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Flöte aktuell 4.2000

Bach und ...

ein Fest zum 15. Geburtstag der Deutschen Gesellschaft für Flöte, Seite 2

Das Nachmittagskonzert am Bachtag der DGfF

Einen besonderen musikalischen Höhepunkt nach den Workshops am Vormittag bot das Nachmittagskonzert mit Peter­Lukas Graf und Jean­Claude Gérard. Es knisterte geradezu im Publikum, als Graf die Bühne betrat - wie immer ganz Grandseigneur mit Flöte und mit einer Ausstrahlung, die allerhöchstes musikalisches Niveau versprach. Endlich würde man die a­moll­Partita auch hören können, auf die man nach den beiden Workshops von Peter­Lukas Graf und Konrad Hünteler schon am Vormittag großen Appetit bekommen hatte, und das sogar mit Peter­Lukas Graf, neben Galway und Nicolet einer der internationalen «big three» unseres Instruments!

Die Spannung hatte sich wirklich gelohnt. Graf spielte so hinreißend, dass man sogar vergaß, dass es Flötensolosonaten waren, und nur noch Musik hörte (außer der J.S. Bach Solopartita standen auch die C.P.E. Bach Solopartita und zwei Fantasien von Telemann auf seinem Programm). In einer der Telemannfantasien gewann Grafs Flötenspiel einen so packenden, dramatischen Ausdruck, dass man als Zuhörer nach dem letzten Ton das Gefühl hatte, plötzlich wie aus einer Hypnose gerissen zu werden. Nichts kam zu kurz in Grafs Flötenspiel - der musikalische Sinn, die emotionale Expressivität, das musikantische Temperament, der bukolische Flötenklang, usw. usw. Rubati, Mehrstimmigkeit, der Wechsel von Forte­ zu Piano­ und Pianissimo­Passagen -&nsbp;die nicht nur einfach leise waren, sondern den Bachschen Himmel erahnen ließen - Phrasierung, Artikulation, kurz alle musikalischen Ausdrucks­ und Gestaltungsmittel wurden von Graf mit solcher stilistischer Meisterschaft eingesetzt, dass das Ganze nicht wie ein Konzertbeitrag im Rahmen eines Flötenfestivaltags wirkte, sondern eher wie ein Konzert in der Royal Festival Hall. Entsprechend war auch der Applaus. Man hatte sogar das Gefühl, dass es, wenn es so etwas wie eine mustergültige musikalische Darstellung der J.S. Bach a­moll­Partita gibt, das war, was wir von Graf hörten - auch wenn sich Graf in seinem Workshop am Morgen vehement gegen universelles oder sogar uniformes musikalisches Nachschöpfen ausgesprochen hatte.

(v.l.) Andreas Kersten, Jean-Claude Gérard(v.l.) Andreas Kersten, Jean-Claude Gérard Nach der Pause dann der zweite Teil des Nachmittagskonzerts mit Jean­Claude Gérard - wie üblich im leger­eleganten Jacques­Loussier­Outfit - und Kompositionen von J.S. Bach. Witzig war die C­Dur­Sonate ohne Continuo­Begleitung, man hatte als Zuhörer plötzlich das Gefühl, immer schon gewusst zu haben, dass es auch ohne Begleitung geht. Gérards Spiel zeigte Verve und Farbenvielfalt, stand aber im Gegensatz zu Graf ganz deutlich in der französischen Tradition des nonchalanten Flötenspiels - durchaus mit Witz und elegantem Charme durch die gleichsam tänzerische Geste im musikalischen Ausdruck, die geschmeidigen Phrasen­ und Registerübergänge und die temperamentvollen accelerandi.

Marco Lehmann-­Waffenschmidt

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Erschienen in: Flöte aktuell 4/2000, Seite 12

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aktualisiert am Montag, 04. Dez. 2006 um 13:01:03 CET

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