Flöte aktuell 2.2001
Mal heiter, mal schräg, Seite 4
Neue gekonnte Flötentöne beim 7. Flöten Festival Frankfurt vom 23. bis 25. März 2001
Die neuen Spielweisen auf der Flöte wurden von drei, inzwischen auch schon einschlägig bekannten und bewährten, Flötisten vorgeführt: Matthias Ziegler, Tilmann Dehnhard und Stefan Keller. Ausgerüstet mit mehreren besonders tiefen Flöten bis hin zum Subbaß, Mikrophonen, Fußschaltern und dezent im Hintergrund plazierter LiveElektronik gestaltete Stefan Keller abwechslungsreiche Eigenkompositionen - eine Samba, "Illuminations" und eine "Wassermusik". Durch die Möglichkeit, einzelne Formteile abzuspeichern und später nach Bedarf und Geschmack dem laufenden Spiel wieder zuzuschalten, ergeben sich variierende Klangwolken mit verblüffenden orchestralen Effekten, die, wenn auch zunächst nicht zeitgleich, doch alle nur von einem Spieler vor den Ohren des Publikums erzeugt wurden.
Percussionsounds, Obertonreihen, Trillerketten, Whistle und Atemklänge sind auch die Welt von Mathias Ziegler, der allerdings die Elektronik etwas dezenter und mit stärkerem melodiösen Charakter einsetzte. So erreichte den Zuhörer ein wohlklingender, direkter Flötenklang bei einer Chaconne von Diego Ortiz (16. Jh.), einem PercussionStück, der "WindMusik" oder Klängen aus dem Iran, gespielt auf einer Kingma/Brannen Flöte mit Vierteltonklappen und Membranklappe im Kopfstück.
Ein "Interflutactic Soloconcert" dann am späten Samstagabend hielt, was der vieldeutige Titel versprach. Tilmann Dehnhard war vielen bereits durch seine Beiträge zu aktuellen Themen wie Improvisation oder Flöte und Stimme in "Flöte aktuell" bekannt. Aber daß ein Flötist, ohne Elektronik einzusetzen, nur im Dialog mit seiner Stimme und einer anderen Flöte (Mathias Ziegler, Baßflöte) oder gar einem Reisewecker (!) ein solch spannendes vielseitiges Improvisieren bieten konnte, gab doch zu besonderer Begeisterung Anlaß. Absolut klar in der Wahl seiner Klangmittel hinsichtlich Form und Tempo überzeugte Dehnhards "Stegreifspiel" die Zuhörer. Für die Teilnehmer an Dehnhards vorausgegangenem Workshop, in dem sie eines der Stücke des Abendprogramms geprobt hatten, wurde das hohe Niveau seiner Kunst besonders deutlich. Aufbruch!
Der inzwischen bei Festivals der DGfF und nicht nur dort wohlbekannte und vom Publikum stets begeistert begrüßte Flötenkabarettist Jos Rinck trat im "Late Night Cap" am Samstagabend auf. Schon seit Jahren hörten wir ihn spielen, singen, stampfen, klopfen ... jedes Mal mit etwas Neuem in steter Weiterentwicklung. Aber Jos Rinck war "ganz nebenbei" Schüler von Nicolet und pflegt dementsprechend auch einen niveauvollen klassischen Stil. Mit wunderbarer Lässigkeit und seinem bekannten Charme und kabarettistischen Talent brachte er in seiner neuesten Nummer die Probleme des Orchesterspiels und des (Festival)Publikums erst durcheinander .... - und dann auf den Punkt. Neben einigen hochwertigen sinfonischen Klangbeispielen (Haydn "Die Uhr") bot er auch dieses Mal wieder vor allem Soloflötenspiel in höchst individueller und gekonnter Ausprägung.

