Flöte aktuell 2.2001
Mal heiter, mal schräg, Seite 3
Neue gekonnte Flötentöne beim 7. Flöten Festival Frankfurt vom 23. bis 25. März 2001
Dieses Jahr endlich, nach mehreren aus Termingründen verschobenen früheren Anläufen, als Solist bei einem FFF im Programm: Günter Rumpel aus Zürich. In seinem Workshop am Sonntag morgen stellte er die legendäre "FlötenPhilosophie" von André Jaunet vor, dem berühmten "Königsmacher" unter den Flötenpädagogen - immerhin
gehören außer Rumpel selbst neben vielen anderen auch Graf und Nicolet zu Jaunets Schülern. Vor einigen Jahren hatte Rumpel eine vielbeachtete Schrift "Stilistische Betrachtungen" mit zahlreichen Originalzitaten Jaunets veröffentlicht und damit das wertvolle pädagogische und Erfahrungswissen. Schade, daß solche Auftritte bei einem Festival wegen des kurzen Zeitfensters nur "Appetizer" sein können.
Das Eröffnungskonzert des Festivals, präsentiert durch die "Altmeister der FlötenModerne" Robert Aitken und PierreYves Artaud sowie James Avery am Klavier, bot eine Bestandsaufnahme der modernen Ausdrucksmittel von Flöte und Piccolo mit höchster technischer und musikalischer Potenz und Sensibilität, wie sie exemplarischer nicht hätte ausfallen können. Wer von den Zuhörern allerdings Aitkens BelcantoRepertoireStücke im Ohr hatte, fragte sich hin und wieder auch, wo die Grenze der Musik zu musikalisch gestalteten Geräuschen beginnt.
Anne Horstmann, Querflöten, und Dörte Nienstedt, Blockflöten, bezauberten anschließend mit einem Programm aktuellster Kompositionen (1996 2001!) durch eine frappierende Vielfalt von Klangfarben und Instrumenten von der chinesischen DiziFlöte bis zur Großbaßblockflöte, angereichert durch Sprachklänge, Silben, Xylophon und venezianisches Maskenspiel. Ein multimedialer Flötenspielgenuß vom Feinsten!
Das Trio Sheherazade mit Miriam Sharoni (Sopran), Moshe Aron Epstein (Flöte) und Burkhard Kehring (Klavier) brachte uns in gediegenem Klang und tiefgründiger musikalischer Gestaltung eine israelische Suite für Flöte und Klavier sowie reizvolle Vertonungen durchweg qualitätsvoller literarischer Texte; davon besonders eindringlich und mutig die "Bilder aus Gottes privater Sammlung" von Aharon Harlap zur Erinnerung an das Konzentrationslager BergenBelsen.
Ein Matineekonzert zuvor am Samstag vormittag hatte die Teilnehmer mit dem Komponisten John Van Buren und seiner Musik bekannt gemacht. Er selbst erläuterte sein vielseitiges und abwechslungsreiches Programm (vom Solo über Duo, Flöte und Klavier bis Flöte, Violine und Violoncello plus Konzertsatz). Einiges war den Flötisten Margret Schaal und Mathias Dittmann gewidmet, die zusammen mit Lori Piitz Klavier, Mariette Leners Violine und Christoph Bieber Violoncello die ansprechende Musik Van Burens für das interessierte Publikum musizierten.
Ein anderer Höhepunkt folgte mit einem japanischen Programm der Flötistin Irmela Boßler mit dem Pianisten Bernhard Kastner, dem Pieros Duo aus Leipzig. Zwei Soli (Fl., Altfl.) sowie zwei Werke mit Klavier, alle zwischen 1988 und 2000 geschrieben, zeichneten sich durch große Klarheit in Form, Klang und Artikulation aus. Eine weitere Begegnung mit Bernhard Kastner am Klavier wurde am Samstagabend möglich, zusammen mit dem jungen "Muster und Meisterflötisten" Henrik Wiese, der zuerst eine Telemann Fantasie sinnvoll strukturierte und in Hindemiths Sonate feine Abstufungen in Tempo und Dynamik mit hoch dramatischem Ausdruck und spielerischem Vergnügen verband. Als besonderen Leckerbissen hörten wir seine Bearbeitung von Schumanns "Märchenbildern" (original für Viola und Klavier). Das klang wie für die Flöte komponiert mit erstaunlicher Klarheit der "SpiccatoTriolen" in Nr. 3 und herrlicher Wärme auf der "CSaite" in Nr. 4.

