, das bereits einen Vorgeschmack auf Purcells spätere, meisterliche Handhabung des Kontrapunktes gab. Beifall und Zuspruch des Publikums waren überschwenglich. Der einzige Wermutstropfen war, daß man so gerne mehr erfahren hätte über das Panflötenspiel, wie man denn diese Technik überhaupt lernen kann, ob man sich nicht leicht am Instrument verletzt, - von der Ferne sieht es so gefährlich aus. Vielleicht kann Philippe Emmanuel Haas uns diese und andere Fragen beim nächsten Mal beantworten.
Es folgte ein weiterer Höhepunkt des Festivals, der Konzertbeitrag mit Konrad Hünteler, einem der bedeutendsten Traversflötisten unserer Zeit, und dem Cembalisten Gerald Hambitzer. Sie begannen ihr Konzert mit der Sonate emoll BWV 1034 von Johann Sebastian Bach, die, ob für Traverso oder moderne Flöte, eine der großen Herausforderungen des Bach'schen Repertoires ist. Konrad Hünteler erwies sich als wahrer Meister seines Fachs: mit großen Bögen, die Struktur der Komposition offenlegend, intonationsrein, nicht manieriert und dazu auch noch temperamentvoll musiziert. Es blieben wirklich keine Wünsche offen bei dieser Auffassung des Traverso Spiels. Es folgten eine Sonate cmoll von Friedrich dem Großen und die Hamburger Sonate von Carl Philipp Emanuel Bach, die die beiden Musiker mit viel Verve, Musikalität und Intelligenz interpretierten.

