Flöte aktuell 2.2001
Mal heiter, mal schräg, Seite 2
Neue gekonnte Flötentöne beim 7. Flöten Festival Frankfurt vom 23. bis 25. März 2001
Für ihr Festival hatten die FestivalVeranstalter auch dieses Mal wieder eine Mischung der bewährten "Formate" zusammengestellt, nämlich (Gesprächs) Konzerte, thematische Workshops und Meisterklassen und Late Night Events, zu denen u.a. auch Jos Rinck mit seinem neuen flötistischen Kabarettprogramm beitrug. Als innovativ und instruktiv wurde vom Publikum besonders bemerkt, daß die meisten der Konzertsolisten es verstanden hatten, ihr Publikum mit kurzen Erläuterungen zum Programm direkt anzusprechen und im "Gesprächskonzertstil" zu den einzelnen (oftmals unbekannten) Werken hinzuführen.
Wie immer bei den Festivals der Deutschen Gesellschaft für Flöte spielten die thematischen Workshops zu Methodik, Didaktik und neuen Spieltechniken der Flöte eine wichtige Rolle. Besonders sympathisch an den Workshops war die Praxisorientierung. Da gab es Literatur und Notenvorstellungen für den Unterricht in Hochschule und Musikschule (HansJörg Wegner), Konzepte für die Arbeit mit Flötenschülern ab dem Grundschulalter (Barbara Metzger), Anleitungen zur Improvisation und zu neuen Spieltechniken auf der Flöte (Tilmann Dehnhard, Anne Horstmann und Dörte Nienstedt), aber auch eine Meisterklasse von Gaby PasvanRiet zu Mozart und Übungen zur Tonbildung und Klangfarben. Ein Workshop (mit den Mitgliedern von V.I.F.) bedachte die Möglichkeiten in den Berufseinstieg nach dem Flötenstudium. Wichtig war auch, daß Holger Kern in seinem Workshop zum "funktionalen Querflötenspiel" ein innovatives Angebot zur differenzierten Körpererfahrung beim Flötenspiel und im Unterricht machte. Überall wurde in den Workshops Vorhandenes freigesetzt, Neues angeboten, Gegensätzliches diskutiert und demonstriert; vor allem aber von einzelnen oder in der Gruppe ausprobiert. Viel Bestätigung und Herausforderung für den Alltag mit der Flöte und ihrer Musik: Aufbruch!
HansJörg Wegner stellte in seinem Workshop das Konzept und Lebenswerk von Prof. MüllerDombois in exemplarischen Ausschnitten vor. Mit Hilfe mehrstimmig arrangierter Repertoirestücke und Orchesterstellen (alle Notenveröffentlichungen dazu sind im SyrinxVerlag erschienen) kann der Lehrer im Mitspielen zugleich Vorbild sein, ohne "vorzuspielen". Er muss sich nicht "den Mund fusslig reden", alles Wichtige ergibt sich aus dem gemeinsamen Spielen. So kann die Methode als didaktisches Instrument im Unterricht dienen, aber auch zum Selbststudium neuer - oder auch bereits bekannter - Noten, indem in einer Art "praktischer Kompositionsanalyse" alles mögliche ausprobiert werden kann, um das Wesentliche einer Komposition zu erkennen und zu realisieren. Wegner gab schließlich im praktischen Teil seines Workshops anhand ausgewählter RepertoireStellen (Stamitz GDur Konzert, MartinBallade, ReineckeKonzert) und Orchesterstellen (Strauß Salomé, LeonorenOuvertüre) zusammen mit einem Schüler eine eindrucksvolle Demonstration des MüllerDombois'schen Konzeptes. Daß sich das MüllerDombois'sche Konzept von einer bloßen OrchesterstellenMethode unterscheidet, wurde auch dadurch unterstrichen, daß mit Wegner ein Hochschullehrer für die Präsentation gewonnen werden konnte.

